Pub in London | Bildquelle: REUTERS

Großbritannien in der Corona-Krise "Sorry, we are closed"

Stand: 20.03.2020 20:32 Uhr

Der Pub-Besuch ist für viele Briten fester Bestandteil. Aus Sorge vor dem Coronavirus hat die Regierung nun alle Kneipen geschlossen. Außerdem will die Regierung Teile der Gehälter kriselnder Firmen übernehmen.

Nach anfänglichem Zögern setzt nun auch die britische Regierung auf schärfere Maßnahmen in der Corona-Krise: Alle Pubs, Bars, Restaurants und Cafés bleiben im Land geschlossen. Auch Nachtclubs, Theater, Kinos, Freizeitzentren und Sportstudios dürften nicht mehr betrieben werden. Die meisten Universitäten in Großbritannien haben bereits den Lehrbetrieb eingestellt oder auf Fernvorlesungen umgestellt. Die neuerlichen Verschärfungen gelten bereits von diesem Freitagabend an, teilte Premierminister Boris Johnson mit.

"Ich weiß, dass wir etwas Außergewöhnliches machen, wir nehmen das uralte und unveräußerliche Recht frei geborener Menschen, in den Pub zu gehen, weg."

Die Menschen auf der Straße zeigten Verständnis für den Schritt. "Das ist nicht das Ende der Welt", kommentierte ein Bewohner von Harrogate die Pub-Schließung. Man werde nun halt ein paar Wochen zuhause bleiben müssen, sagte eine Passantin. Dafür sei die Rückkehr danach umso schöner.

Johnson erklärte, es sei vollkommen klar, dass soziale Zusammenkünfte um 75 Prozent reduziert werden müssten. Er wolle absolut klarmachen, dass die Regierung auch Schließungen durchsetzen werde.

Hinweisschild an der Tür eines Pubs | Bildquelle: AFP
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Hinweisschild an der Tür eines Pubs in London.

Staat zahlt bis zu 80 Prozent eines Gehalts

Die britische Regierung war wegen ihres lange Zeit zögerlichen Umgangs mit der Corona-Krise heftig kritisiert worden. Erst deutlich nach den meisten EU-Ländern hatte sie dazu aufgerufen, auf nicht notwendige Reisen und soziale Kontakte zu verzichten.

Inzwischen vollzog die britische Regierung eine Kehrtwende und kündigte nun sogar an, dass kriselnde Unternehmen beim britischen Staat die Übernahme eines Großteils der Gehälter beantragen können. Der Staat werde für bis zu 80 Prozent eines Gehaltes aufkommen - maximal 2500 Pfund im Monat, kündigte Finanzminister Rishi Sunak an. Die Zusage gelte für mindestens drei Monate und werde bei Bedarf auch darüber hinaus verlängert.

Hilfe von Pensionären?

Darüber hinaus schrieb die Regierung 65.000 Ärzte und Pflegekräfte im Land an, die sich seit höchstens drei Jahren im Ruhestand befinden. Sie sollen helfen, den absehbaren Personalmangel in den Krankenhäusern aufzufangen. In Großbritannien wurden bislang rund 3300 Corona-Fälle registriert, bei etwas mehr als 60.000 Tests. Experten vermuten allerdings, dass wegen dieser relativ geringen Zahl von Tests die Zahl der tatsächlichen Fälle wesentlich höher liegt, möglicherweise zwischen 35.000 und 50.000.

Mit Informationen von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. März 2020 um 20:00 Uhr.

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