In einem erleuchteten Fenster des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul ist ein türkischer Polizist zu sehen. | Bildquelle: AFP

Verschwundener Journalist Räumt Saudi-Arabien Khashoggis Tod ein?

Stand: 16.10.2018 09:12 Uhr

Hat das Rätseln um das Verschwinden des Journalisten Khashoggi bald ein Ende? US-Medien berichten, Saudi-Arabien könnte zumindest seinen gewaltsamen Tod einräumen. Die Türkei hat das saudische Konsulat auf Hinweise durchsucht.

Seit rund zwei Wochen ist Jamal Khashoggi verschwunden. Seit zwei Wochen steigt der Druck auf Saudi-Arabien, denn zuletzt gesehen wurde der im US-Exil lebende Journalist, als er das Konsulat des Landes im türkischen Istanbul aufsuchte. Bislang hatte das saudische Königshaus vehement jegliche Rolle beim Verschwinden Khashoggis bestritten. Mehrere Medien berichten jedoch, dass Saudi-Arabien erwägt, den gewaltsamen Tod des Regierungskritikers einzuräumen.

Gibt Königshaus Erklärung ab?

Neben dem "Wall Street Journal" und der "New York Times" berichtete auch CNN, das Königshaus bereite eine Einlassung zum Fall Khashoggi vor. Der TV-Sender berief sich auf zwei nicht genannte Quellen. Einer dieser Quellen zufolge werde Saudi-Arabien in dem Bericht einräumen, der Journalist sei bei einem außer Kontrolle geratenen Verhör getötet worden. Das Königshaus werde betonen, dass es für einen solchen Einsatz keine Genehmigung gegeben habe und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden sollen. Die zweite Quelle bestätigte aber lediglich, dass an einem Bericht gearbeitet werde.

Die "New York Times" greift die These, dass Khashoggi im Verlaufe des Verhörs getötet wurde, auf. Die Zeitung fußt ihre Angaben auf die Aussage einer dem Königshaus angeblich nahestehenden Person. Demnach habe der saudi-arabische Kronprinz Mohammed zwar die Befragung Khashoggis genehmigt. Doch der Beamte, der das Verhör vornahm, habe sich "beweisen wollen" und sich als "inkompetent erwiesen". Auch der "New York Times" zufolge werde das Königshaus jede Verantwortung von sich weisen.

Der regierungskritische saudische Journalist Khashoggi hatte am 2. Oktober das Konsulat in Istanbul aufgesucht, um Formalitäten vor seiner bevorstehenden Hochzeit zu regeln. Seine Verlobte hatte die Behörden eingeschaltet, nachdem er das Konsulat nicht mehr verlassen hatte.

Jamal Khashoggi (Archiv Foto von 2011) | Bildquelle: AFP
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Der saudische Journalist Jamal Kashoggi (Archivfoto von 2011) hatte Anfang Oktober das Konsulat in Istanbul betreten, jedoch nicht wieder verlassen.

US-Außenminister reist heute nach Riad

In einem Telefonat mit US-Präsident Donald Trump hatte König Salman eine Verwicklung in den Fall des verschwundenen Journalisten zum wiederholten Male zurückgewiesen. Sein Dementi sei "sehr, sehr stark gewesen", kommentierte Trump das Gespräch. Allerdings schwankte er in seinen Aussagen zu der möglichen Einlassung Saudi-Arabiens. Hatte er zunächst im Weißen Haus eingeräumt, Khashoggi könne von "schurkenhaften Killern" getötet worden sein, ruderte Trump später zurück: Er kenne die Berichte über die angeblich bevorstehende Erklärung des Königshauses, das seien bislang aber Gerüchte.

US-Außenminister Mike Pompeo traf am Morgen in Riad ein, wo er sich mit König Salman treffen will. Morgen soll Pompeo in die Türkei weiterreisen, um mit deren Außenminister Mevlüt Cavusoglu über den Fall zu beraten, gab die türkische Nachrichtenagentur Anadolu an. Saudi-Arabien hatte sich Ende der vergangenen Woche zu einer gemeinsamen Aufklärung des Verschwindens mit der Türkei bereit erklärt.

Ermittler durchsuchen Konsulat

In der Nacht zu Dienstag durchsuchte ein türkisches Ermittlerteam erstmals seit dem Verschwinden Khashoggis das saudi-arabische Konsulat in Istanbul. Acht Stunden lang suchten sie im Gebäude und auf dem Gelände nach Hinweisen. Nach der Durchsuchung gab ein Behördenvertreter an, die Polizisten hätten mehrere Proben genommen, die nun analysiert werden sollen, unter anderem von der Erde aus dem Garten des Konsulats.

Um die Durchsuchung hatte es zuvor ein tagelanges Tauziehen zwischen der Türkei und Saudi-Arabien gegeben. Demnach beharrte die türkische Polizei darauf, die Chemikalie Luminol einsetzen zu dürfen, mit der sich auch geringste Mengen von möglicherweise vergossenem Blut nachweisen lassen. Die Inspektion eines Konsulats ist ein ungewöhnlicher Schritt, weil diplomatische Vertretungen nach der Wiener Konvention von den Gastgeberstaaten wie Ausland behandelt und geschützt werden müssen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Oktober 2018 um 08:00 Uhr.

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