Emmanuel Macron und Wladimir Putin | Bildquelle: dpa

Putin bei Macron Betonte Herzlichkeit trotz der Eiszeit

Stand: 16.08.2018 15:40 Uhr

Frankreichs Präsident Macron ist neu im Amt - doch auf der internationalen Bühne schlägt er schon Pflöcke ein. Im Syrien-Konflikt legte er beim Treffen mit Russlands Präsidenten Putin eine "rote Linie" seines Landes fest. Von Kerstin Gallmeyer.

Von Kerstin Gallmeyer, ARD-Studio Paris

Es hätte keine glanzvollerer Kulisse sein können als diese: Im Schloss von Versailles - dem vor Gold und Glanz überbordenden Machtzentrum des früheren Sonnenkönigs Ludwig des XIV. - erwartete Frankreichs Präsident Emmanuel Macron seinen Gast, Wladimir Putin.

Vor 300 Jahren Peter der Große - heute Wladimir Putin

Dem russischen Staatschef dürfte dieses prachtvolle Ambiente durchaus geschmeichelt haben, auch wenn dessen Limousine - mit Absicht oder nicht - über eine halbe Stunde später als geplant das goldene Eingangstor passierte. Anlass des viel beachteten Besuchs aus Moskau war eine Ausstellung über die erste Frankreich-Reise von Peter dem Großen vor genau 300 Jahren.

Das war damals der Startschuss für die diplomatischen Beziehungen beider Länder - und heute eine günstige Gelegenheit, für den erst vor zwei Wochen ins Amt gekommenen Macron, das Eis zwischen Paris und Moskau etwas zum Schmelzen zu bringen.

"Sicher, man wollte Putin damit den roten Teppich ausrollen", meint Fabien Oppermann, Chef-Konservator des französischen Kulturerbes. "Aber das ist kein Blankoscheck. Mit dem Empfang in Versailles demonstriert Frankreich seine Macht." Und damit begegneten sich "zwei gleichwertige Staatschefs."

Ein Handschlag und sogar ein Lächeln

Das sollte wohl auch der Handschlag zwischen den beiden Präsidenten ausdrücken. Nach dem Kräftemessen mit dem US-Präsidenten beim NATO-Treffen schauten alle Augen und Kameras natürlich ganz genau darauf.

Handschlag von Macron und Putin | Bildquelle: dpa
galerie

Ein Handschlag als Symbol: Macron und Putin auf der Suche nach einer Annäherung

Doch von Trump'schen Ausmaßen war diesmal nichts zu spüren: Macron und Putin fassten sich gegenseitig am Arm und hatten sogar ein Lächeln füreinander übrig - betonte Herzlichkeit angesichts der diplomatischen Eiszeit, die die letzten Monate über zwischen Frankreich und Russland geherrscht hatte. Das hatte vor allem mit dem Syrien-Konflikt zu tun.

Heikle Themen auf der Tagesordnung

Macrons Amtsvorgänger Hollande hatte die russischen Luftangriffe auf die Stadt Aleppo an der Seite von Machthaber Assad heftig kritisiert. Putin hatte einen länger geplanten Besuch in Paris im vergangenen Oktober im Zuge dieser Verwerfungen abgesagt. Bei dem ersten Treffen von Macron und Putin kam das heikle Thema Syrien aber genauso auf den Tisch wie die Ukraine-Krise.

Anspruchsvoll sollte sein Dialog mit dem russischen Staatschef sein, hatte Frankreichs Präsident zuvor angekündigt - und ohne Zugeständnisse, aber auch in dem Bewusstsein, dass es ohne Russland nicht geht.

"Keine wesentliche Herausforderung kann heute bei diesen Themen angegangen werden, ohne mit Russland im Dialog zu sein", sagte Macron auf der Pressekonferenz in der historischen Schlachtengalerie im Schloss von Versailles. "Auch deshalb wünsche ich mir, dass wir - wie es eine lange Zeit der Fall war - die Themen gemeinsam anschneiden können, die die Gegenwart und die Zukunft unserer beiden Länder bestimmen."

Die "rote Linie" der Franzosen

Gemeinsamkeiten fanden sich zwar nicht unbedingt beim Streitpunkt Syrien. Für das Bürgerkriegsland bekräftigte Macron, dass Chemiewaffenangriffe auf die Zivilbevölkerung die "rote Linie" blieben. Frankreich werde zukünftige Angriffe nicht unbeantwortet lassen. Beim Kampf gegen den Terror aber sehen beide Länder Möglichkeiten zur Zusammenarbeit.

Putin-Macron-PK im Mai 2017 | Bildquelle: REUTERS
galerie

Macron zeigt die "rote Linie" der Franzosen im Syrienkonflikt auf

So erklärte Russlands Präsident Putin: "Das Wichtigste ist der Kampf gegen den Terrorismus. Der französische Präsident hat vorgeschlagen, eine Arbeitsgruppe zu gründen, um den Austausch von Experten zwischen Moskau und Paris zu fördern. Das Ziel ist eine praktische Kooperation gegen die terroristische Bedrohung ins Leben zu rufen, die für uns besonders gefährlich ist - wie auch für die westlichen Länder - Frankreich inbegriffen."

Keine Russland-Politik ohne die EU

Dass Frankreich ab jetzt aber sein eigenes Ding in der Russland-Politik macht, müssten die EU-Partner nicht befürchten, meint der französisch-luxemburgische Politikexperte Francois Heisbourg. Für Macron hätten die deutsch-französische Beziehung und das Europäische Projekt noch immer oberste Priorität: "Die Wiederbelebung von Europa ist das wichtigste Projekt von Präsident Macron. Macron will mit der deutschen Kanzlerin keinen Streit beim Thema 'Sanktionen gegen Russland'. Er will auch nicht an Diskussionen über Syrien teilnehmen, wenn es nicht zusammen mit den europäischen Partnern ist."

Diese Stoßrichtung zeigte sich auch beim Ukraine-Konflikt. Macron sagte, sein und Putins Wunsch sei es, sobald wie möglich ein neues Treffen im sogenannten Normandie-Format abzuhalten – zusammen mit Deutschland und der Ukraine.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Mai 2017 um 20:00 Uhr.

Darstellung: