Russlands Außenminister Sergej Lawrow schüttelt die Hand von Jean-Claude Gakosso, Außenminister der Republik Kongo | EPA

Lawrow in Afrika Russland sucht Schulterschluss mit Afrika

Stand: 26.07.2022 06:47 Uhr

Russlands Außenminister Lawrow reist durch Afrika, auf Werbetour für Moskaus Position im Ukraine-Konflikt. Die Botschaft: Der Westen ist Schuld an der Nahrungsmittelkrise. Zudem will er Russlands Position in Afrika ausbauen.

Von Norbert Hahn, ARD-Studio Nairobi

Eine herzliche Umarmung mit dem Amtskollegen direkt auf dem Rollfeld in Oyo. Der russische Außenminister Sergej Lawrow wirkt, als ob er seinen Amtskollegen Jean-Claude Gakosso öfter trifft. Zumindest hier, in der Republik Kongo, ist aber noch nie ein wichtiges Regierungsmitglied aus Moskau gelandet - angeblich auch nicht in Sowjetzeiten.

Norbert Hahn ARD-Studio Nairobi

Russland hat in Afrika aber alle im Blick, so die Botschaft: nicht nur das traditionell wichtige Ägypten, sondern vor allem auch die Staaten Subsahara-Afrikas, um das sich Moskau seit Jahren so intensiv bemüht. Eben auch die Republik Kongo.

Natürlich ist die Nahrungsmittelkrise das Hauptthema des Reisemarathons. "Es gibt keinen Grund, dass die Getreidelieferungen an die Kunden nicht gemäß dem Istanbuler Abkommen beginnen können. Wir haben daran keine Schuld," sagt Lawrow einmal mehr in Oyo. Die wichtigeren Botschaften hatte er eigentlich vorher ausgesandt, in einem langen Artikel, der in Zeitungen der vier Länder erschienen ist, die er besucht.

Moskau will politischen Einfluss

"Wir sind dem Prinzip 'Afrikanische Lösungen für afrikanische Probleme' verpflichtet," schreibt Lawrow. Das unterscheide sich eben vom "Master-Sklave"-Prinzip anderer, die nur das "überflüssig gewordene, koloniale Modell" wiederholen würden. "Unserem Land haften nicht die blutigen Verbrechen des Kolonialismus an. Wir haben immer aufrichtig die Afrikaner in ihrem Kampf für die Befreiung von kolonialer Unterdrückung praktisch unterstützt."

Russland als Befreier, auch wenn die internationale Solidarität aus Sowjetzeiten - wenn es sie denn jemals gab - in den Beziehungen zu Moskau heute eher wie Folklore wirkt. Wladimir Putins Russland versucht in den Fußstapfen Chinas und des Westens zu treten. Es geht um politischen Einfluss und Bodenschätze im Tausch mit dem, was Russland zu bieten hat. Und weil Russland gerade kein Großmeister in Konsumartikeln und internationalen Infrastruktur-Projekten ist, geht es oft um Waffen und Sicherheit.

Statt Rohstoffe liefert Russland Waffen

Für fast die Hälfte aller Waffeneinfuhren nach Afrika ist Russland mittlerweile verantwortlich, so das Friedensforschungsinstitut SIPRI. Mit mehr als 20 Staaten des Kontinents hat Moskau in den vergangenen zehn Jahren Militärhilfeabkommen geschlossen.

Es geht um einen Milliardenmarkt, um Kriegswaffen, aber auch um Söldner, für die Russland regelmäßig jede Verantwortung abstreitet. Gezahlt wird oft in Bodenschätzen, bei denen Afrika einiges zu bieten hat. Europa, die USA und China haben da ihre Erfahrungen - aber Russland möchte nun mit dabei sein. Auch, wenn es darum geht, den Boden in den jeweiligen Ländern zu bereiten.

"Russland setzt jüngst auch immer mehr auf die Kultur, etwa russischen Sprachunterricht an Schulen," sagt Philip Nyinguro, Politiloge an der Universität Nairobi. Sportfestspiele an Schulen oder der Aufbau von eigenen Radioprogrammen wie in der Zentralafrikanischen Republik - es gilt, die Herzen der Bevölkerung zu gewinnen, das hat man auch in Moskau begriffen. Werte, die der Westen in Afrika gern vertreten sähe, wie Demokratie und Menschenrechte, stehen nicht auf der Agenda - ganz nach der Lawrow-Maxime vom eigenen afrikanischen Weg.

Lawrow sucht Schulterschluss

Auch das ist wohl ein Grund, warum Uganda und dessen Präsident Museveni auf dem Besuchsplan Lawrows steht. Bei den Präsidentschaftswahlen im vergangenen Jahr hagelte es für Museveni Kritik von den USA und der EU, weil er gewaltsam gegen die Opposition vorging. Mehr Verständnis gab es von Russland - und das braucht er auch. Schließlich will Museveni seinen Sohn mal ohne großes Aufsehen zum Nachfolger machen. Politologe Nyinguro meint: "Wenn Museveni die Macht an Familienmitglieder übergeben will, dann macht er es besser mit Russland und China. Denn denen wird das alles egal sein."

Lawrow wird seine Vorstellungen von den Ursachen und Lösungsmöglichkeiten der Nahrungsmittelkrise zum Abschluss seiner Reise Botschaftern aus weiteren afrikanischen Ländern in Addis Abeba präsentieren, am Sitz der Afrikanischen Union.

Noch versuchen die meisten Länder des Kontinents, im Ukraine-Russland-Konflikt unparteiisch zu bleiben, zumindest äußerlich. Ob es Lawrow gelingt, Staaten von den guten Absichten Russland zu überzeugen und auf seine Seite zu ziehen, ist offen. Zuhören werden sie ihm - auch das dürfte für Lawrow schon ein Erfolg sein.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Juli 2022 um 05:25 Uhr.