Das Foto zeigt Mitglieder der malischen Militärjunta. | Bildquelle: REUTERS

Nach Umsturz in Mali Militär soll drei Jahre lang regieren

Stand: 24.08.2020 07:21 Uhr

Knapp eine Woche nach dem Putsch im westafrikanischen Mali werden erste Pläne der Machthaber bekannt: Eine Zivilregierung wollen sie vorerst nicht zulassen, Ex-Präsident Keita soll freigelassen werden.

Die Anführer des Militärputsches in Mali streben eine mindestens dreijährige Übergangsphase bis zur Rückkehr zu einer Zivilregierung an. In dieser Phase solle das Militär den Staatschef sowie die meisten Regierungsmitglieder stellen, hieß es aus der westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS, die mit den neuen Machthabern verhandelt. Die Putschisten hatten am Dienstag den Präsidenten Ibrahim Boubacar Keita gestürzt.

Die Junta wolle in der von ihr geplanten Drei-Jahres-Phase "die Grundlagen des malischen Staates" einer Überprüfung unterziehen, so die ECOWAS-Delegation. Nur wenige Stunden zuvor hatten sich die Entsandten der Staatengruppe noch zuversichtlich gezeigt, dass eine rasche Rückkehr zu einer zivilen Regierung in Bamako gelingen könne.

Keita soll freigelassen werden

Die aus insgesamt 15 westafrikanischen Staaten bestehende ECOWAS steht auf der Seite Keitas und fordert seine Rückkehr ins Amt. Der Staatschef hatte unter dem Druck der Putschisten seinen sofortigen Rücktritt und die Auflösung des Parlaments verkündet. Keita, der bisherige Regierungschef Boubou Cissé und weitere ranghohe Regierungsmitglieder wurden von den neuen Machthabern auf einer Militärbasis nahe der Hauptstadt Bamako festgesetzt. 

Aus der ECOWAS-Delegation wie auch aus der Junta hieß es, dass Keita freigelassen werden solle. Er dürfe in sein Privathaus in Bamako zurückkehren. Auch dürfe der Ex-Staatschef ins Ausland reisen, wenn er sich dort medizinisch versorgen lassen wolle. Cissé wiederum solle in eine "abgesicherte Residenz" in Bamako gebracht werden. 

Unmut über islamistische Angriffe und Korruption

Die Verhandlungen zwischen der ECOWAS-Delegation und den Putschisten sollen im Laufe des Tages fortgesetzt werden. Die ECOWAS-Vertreter waren am Samstag in Mali eingetroffen und besuchten Keita auf der Militärbasis Kati. "Wir haben ihn gesehen, es geht ihm sehr gut", sagte der ECOWAS-Chefunterhändler und nigerianische Ex-Präsident Goodluck Jonathan anschließend.

Keita hatte bereits vor dem Putsch seit geraumer Zeit unter Druck gestanden, weil es ihm unter anderem nicht gelungen war, die seit 2012 andauernden Angriffe von Islamisten vor allem im Norden des Landes unter Kontrolle zu bringen. Auch verschleppte politische Reformen, eine schwächelnde Wirtschaft und Korruptionsvorwürfe verschärften die Krise im Land.

Internationale Kritik am Umsturz

Keitas Entmachtung wurde in der vergangenen Woche von Tausenden Anhängern der politischen Opposition in den Straßen von Bamako gefeiert. International löste der Umsturz jedoch breite Kritik aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel verurteilte den Putsch. Die EU warnte vor einer "destabilisierenden Wirkung" der Ereignisse in Mali auf die gesamte Region "und den Kampf gegen den Terrorismus" in Westafrika. 

Die EU ist in Mali mit einer Ausbildungsmission vertreten, an der - ebenso wie an der UN-geführten Mission MINUSMA - auch die Bundeswehr beteiligt ist. Derzeit nehmen rund 900 Bundeswehrsoldaten und Bundespolizisten an MINUSMA teil. Außerdem wirken aktuell etwa 75 deutsche Soldaten an der EU-Ausbildungsmission mit. 

Mali nach Putsch: Militärjunta kündigt dreijährige Übergangsphase an
Dunja Sadaqi, ARD Rabat
24.08.2020 06:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. August 2020 um 06:43 Uhr.

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