Die Flaggen Russlands und der Zentralafrikanischen Republik werden bei einer Demonstration in Bangui geschwenkt. (Archivbild: 5. März 2022) | AFP

Moskaus Aktivitäten in Afrika Waffen gegen Rohstoffe

Stand: 09.03.2022 17:41 Uhr

Russland hat in den vergangenen Jahren die Verbindungen zum afrikanischen Kontinent stark ausgebaut. Das Engagement hat wirtschaftliche Gründe - soll dem Kreml aber auch neue politische Allianzen erschließen.

Von Antje Diekhans, ARD-Studio Nairobi

Es war eine deutliche Stimme vom afrikanischen Kontinent: Noch vor Russlands Angriff auf die Ukraine bezog Kenias Botschafter bei den Vereinten Nationen Position. Martin Kimani spielte auf die Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin an, als dieser seine Ansprüche auf die Ukraine aus der Geschichte ableitete.

Antje Diekhans ARD-Studio Nairobi

Afrika habe gelernt, mit der Vergangenheit abzuschließen, obwohl der Kontinent in der Kolonialzeit willkürlich aufgeteilt worden sei, sagte der Kenianer. "Wir haben uns entschieden, mit den Grenzen zu leben und auf andere Weise zusammenzuwachsen, statt mit einer gefährlichen Nostalgie auf die Geschichte zu schauen."

Viele Staaten stellen sich nicht gegen Putin

Auch wenn der Botschafter dabei einige Konflikte unter den Teppich kehrte, wurde er für seine Aussagen in der Heimat gefeiert. Kimani habe Putin mutig zurechtgewiesen, titelte eine Internetzeitung. 

Kenia war auch eines der Länder, das sich in der UN-Vollversammlung klar gegen Russlands Invasion stellte. Insgesamt 17 afrikanische Staaten enthielten sich allerdings bei der Abstimmung, darunter die engsten Verbündeten auf dem Kontinent, Sudan, Mali und die Zentralafrikanische Republik. Das kleine Eritrea stärkte Russland demonstrativ den Rücken.

Neues Interesse nach Krim-Annexion

Putin habe die Beziehungen zu Afrika vor allem in den vergangenen Jahren intensiviert, sagt der Direktor einer kenianischen Denkfabrik, Hassan Khannenje. "Die Krise nach der Annexion der Krim hat es für Moskau notwendig gemacht, sich nach neuen Partnern umzuschauen", erklärt er. "Wegen der Sanktionen aus Europa ging der Blick nach Afrika. Zum Einen, weil der Kontinent sich wirtschaftlich schnell entwickelte. Zum Anderen, weil hier Unterstützung innerhalb der Vereinten Nationen mobilisiert werden konnte."

Die Wirtschaftsbeziehungen wurden ausgebaut. Vor zweieinhalb Jahren lud Putin zum Russland-Afrika-Gipfel ans Schwarze Meer. Viele Abkommen, die dort angestoßen wurden, lassen sich unter der Überschrift "Waffen gegen Rohstoffe" zusammenfassen. "Russland ist der größte Waffenlieferant des Kontinents", sagt Khanneje. "Fast die Hälfte der Importe kommen von dort." Das mache viele Länder abhängig. "Die russischen Waffen sind billiger, und vor allem ist das Militär in den afrikanischen Ländern den Umgang damit schon gewohnt."

Russische Söldner als trojanisches Pferd

Eine besondere Rolle spielt auch die Wagner-Truppe - russische Söldner, die in mehreren afrikanischen Ländern aktiv sind. In der Zentralafrikanischen Republik halte sich die Regierung mit deren Unterstützung an der Macht, auch wenn die Aktionen der Truppe geheim gehalten werden, sagt die Programmdirektorin der International Crisis Group in Zentralafrika, Enrica Picco. "Niemand weiß, wie viele russische Söldner im Land sind", sagt sie. "Es könnten etwa 1500 sein. Gleichzeitig sind etwa 12.000 Soldaten der internationalen Friedenstruppen da, denen es seit 2014 nicht gelungen ist, für Sicherheit zu sorgen."

Die Wagner-Truppe ist Putins trojanisches Pferd, mit dem er Russlands Präsenz auf dem Kontinent sichert. Dank der Söldner kann er Konflikte wie in der Zentralafrikanischen Republik oder in Mali für sich instrumentalisieren, ohne offiziell beteiligt zu sein.