Der französische Präsident Macron und seine Frau Brigitte empfangen am Tag des offenen Denkmals Besucher im Elysée-Palast. | Bildquelle: ANNE-CHRISTINE POUJOULAT/POOL/EP

Fauxpas von Macron Fragwürdiger Rat löst Shitstorm aus

Stand: 17.09.2018 16:45 Uhr

Im Gespräch mit einem arbeitslosen Gärtner rät Frankreichs Präsident Macron, doch einfach den Beruf zu wechseln. Arrogant und abgehoben finden das viele Franzosen und reagieren mit Empörung.

Von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron nimmt selten ein Blatt vor den Mund. Auch dann nicht, wenn er mit den Franzosen redet. Einem arbeitslosen Gärtner hatte Macron am Wochenende den Ratschlag erteilt, er solle die Branche wechseln, dann werde er einen Job finden. Das sei arrogant und abgehoben urteilen viele Franzosen und sehen ihr Bild des "Präsidenten der Reichen" bestätigt.

"Wenn Sie bereit und motiviert sind, finden Sie einen Job"

Es ist ein gefundenes Fressen für all diejenigen, die es seit Monaten proklamieren: Macron sei der Präsident der Reichen, völlig abgehoben, weit weit weg von den Problemen der normalen Franzosen. Zu weit, um sie auch nur im Ansatz zu verstehen. Das sind noch die freundlicheren Kommentare, die in den sozialen Netzwerken zu dem Video kursieren, das Präsident Macron im Gespräch mit einem arbeitslosen Gärtner zeigt.

Anlässlich des Tages des offenen Denkmals besuchte der junge Mann den Élysée-Palast. Macron und seine Frau Brigitte erschienen im Garten zum Bad in der Menge. Der arbeitslose Gärtner erklärte dem Präsidenten, er habe unzählige Bewerbungen geschickt und keinen Job gefunden. "Wenn Sie bereit und motiviert sind, dann finden Sie einen Job. Die Gastronomie und das Hotelgewerbe suchen händeringend. Ich muss nur über die Straße gehen, dann finde ich einen Job für sie", entgegnete Macron.

Scharfe Kritik von allen Seiten

Wieder einmal setzte sich Macron in die Nesseln. Die Äußerung vom Samstag wird nicht nur in den sozialen Netzwerken, auch von der linken und rechten Opposition scharf kritisiert: Man gebe denjenigen, die sich verzweifelt um eine Arbeit bemühen keine klugen Ratschläge, sagte der rechtsextreme Politiker Nicolas Bay.

Die Linke erklärt, Macron demonstriere erneut seine elitäre Haltung: "Nur weil Macron bei der Rothschild-Bank gearbeitet hat, muss er nicht meinen, dass er den Bedürftigen kluge Ratschläge erteilen kann. Seine Äußerung ist untragbar. Vor einigen Tagen haben wir noch geglaubt, er habe die Kurve gekriegt, aber das hat wohl nicht lange gedauert", sagt der kommunistische Politiker Ian Brossart.

"Gleiche Ausgangsbedingungen für alle schaffen"

Erst vergangenen Donnerstag hatte Macorn seinen Plan für die Bekämpfung der Armut im Land vorgestellt. Ein Kernpunkt ist eine effektivere Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen. In seiner Rede an die Nation erklärte Macron, er wolle die gläserne Decke aufbrechen, gleiche Ausgangsbedingungen für alle Franzosen schaffen.

Macron habe ein konstruktives Gespräch mit dem arbeitslosen Gärtner geführt, erklärt Gerald Darmanin, der für den Haushalt zuständige Minister: "Was hätte ein anderer Politiker in dieser Situation gemacht? Vor den Kameras hätte er gesagt, geben Sie mir Ihre Bewerbung, ich helfe Ihnen. Er hätte die Bewerbung eingesteckt und nichts wäre passiert."

Klartext oder Phrasendrescherei?

Auch Christophe Castaner, Chef von Macrons Partei LaRem, konterte die heftige Kritik an Macrons Äußerungen. Der Präsident habe Klartext gesprochen. Ob jemand Phrasendrescherei vorziehe, fragt er.

Es ist nicht das erste Mal, dass Macron mit forschen Äußerungen einen Sturm der Entrüstung auslöst. Erst im Juni hatte er die Sozialleistungen als einen wahnsinnigen Haufen Kohle bezeichnet, die der Staat ausgeben muss. Angesichts solcher verbalen Provokationen, treten seine gerade erst beschlossenen Maßnahmen zur Armutsbekämpfung in den Hintergrund.

Job-Ratschlag an Gärtner beschert Macron Shitstorm
Sabine Wachs, ARD Paris
17.09.2018 15:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. September 2018 um 16:10 Uhr.

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