Malala in Pakistan | Bildquelle: AFP

Friedensnobelpreisträgerin Malala Rückkehr an den Ort des Grauens

Stand: 31.03.2018 13:00 Uhr

Als Teenager wurde Malala Yousafzai berühmt, weil sie sich für Mädchen einsetzte. Dann schossen ihr Taliban in den Kopf. Nun kehrte die Friedensnobelpreisträgerin in ihre Heimatstadt zurück - sichtlich bewegt.

Über fünf Jahre nach dem Anschlag der radikalislamischen Taliban ist die pakistanische Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai an ihren Heimatort zurückgekehrt. Per Hubschrauber flog die 20-Jährige nach Mingora, der Hauptstadt des Swat-Tals. Sie wurde von pakistanischen Regierungsmitgliedern begleitet.

"Mein Traum wurde wahr"

"Ich bin überglücklich", sagte sie nach der Ankunft. "Mein Traum wurde wahr. Dank der unschätzbaren Opfer meiner Brüder und Schwestern ist der Frieden ins Swat-Tal zurückgekehrt". In der Region ging Yousafzai zur Schule, bis ihr Extremisten 2012 in einem Schulbus in den Kopf schossen. Nach dem Attentat habe sie die Region "mit geschlossenen Augen verlassen, nun bin ich mit offenen Augen zurück", sagte Malala sichtlich bewegt.

Vor dem Attentat hatten die pakistanischen Taliban zeitweise die Kontrolle im Swat-Tal ausgeübt. Während dieser Zeit war Malala bekannt geworden, weil sie sich für die Bildung von Mädchen eingesetzt hatte.

Malala kam in Begleitung einer Regierungsdelegation ins Swat-Tal | Bildquelle: AFP
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Malala kam in Begleitung einer Regierungsdelegation ins Swat-Tal

Überraschender Besuch mit unterschiedlichen Reaktionen

Der Besuch kam - wie die gesamte Pakistanreise der Friedensnobelpreisträgerin - völlig überraschend. Das Echo auf ihren Besuch ist gemischt. "Wir finden es toll, dass Malala hier ist", sagt eineSchülerin in Mingora. Ein Mann widerspricht: "Wir haben hier im Tal gegen die Taliban gekämpft. Wir haben unsere Verwandten verloren. Es waren unsere Häuser, die zerstört wurden. Aber um uns kümmert sich niemand. Nennen Sie mir eine gute Tat, die Malala vollbracht hat!"

Die Frauenrechtlerin selbst versuchte in einem Interview, auch auf ihre Gegner in Pakistan zuzugehen: Sie sei stolz auf ihre Religion. "Der Islam lehrt mich, wie wichtig Frieden ist, wie wichtig Bildung ist. Das erste Wort im Koran heißt: Lies! Und die Frau des Propheten war Geschäftsfrau, was uns zeigt, wie wichtig es ist, dass Frauen am öffentlichen Leben teilnehmen können. Meine Botschaft ist Bildung. Und ich glaube nicht, dass das irgendwie gegen den Islam oder Pakistan sein könnte."

Yousafzai will nach Pakistan zurück

Yousafzai betonte, wie überwältigt sie sei, nach mehr als fünf Jahren wieder ihre Heimat besuchen zu können. Sie wünsche sich nach wie vor, nach ihrem Studium in Großbritannien dauerhaft in Pakistan zu leben. "Es ist mein Land, und ich habe ebenso ein Anrecht drauf wie jeder andere Pakistaner."

Malala reist überraschend in ihre Heimatregion
Jürgen Webermann, ARD Neu-Delhi
31.03.2018 18:18 Uhr

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Mit Informationen von Jürgen Webermann, ARD-Studio Neu-Delhi

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 31. März 2018 um 14:00 Uhr.

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