Staatsanwalt Michael Graveley bei einer Pressekonferenz nach dem Freispruch. | AP

Polizist im US-Staat Wisconsin Keine Anklage nach Schüssen auf Schwarzen

Stand: 06.01.2021 07:21 Uhr

Nach den Schüssen auf den Schwarzen Jacob Blake im US-Bundesstaat Wisconsin ist der Polizist von den Vorwürfen freigesprochen worden. Blake ist seit dem Vorfall querschnittsgelähmt. Die Schüsse hatten landesweite Proteste gegen Rassismus ausgelöst.

Staatsanwälte haben einen weißen Polizisten nach den Schüssen auf den Schwarzen Jacob Blake in Kenosha im Bundesstaat Wisconsin von allen Vorwürfen freigesprochen.

Der Chefankläger des Bezirks Kenosha, Michael Graveley, ließ alle Anklagepunkte gegen den Polizisten Rusten Sheskey fallen. Die Schüsse auf Blake am 23. August waren Auslöser für landesweite Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt, die zum Teil zu schweren Ausschreitungen führten. Blake ist seitdem querschnittsgelähmt.

Weil sie am Dienstag neue Proteste befürchtete, hatte die Stadtverwaltung von Kenosha vor der Entscheidung der Staatsanwaltschaft den Ausnahmezustand über die Stadt verhängt und die Nationalgarde mobilisiert.

Graveley bezweifelt Blakes Glaubwürdigkeit

Graveley erklärte, nach geltender Rechtslage, insbesondere dem Recht des Polizisten auf Selbstverteidigung, wäre eine Verurteilung vor einem Gericht sehr unwahrscheinlich gewesen. Der Polizist S. habe bei dem Einsatz befürchtet, dass Blake ihn mit einem Messer angreifen würde und habe daher geschossen.

Die Polizisten seien wegen eines Streits an den Tatort gerufen worden und hätten auch gewusst, dass es einen bestehenden Haftbefehl gegen Blake gegeben habe. Blake habe gestanden, dass er ein Messer bei sich geführt habe, sagte Graveley. Der Staatsanwalt schilderte zudem, dass Blake sich in den Ermittlungen nach dem Vorfall mindestens zwei Mal in Lügen verstrickt habe. Er wäre in einem möglichen Prozess daher kein glaubwürdiger Zeuge gewesen, sagte Graveley.

UN: Schüsse waren "exzessive Gewalt"

Der designierte Präsident Joe Biden hatte sich mit der Familie von Blake getroffen und mit dem Schwerverletzten telefoniert. Der Familienvater war von sieben Schüssen in den Rücken getroffen worden.

Der scheidende Präsident Donald Trump hatte sich demonstrativ auf die Seite der Polizei gestellt und die Proteste als Inlandsterror bezeichnet. Die Vereinten Nationen werteten die Schüsse des Polizisten auf den Afroamerikaner als "exzessive Gewalt". Nach Video-Aufnahmen zu urteilen, sei das Vorgehen sehr wahrscheinlich auch diskriminierend gewesen, hatte das UN-Menschenrechtsbüro in Genf erklärt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. Januar 2021 um 05:30 Uhr.