Ermittler an der Absturzstelle eines Hubschraubers in Calabasas | Bildquelle: AFP

Hubschrauber-Unglück Was führte zum Bryant-Absturz?

Stand: 28.01.2020 08:51 Uhr

Ermittler suchen nach der Ursache für den Hubschrauberabsturz, bei dem Basketball-Superstar Kobe Bryant ums Leben kam. Womöglich verlor der Pilot im dichten Nebel die Übersicht und geriet in einen fatalen Sinkflug.

Nach dem überraschenden Unfalltod des früheren Basketball-Stars Kobe Bryant gehen die Ermittlungen zum Absturz des Hubschraubers weiter. Einige Experten legten inzwischen nahe, dass der Pilot offenbar wegen mangelnder Sicht die Orientierung verloren habe. Am Sonntagmorgen war es im Großraum Los Angeles so neblig, dass sogar die örtliche Polizei und das Sheriffbüro ihre eigenen Hubschrauber am Boden beließen.

Der Hubschrauber vom Typ Sikorsky S-76 war kurz vor 10 Uhr Ortszeit bei Calabasas, einem Vorort von Los Angeles, abgestürzt. An Bord waren neben Bryant und dem Piloten sieben weitere Passagiere, unter ihnen Bryants 13-jährige Tochter Gianna.

Ermittler: Prüfen alle möglichen Ursachen

Menschen schauen auf die Absturzstelle des Hubschraubers von Kobe Bryant | Bildquelle: REUTERS
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Menschen drängen sich am Sonntag nahe der Absturzstelle des Hubschraubers in Kalifornien.

Jennifer Homendy von der nationalen Transportsicherheitsbehörde (NTSB) betonte, dass die Gutachterteams am Absturzort alle möglichen Ursachen prüften. "Wir schauen uns das Menschliche, die Maschine und die Umgebung an", sagte sie. "Und das Wetter ist dabei nur ein kleiner Teil." Es werde alles von der Laufbahn des Piloten bis hin zum Triebwerk in den Blick genommen.

Laut Homendy bat der Pilot am Unglückstag um eine Sondergenehmigung für den Flug im dichten Nebel, die er auch erhielt. Später habe er Fluglotsen um Radarunterstützung für eine Flugüberwachung ersucht, doch sei dies abgelehnt worden. Dafür fliege die Maschine zu niedrig, habe das Personal erklärt, sagte Homendy.

Absacken aus 700 Metern Flughöhe

Etwa vier Minuten später habe der Pilot per Funk mitgeteilt, dass er höher aufsteige, um dichte Wolkenfelder zu umfliegen. Als die Lotsen fragten, was der Pilot vorhabe, habe es keine Antwort gegeben, ergänzte Homendy. Radardaten deuten an, dass der Hubschrauber eine Höhe von 701 Metern erreichte, dann aber nach links absackte. Letzter Radarkontakt sei gegen 9.45 Uhr (Ortszeit) erfolgt. Zwei Minuten später rief jemand am Boden den Notruf, um den Absturz zu melden.

"Das Trümmerfeld ist ziemlich ausgedehnt", erklärte Homendy. So sei ein Stück vom Heck des Helikopters auf einem Hügel, der Rumpf sei auf der anderen Seite des Hügels. Und der Rotor sei mehr als 90 Meter weiter hinten. Die Absturzstelle ist allerdings bergig und schwer zugänglich. Experten der Behörde würden wahrscheinlich noch fünf Tage lang den Unfallort untersuchen, kündigte Homendy an.

Fluglehrer: Nur wenig Zeit zu reagieren

Randy Waldman, ein Fluglehrer für Hubschrauber am nahen Flughafen Van Nuys, sagte, dass einem orientierungslosen Piloten vielleicht nur wenige Momente blieben, um einen fatalen Sinkflug zu vermeiden. "Wenn man auf Sicht fliegt und in eine Situation gerät, bei der man nicht aus der Frontscheibe sehen kann, beträgt die Lebenserwartung des Piloten und der Maschine vielleicht zehn, 15 Sekunden."

Trauernde Fans versammeln sich auf dem Platz vor dem Staples Center in Los Angeles | Bildquelle: AFP
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Trauernde Fans versammeln sich auf dem Platz vor dem Staples Center in Los Angeles.

Große Anteilnahme der Fans

Unterdessen ist das Staples Center in Los Angeles zu einer Anlaufstelle für die zahlreichen Fans geworden. Dort hatte Bryant einen großen Teil seines Basketballkarriere verbracht. Der Platz vor der Halle hat sich in eine Art Schrein verwandelt: Trikots liegen neben Kerzen, Blumengestecken und Bildern. Fans rufen immer wieder laut Kobe Bryants Namen, weinen und umarmen sich.

Der Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti, ordnete an, die Flaggen auf Halbmast zu setzen. Bryant lebe "für immer im Herzen der Stadt weiter", schrieb der Bürgermeister auf Twitter.

alt Logo NBA | Bildquelle: imago images / ZUMA Press

Fans starten Petition für neues NBA-Logo

Fans und einige Profis setzen sich dafür ein, dass Logo der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA zu Ehren des verunglückten Kobe Bryant zu ändern. Bei der Plattform "change.org" unterzeichneten bis Montagmorgen mehr als 135.000 Menschen eine entsprechende Petition.

Das blau-rot-weiße Logo der National Basketball Association wird seit 1969 von einer Silhouette geziert, die laut des Designers dem damaligen Profi Jerry West nachempfunden ist. "Kobe muss das neue NBA Logo sein", twitterte Jamal Crawford, der seine Karriere vorige Saison beendet hatte.

Bryants Tod eint die Nation

Der Tod der Basketball-Ikone vereint zumindest für kurze Zeit in den USA alle Lager - egal ob politisch links oder rechts. Auf Bryant konnten sich viele Menschen einigen, auch wenn seine Person zwischenzeitlich das Saubermann-Image eingebüßt hatte. 2003 wurde er in Colorado wegen des Verdachts der Vergewaltigung einer Hotelangestellten verhaftet. Bryant sagte damals, dass er einvernehmlich Sex hatte. Die Frau stellte dies ander dar. Letztlich gab es eine außergerichtliche Einigung.

"Er war nicht perfekt, das wissen wir alle", räumte ein trauernder Fan vor der Halle ein. Trotzdem bewundere er, dass Bryant seine Schwächen zu Stärken gemacht habe. Der Sportler sei ein guter Familienvater gewesen, und das inspiriere ihn.

Eigentlich sollte am Dienstagabend ein Spiel der LA Lakers gegen die Los Angeles Clippers stattfinden. Doch das Match wurde abgesagt. Die Entscheidung sei aus Respekt vor dem Club getroffen worden, hieß es von Seiten der nordamerikanischen Profiliga NBA. Wann das Spiel nachgeholt wird, ist noch unklar.

Mit Informationen von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Nachruf: US-Basketballstar Kobey Bryant stirbt bei Hubschrauberabsturz
tagesschau 17:00 Uhr, 27.01.2020, Nicole Ahles, NDR

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Januar 2020 um 17:00 Uhr.

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