Frankreichs Präsident Macron bei einem Treffen mit US-Präsident Trump | Bildquelle: AFP

Nach Twitter-Angriffen Paris wirft Trump fehlenden Anstand vor

Stand: 14.11.2018 21:32 Uhr

Fehlender Anstand - es kommt selten vor, dass sich Regierungen oder Staatschefs so etwas vorwerfen. Der französischen Regierung ist nun offenbar der Kragen geplatzt - nach Trumps Twitter-Angriffen.

Die französische Regierung hat US-Präsident Donald Trump Taktlosigkeit wegen einer Reihe kritischer Tweets vorgeworfen. "Wir erinnerten an die Ermordung von 130 unserer Landsleute vor drei Jahren in Paris und Saint-Denis und daher werde ich auf Englisch antworten: Allgemeiner Anstand wäre angemessen gewesen", sagte Regierungssprecher Benjamin Griveaux.

Trump-Tweets gegen Macron

Trump hatte nach der Rückkehr von seinem Besuch in Paris Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron erneut deutlich attackiert. Er schrieb am Dienstag auf Twitter, Macron leide unter geringen Zustimmungswerten in Frankreich und habe die Aufmerksamkeit daher auf ein anderes Thema lenken wollen. "Übrigens, es gibt kein Land, das nationalistischer ist als Frankreich, sehr stolze Menschen, zu Recht!", schrieb Trump weiter.

Ein Wochenende voller Spannungen

Macron hatte am Wochenende seine Rede zum Gedenken an das Ende des Ersten Weltkrieges in Paris zu einer indirekten, aber doch unmissverständlichen Kritik an Trump genutzt. "Patriotismus ist das exakte Gegenteil von Nationalismus", sagte Macron dort. Trump bezeichnet sich selbst als "Nationalisten".

Trump war über das Wochenende zu den Feierlichkeiten rund um das Weltkriegsgedenken nach Paris gereist. Dort hatte er Macrons Bemerkungen zum Nationalismus nicht kommentiert. Das Wochenende war aber insgesamt begleitet von Unstimmigkeiten zwischen den beiden. Trump hatte seinen Besuch mit Kritik an Macron eingeläutet - für dessen Vorstoß, eine europäische Armee aufzubauen. Auch diese Initiative Macrons kritisierte Trump am Dienstag erneut in einem Tweet. Ebenso beklagte er Ungerechtigkeiten beim Handel mit Wein zwischen den USA und Frankreich.

Frankreich hatte am Dienstag der Opfer von islamistischen Terroranschlägen vor drei Jahren gedacht. Extremisten hatten am 13. November 2015 in der Konzerthalle "Bataclan" ein Massaker angerichtet sowie Bars und Restaurants im Osten der Hauptstadt beschossen. Am Stade de France sprengten sich während des Fußball-Länderspiels Frankreich-Deutschland zudem drei Selbstmordattentäter in die Luft.

Macron rief am Abend zu gegenseitigem Respekt auf. "Ich mache ehrlich gesagt keine Politik mit Twittern oder Kommentaren", sagte Macron in einem Interview des Fernsehsenders TF1. Die USA und Frankreich seien allerdings "in jedem großen Moment der Geschichte Verbündete" gewesen, betonte er. Frankreich sei jedoch kein Vasallenstaat der USA.

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