Reinigungskräfte und Mitarbeiter vor dem saudischen Konsulat in Istanbul. | Bildquelle: ERDEM SAHIN/EPA-EFE/REX/Shutters

Fall Khashoggi Ermittlerteam inspiziert Konsulat

Stand: 15.10.2018 18:04 Uhr

Zwei Wochen nach dem Verschwinden eines Journalisten durchsuchen Vertreter der Türkei und Saudi-Arabiens das Konsulat in Istanbul. US-Präsident Trump verbreitet eigene Theorien, was dort geschehen sein könnte.

Im Fall des vermissten Journalisten Jamal Khashoggi begeben sich Experten zwei Wochen nach seinem Verschwinden auf Spurensuche: Ein Team aus saudi-arabischen und türkischen Vertretern hat am Nachmittag gemeinsam das saudische Konsulat in Istanbul zur Inspektion betreten. Unklar ist, was die Gruppe dort untersucht und ob Kriminalisten unter den Vertretern sind. Zuvor waren am Gebäude nur Mitarbeiter des Konsulats und Reinigungskräfte mit Abfallsäcken gesichtet worden.

Um die Durchsuchung des Konsulats im Zuge der Ermittlungen hatte es ein tagelanges Tauziehen zwischen der Türkei und Saudi-Arabien gegeben. Demnach beharrte die türkische Polizei darauf, die Chemikalie Luminol einsetzen zu dürfen, mit der sich auch geringste Mengen von möglicherweise vergossenem Blut nachweisen lassen.

Die Inspektion eines Konsulats ist ein ungewöhnlicher Schritt, weil diplomatische Vertretungen nach der Wiener Konvention von den Gastgeberstaaten wie Ausland behandelt und geschützt werden müssen.

Erdogan telefoniert mit König Salman

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Sonntag erstmals mit Saudi-Arabiens König Salman telefoniert. In dem Gespräch sei es darum gegangen, "Licht in den Fall" zu bringen, hieß es daraufhin aus dem Präsidialamt.

Der regierungskritische saudische Journalist Khashoggi hatte am 2. Oktober das Konsulat in Istanbul aufgesucht, um Formalitäten vor seiner bevorstehenden Hochzeit zu regeln. Seine Verlobte hatte die Behörden eingeschaltet, nachdem er das Konsulat nicht mehr verlassen hatte.

Türkische Ermittler gehen Berichten zufolge davon aus, dass Khashoggi getötet wurde. Saudi-Arabien bestreitet dies vehement, ist aber den Beweis schuldig geblieben, dass er das Konsulat unversehrt verließ. US-Zeitungen hatten vergangene Woche darüber berichtet, dass es möglicherweise Video- und Tonaufnahmen von einer Ermordung Khashoggis gebe.

Jamal Khashoggi (Archiv Foto von 2011) | Bildquelle: AFP
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Der saudische Journalist Jamal Kashoggi (Archivfoto von 2011) hatte Anfang Oktober das Konsulat in Istanbul betreten, jedoch nicht wieder verlassen.

US-Außenminister Pompeo reist nach Saudi-Arabien

Längst sind auch die USA in den Fall involviert, weil Khashoggi aus Angst vor politischer Verfolgung in die USA geflüchtet war und dort unter anderem für die "Washington Post" schrieb. Die Regierung Trump hat Saudi-Arabien zu einem engen Verbündeten erklärt.

Präsident Donald Trump erklärte, er habe inzwischen mit dem saudischen König Salman telefoniert. Dieser habe "jedwede Kenntnis darüber, was passiert sein soll", bestritten. Trump sagte, es habe sich für ihn so angehört, also könnten "vielleicht schurkenhafte Killer" am Werk gewesen sein - "wer weiß?" König Salman habe ihm versichert, man arbeite eng mit den türkischen Behörden zusammen.

Trump schrieb auf Twitter, er werde Außenminister Mike Pompeo zu einem umgehenden Treffen mit König Salman entsenden. Der US-Chefdiplomat solle versuchen herauszufinden, was mit Khashoggi geschehen sei.

Trump hatte Saudi-Arabien bereits mit "schlimmen Strafen" gedroht, falls es nicht zur Aufklärung des Falls beitrage. Das ölreiche Königreich verbat sich Drohungen und kündigte an, man werde auf etwaige Sanktionen stärker zurückschlagen - das Land habe Einfluss auf die globale Wirtschaft, hieß es in einer Stellungnahme.

Saudischer Regierungskritiker äußert Abhör-Verdacht

Auch ein im kanadischen Exil lebender Kritiker der saudischen Regierung erhebt Vorwürfe: Omar Abdulaziz sagte dem kanadischen Sender CBC, er sei sicher, seine Telefonate mit Khashoggi und anderen Aktivisten seien von Riad abgehört worden. Ein kürzlich veröffentlichter Bericht einer Forschungseinrichtung der Universität Toronto kommt zu dem Ergebnis, dass die saudischen Behörden "sehr wahrscheinlich" Abdulaziz' Telefon infiltriert hätten.

Durchsuchung von saudischem Konsulat
Christian Buttkereit, ARD Istanbul
16.10.2018 05:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Oktober 2018 um 16:00 Uhr.

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