Drei Katzenbabys im Tierheim Berlin. | Bildquelle: dpa

Forscher entwickeln Impfstoff Hoffnung für Katzenhaarallergiker

Stand: 27.08.2019 15:22 Uhr

Schweizer Forscher machen allergiegeplagten Katzenliebhabern Hoffnung. Sie haben einen Impfstoff gegen Katzenhaarallergie entwickelt. Dieser wird nicht dem Menschen, sondern dem Tier gespritzt.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Seit bald 10.000 Jahren werden Katzen als Haustiere gehalten - als Freund, Spielgefährte oder als Mäusefänger. Doch etwa zehn Prozent der Menschen reagieren auf Katzen allergisch. Die Allergie äußert sich ganz unterschiedlich.

Es könne leichtes Jucken und Tränen in den Augen, aber auch lebensbedrohendes Asthma sein, erklärt der Immunologe Martin Bachmann von der Universität Bern.

Bislang Cortison oder Antihistaminika

So unterschiedlich wie die Symptome, sind auch die Versuche, die allergischen Reaktionen zu bekämpfen. Bis dato setze man Kortison oder Antihistaminika ein, sagt Bachman. "Man behandelt also nur die Symptome. Die Krankheit selbst wird damit nicht behandelt."

Ursache der Katzenhaarallergie sind allerdings nicht - wie man meinen möchte - die Haare, sondern ein körpereigenes Protein der Tiere namens "Fel d 1". Es komme in Körperflüssigkeiten der Katzen vor, erklärt Bachmann. Hauptsächlich im Speichel. "Wenn sich die Katze mit der Zunge säubert, dann ist das Allergen aus dem Speichel auf den Haaren. So kommt es aus der Katze heraus."

Katze im Gras | Bildquelle: dpa
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Putzig sind sie, aber nicht alle Menschen können Katzen streicheln, ohne eine allergische Reaktion zu bekommen.

Jahrelang geforscht

Die Universität Zürich und ein extra gegründetes Tochterunternehmen, dessen Leiter Bachmann ist, forschen seit Jahren im Kampf gegen die Allergie. Dabei setzen sie nicht etwa beim allergiegeplagten Menschen an, sondern bei den Katzen. Der Versuch: das Ausstoßen dieser Allergene zu verhindern.

"Das machen wir, indem wir diese Katzen gegen das Allergen immunisieren, damit Antikörper im Körper der Katze diese Allergene binden und diese gar nicht mehr aus der Katze rauskommen", erläutert der Forscher.

Das heißt, die Katzen werden mit einem Wirkstoff geimpft, einfach unter die Haut. Ganz ähnlich wie bei einer Grippeschutzimpfung bewirkt das Mittel die Bildung von Antikörpern. Bachmann erklärt:

 "Wir nehmen das Allergen und wir machen daraus etwas, so dass es wie ein Virus aussieht. Dann denkt das Immunsystem der Katze, dass es ein Virus ist und entwickelt entsprechend eine starke Immunantwort dagegen - vor allem Antikörper - eben auch gegen das 'Fel d 1'."

Martin Bachmann | Bildquelle: Karl Mäurer
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Forscher Bachmann: Bereits 70 Katzen wurden geimpft - mit Erfolg für Mensch und Tier.

70 Tiere bereits geimpft

Eine Forschungsgruppe der Uni Zürich hat den Impfstoff getestet. Das Mittel sei verträglich und sicher. Auch halte die Impfung eine Weile an. Etwa 70 Tiere wurden bereits geimpft erzählt Martin Bachmann - mit einem Doppeleffekt: Einerseits werde die allergischen Symptome beim Menschen reduziert. Und andererseits konnte auch gezeigt werden, dass die immunisierte Katze vom Besitzer mehr gestreichelt werden. "Also es ist gut für die Katze und für den Menschen", so Bachmann.

Bleibt die Frage, ob das Protein bei den Katzen nicht eine Funktion hat, die nach der Impfung nicht mehr erfüllt wird. Bachmann sagt:

"Man weiß nicht, was dieses Allergen 'Fel d1' in der Katze macht. Wir haben eine spezielle Studie gemacht, um zu sehen, ob die Katzen irgendwelche Probleme haben, wenn man sie immunisiert. Bis jetzt haben wir nichts gefunden."

In drei Jahren auf den Markt

In weniger als drei Jahren soll der Impfstoff auf den Markt kommen. Dann könnten auch Allergiker ihren Lieblingen ganz nah sein. Angedacht ist übrigens auch ein Impfstoff für Hunde. Dessen Entwicklung sei allerdings etwas komplizierter.

Forscher entwickeln Impfstoff gegen Katzenallergie
Dietrich Karl Mäurer
27.08.2019 14:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 27. August 2019 um 13:54 Uhr.

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