Das Flüchtlingsschiff Lifeline nimmt Flüchtlinge auf. | Bildquelle: AP

Suche nach Hafen Auch Spanien lehnt die "Lifeline" ab

Stand: 26.06.2018 01:33 Uhr

Die Irrfahrt der "Lifeline" nimmt kein Ende: Das Rettungsschiff mit 234 Flüchtlingen an Bord erhält keinen Zugang zu einem europäischen Hafen. Ein dänischer Frachter mit Migranten an Bord darf in Italien anlegen.

Die Crew des deutschen Rettungsschiffs "Lifeline" mit 234 Flüchtlingen an Bord hofft weiter auf eine Erlaubnis zur Einfahrt in einen europäischen Hafen. Auch in Spanien habe man vor einigen Tagen angefragt, sagte der Mitbegründer der Dresdner Flüchtlingsinitiative "Mission Lifeline", Axel Steier, dem rbb. Doch auch die spanische Regierung hat eine Aufnahme der "Lifeline" abgelehnt.

"Können nicht Seerettungsorganisation werden"

Der spanische Minister für öffentliche Arbeiten, José Luis Ábalos, sagte dem Radiosender "Cadena Ser", Spanien könne nicht die Seerettungsorganisation Europas werden. Mit der Aufnahme des Rettungsschiffs "Aquarius" Mitte Juni habe man auf das Problem aufmerksam machen wollen. Nun sei eine politische Lösung nötig.

An Bord der "Lifeline" befanden sich mehrere Bundestagsabgeordnete. Die migrationspolitische Fraktionssprecherin der Grünen, Luise Amtsberg, ihr Parteikollege Manuel Sarrazin und der Linke Michel Brandt riefen die Bundesregierung auf, sich für eine schnelle Lösung einzusetzen. Die Flüchtlinge dürften nicht alleingelassen werden, weil Europa versage, erklärten sie per Twitter. Die Lage sei brenzlig, da das Wetter umschlagen könnte.

Probleme für Handelsschiffe

Indirekte Unterstützung bekommt die "Lifeline" von der Handelsschifffahrt: Die kommerzielle Schifffahrt warnte, dass die Schließung der italienischen Häfen und das Vorgehen gegen die privaten Rettungsorganisationen eine sehr problematische Situation im Mittelmeer hervorriefen. Immer häufiger müssten Handelsschiffe Menschen retten, wofür sie jedoch weder personell noch von den Schiffen her ausgestattet seien, sagte John Murray vom internationalen Schifffahrtsverband ICS dem Evangelischen Pressedienst.

"Handelsschiffe sind kein sicherer Ort für die Geretteten, unsere Crews sind nicht für die Betreuung der oftmals traumatisierten und körperlich schwachen Menschen ausgebildet." Die Schiffe retten Menschen in Not, wie es ihre Verpflichtung laut internationalen Regularien sei, sagte er. Aber auch die Mittelmeer-Anrainerstaaten seien verpflichtet, den Geretteten das Ausschiffen schnell zu ermöglichen.

Maersk-Handelsschiff vor der Küste Siziliens | Bildquelle: AP
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Das Handelsschiff "Alexander Maersk" fand mit 113 Flüchtlingen drei Tage lang keinen Hafen.

"Alexander Maersk" läuft in Sizilien ein

Auch das Handelsschiff "Alexander Maersk" trieb drei Tage lang mit etwa 110 Flüchtlingen im Mittelmeer. Die dänische Integrationsministerin Inger Støjberg forderte die Regierung in Rom auf, die Flüchtlinge an Land gehen zu lassen. "Das sind Migranten, die auf dem Weg nach Italien waren, und natürlich muss auch Italien sie akzeptieren", sagte Støjberg dem Dänischen Rundfunk.

Schließlich durfte das Schiff im sizilianischen Pozzalo einlaufen - ein Schleppboot zog das Containerschiff in den Hafen. Salvini habe die Einfahrt gestattet, sagte Roberto Ammatuna, der Bürgermeister Pozzalos. "Wir werden diese Menschen mit der gleichen Menschlichkeit wie immer aufnehmen", setzte er hinzu. Mit dem heutigen Tag habe sich gezeigt, "dass Solidarität immer noch ein verbreitetes Gefühl ist".

Lage an Bord der Lifeline - Salvini sucht Kooperation mit Libyen
Jan-Christoph Kitzler, ARD Rom
25.06.2018 19:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 25. Juni 2018 Deutschlandfunk um 14:00 Uhr und tagesschau24 um 15:00 Uhr.

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