Polizisten nehmen in Barcelona einen Taschendieb fest. | Bildquelle: picture alliance / NurPhoto

Katalanische Metropole Barcelonas Kampf gegen die Kriminalität

Stand: 02.09.2019 02:42 Uhr

In Barcelona steigt nicht nur die Zahl der Diebstähle - auch die gewalttätigen Raubüberfälle nehmen zu. Die Touristenmetropole kämpft gegen die Kriminalität, die immer mehr zum Imageproblem wird.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

Es ist verlockend, das Meer am Stadtstrand von Barcelona. Gerade an heißen Tagen wie diesen. Viele Touristen legen ihre Sachen am Strand ab - und springen spontan ins Wasser. Um dann eine böse Überraschung zu erleben, so Antonio Alcántara von der Strandpolizei Barcelona: "Wenn der Eigentümer der Sachen aus dem Wasser kommt, muss er oft merken, dass alles weg ist. Diebe haben seine Kleidung gestohlen. Er fühlt sich dann oft schutzlos und frustriert."

Besonders unangenehm, wenn es am FKK-Abschnitt des Strands passiert. Für diesen Fall haben er und seine Kollegen dann eine Art Notfallkit dabei: "Wir haben da einen Beutel drin, eine Hose, ein T-Shirt, Schlappen und eine Fahrkarte für die U-Bahn, damit die Leute auch wieder hier wegkommen." Mehr als 170 solcher Beutel haben Antonio und seine Kollegen in diesem Jahr schon verteilt, im vergangenen Jahr waren es gut 50 weniger.

Der Strand in Barcelona | Bildquelle: REUTERS
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Auch am Strand müssen Touristen und Einheimische auf ihre Wertsachen gut aufpassen.

Schwere Straftaten nehmen zu

Die Zahlen sprechen für einen Trend: 2018 haben die Straftaten in Barcelona um 17 Prozent zugenommen - und in den ersten sechs Monaten dieses Jahres noch einmal um neun Prozent. Darunter sind auch schwere Straftaten: Mehr als 5300 Mal wurden Menschen im Laufe des Jahres auf offener Straße in Barcelona beraubt.

Zum Vergleich: In Berlin gab es im ganzen Jahr 2018 weniger als die Hälfte solcher Fälle. Ignasi Teixidó von der katalanischen Polizei Mossos d’Esquadra in Barcelona sagt dazu: "Die gewalttätigen Raubüberfälle mit Einschüchterung auf offener Straße haben im Laufe des Jahres um 30 Prozent zugenommen. Allerdings ist auch die Zahl der Verhaftungen um 80 Prozent gestiegen. Wir sind guter Hoffnung, dass es uns damit gelingt, die Lage wieder deutlich zu verbessern - das ist teils auch schon der Fall."

Botschafter auf belebter Straße beraubt

Der afghanische Botschafter in Spanien wurde vor zwei Wochen auf einer belebten Straße von einer Gruppe junger Diebe umzingelt. Sie schlugen ihn zu Boden und stahlen ihm seine Luxusuhr. Einer älteren Südkoreanerin wollten Diebe ihre Handtasche klauen. Sie stürzte so unglücklich zu Boden, dass sie mit dem Kopf aufschlug und starb.

Auffällig oft geht es den Dieben um Schmuck oder Armbanduhren. Das US-Konsulat rief seine Bürger schon dazu auf, nicht auffälligen, teuren Schmuck in Barcelona zur Schau zu stellen. Bei den Dieben handelt es sich häufig um junge Nordafrikaner, die unbegleitet nach Katalonien gekommen sind und teils auf der Straße leben.

Bürgermeisterin macht Regionalregierung verantwortlich

Barcelona hat ein Sicherheitsproblem, das längst auch zum Imageproblem wird. Viele machen die linke Bürgermeisterin Ada Colau für die schlechte Sicherheitslage verantwortlich. Sie schiebt den schwarzen Peter an die Regierung von Katalonien weiter.

Nach einem Treffen mit Regionalpräsident Quim Torra sagte sie Ende Juli: "Ich habe ihm gesagt, dass wir uns im vergangenen Jahr in Barcelona sehr allein gelassen gefühlt haben. Vor einem Jahr hat mir der katalanische Innenminister noch gesagt, dass es nicht nötig sei, mehr Polizisten nach Barcelona zu schicken. Heute sieht er ein, dass das sehr wohl nötig ist."

Der Druck hat immerhin dafür gesorgt, dass sich Beamte der spanischen Policía Nacional eng mit ihren Kollegen von der katalanischen Polizei abstimmen - bislang keine Selbstverständlichkeit. Beide Organisationen haben seit langem ein angespanntes Verhältnis zueinander. Jetzt gehen sie in gemeinsamen Teams auf die Straße - etwa, um Taschendiebe in der U-Bahn zu fassen und noch an Ort und Stelle festzunehmen.

Obacht am Strand!

Für Touristen gilt allerdings weiterhin: Vorsichtig sein, gerade auch am Strand. Das haben sich auch die Touristinnen Anne und Christine aus den USA vorgenommen: "Eine von uns bleibt immer da und passt auf die Sachen auf, während die andere schwimmen geht. Wir haben gelesen, dass im Moment besonders viel gestohlen wird - das gilt besonders für Touristen. Da versuchen wir, vorsichtig zu sein."

Achtung, Diebe! In Barcelona nehmen Raubüberfälle deutlich zu
Marc Dugge, ARD Madrid
01.09.2019 23:01 Uhr

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