Der saudische Journalist Jamal Khashoggi auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2015 | Bildquelle: AP

Fall Khashoggi USA verhängen Sanktionen gegen Saudis

Stand: 15.11.2018 17:32 Uhr

Gerade erst hat Saudi-Arabien seine Version im Fall Khashoggi dargestellt, schon folgen die USA mit Strafmaßnahmen. Das Finanzministerium beschloss Sanktionen gegen 17 Regierungsmitarbeiter Saudi-Arabiens.

Die US-Regierung hat Sanktionen gegen 17 ehemalige saudische Regierungsmitarbeiter verhängt. Sie seien "an der abscheulichen Tötung von Jamal Khashoggi" beteiligt gewesen, teilte US-Finanzminister Steven Mnuchin mit. "Diese Personen, die einen Journalisten, der in den Vereinigten Staaten lebte und arbeitete, angriffen und brutal töteten, müssen für ihre Taten die Folgen tragen."

König Salman und Kronprinz bin Salman (r) empfangen am 23. Oktober 2018 Khashoggis Sohn Salah. | Bildquelle: AP
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Ende Oktober wurde Salah Khashoggi (links) - Sohn von Jamal Khashoggi - in Riad von König Salman (rechts außen) und Kronprinz bin Salman empfangen.

Vertrauter des Kronprinzen

Der prominenteste Betroffene von den Sanktionen ist Saud bin Abdullah al-Kahtani. Er war zuständig für Medienangelegenheiten am Königshof und wurde in der Nacht gefeuert, in der Riad den Tod Khashoggis eingeräumt hatte. Al-Kahtani gilt als enger Vertrauter von Kronprinz Mohammed bin Salman.

Das Finanzministerium teilte mit, die Operation zur Tötung Khashoggis sei von al-Kahtanis Untergebenem, Maher Mutreb, koordiniert und ausgeführt worden. Involviert sei außerdem ein Team von 14 weiteren Saudis gewesen. Auch gegen den saudischen Generalkonsul in Istanbul, Mohammed al-Otaibi, wurden Sanktionen verhängt.

Die Version Saudi-Arabiens

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft in Saudi-Arabien ihre Version zu den Todesumständen des Journalisten präsentiert und die Todesstrafe für fünf Tatverdächtige gefordert. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Riad sagte, der inzwischen entlassene Vize-Geheimdienstchef, General Ahmed al-Assiri, habe den Einsatz angeordnet, um Khashoggi notfalls mit Gewalt nach Saudi-Arabien zu bringen. Kronprinz Mohammed bin Salman habe aber keine Kenntnis davon gehabt.

Leiter des Verhandlungsteams beschuldigt

Der Sprecher Schaalan al-Schaalan wies die Hauptverantwortung für die Tötung Khashoggis dem "Leiter des Verhandlungsteams" zu, das für den Einsatz nach Istanbul geflogen war: Dieser habe den Befehl zur Tötung Khashoggis erteilt. Der "Washington Post"-Kolumnist sei im Konsulat Saudi-Arabiens betäubt, getötet und zerteilt worden. Die Körperteile seien anschließend an einen Helfer außerhalb des Konsulatsgeländes übergeben worden, sagte der Sprecher.

Es war das erste Mal, dass sich offizielle Stellen in Riad zu den genauen Umständen von Khashoggis Tötung geäußert haben und Verantwortliche benannten. Unter internationalem Druck hatte Riad nach wochenlangen Dementis zwar bestätigt, dass Khashoggi am 2. Oktober im Istanbuler Konsulat zu Tode kam, dies jedoch zunächst als Folge eines Streits dargestellt. Erst später gab Riad indirekt zu, dass Khashoggi "vorsätzlich" getötet wurde. Riad betonte aber immer wieder, dass es sich um einen nicht-autorisierten Einsatz gehandelt habe.

Türkei unzufrieden

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte, die Stellungnahme des saudischen Generalstaatsanwalts sei "nicht zufriedenstellend" gewesen. Er kritisierte, dass es weiter keine Erklärung dazu gebe, wo die Leiche sei. Er fragte auch, was aus jenen Verdächtigen geworden sei, die die Behörden entlassen hätten.

Außerdem meldete er Zweifel an Riads Darstellung an, dass Khashoggi getötet worden sei, nachdem er sich geweigert habe, mit nach Saudi-Arabien zu reisen. Cavusoglu sagte: "Es war vorab geplant, wie dieser Mann getötet und zerstückelt werden sollte." Es sei eigens dafür Personal und Ausrüstung in die Türkei gebracht worden.

Generalstaatsanwaltschaft zu Mord an Khashoggi
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
15.11.2018 21:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. November 2018 um 17:45 Uhr.

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