Blick ins Stadion in Katar | Bildquelle: Daniel Hechler

Fußball-WM 2022 in Katar Viel Pomp, viele offene Fragen

Stand: 17.05.2019 14:08 Uhr

Teures Spektakel, großes Feuerwerk, viel Lob: In Katar ist das erste komplett neu gebaute Stadion für die Fußball-WM in drei Jahren eröffnet worden. Doch die Bedingungen vor Ort bleiben heftig umstritten.

Von Daniel Hechler, ARD-Studio Kairo, zzt. in Katar

Ein monströser WM-Pokal in grellbunten Farben wächst in den nächtlichen Himmel von Doha. Dieses künstlerische Spektakel ist der Höhepunkt der Eröffnungsfeier im ersten komplett neuen WM-Stadion - gepaart mit Feuerwerk, orientalischen Klängen und Pop in ohrenbetäubender Lautstärke. Eine Show ganz nach dem Geschmack der Katari. Nicht alle 40.000 Plätze sind besetzt. Es ist ein bunter Mix aus Scheichs, verschleierten Frauen und Fußballfans aus aller Welt in Freizeitklamotten. Das Finale des Emircups ist zugleich die Premiere des Al Janoub Stadions.

Erstes Stadion für die Fußball-WM in Katar eröffnet
tagesschau 12:00 Uhr, 17.05.2019, Daniel Hechler, ARD Kairo

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Viele Zuschauer zeigen sich begeistert. "Es ist der Augenblick, sehr stolz zu sein", sagt Yussef Ajaba. "Wir sind bereit für die WM in drei Jahren." Sheif Fesel fasziniert die schwungvolle Architektur: "Von außen sieht es echt gut aus. Cooles Design."

Ein Stadion in Muschelform

Fünf Jahre sind vergangen vom Spatenstich bis zur Eröffnungsfeier am Hafen von al Wakr, etwa 20 Kilometer südlich von Doha. Die Kosten: knapp 600 Millionen Euro. Eine überschaubare Summe in einem Land, das so viel Gas exportiert wie kein anderes. Das Stadion soll eine Brücke schlagen von der Vergangenheit in die Zukunft. Vor 50 Jahren noch führten Perlfischer auf der Halbinsel ein karges Dasein, wo heute Luxuslimousinen an Glitzerfassaden vorbeirauschen.

Blick auf das Al-Wakrah Stadion kurz vor seiner Eröffnung. | Bildquelle: dpa
galerie

Muschelform: Blick auf das Al-Wakrah Stadion kurz vor seiner Eröffnung.

Die britisch-irakische Architektin Zaha Hadid hatte bei ihrem Entwurf die traditionellen Segelschiffe am Golf vor Augen. Das Stadion besticht durch fließend-flatternde Formen. Das Dach in der Form von drei Muschelschalen lässt sich schließen, nicht zuletzt der Hitze wegen. Innen soll ein Kühlsystem den Rest erledigen. Sie bringt die Temperaturen auf erträgliche 26 Grad herunter.

Kritik an „moderner Sklaverei“

Nach der Weltmeisterschaft soll der Prestigebau auf nur noch 20.000 Plätze geschrumpft werden. Immer noch mehr als genug im Zwergstaat am Golf mit nicht einmal drei Millionen Einwohnern. Von sieben nagelneuen Stadien sollen vier wieder verkleinert werden, eines komplett verschwinden. Keine "Weißen Elefanten" mehr wie in so vielen anderen WM-Gastgeberländern der Vergangenheit. Das haben sich die Organisatoren der WM vorgenommen.

Arbeiter auf der Stadion-Baustelle in Katar | Bildquelle: Daniel Hechler
galerie

Arbeiter auf der Stadion-Baustelle in Katar.

So wie vieles andere auch - etwa die höchsten sozialen Standards am Golf. Da musste Katar in der vergangenen Jahren viel Kritik einstecken: Todesfälle, miese Unterkünfte und schlechte Zahlungsmoral machten weltweit Schlagzeilen und ramponierten das Image des Emirs gewaltig. Von "moderner Sklaverei" in einem der reichsten Länder der Welt war die Rede. 27.000 Arbeiter leisten auf den Baustellen Schwerstarbeit bei mehr als 40 Grad, bis zu zehn Stunden täglich, sechs Tage die Woche.

Katar versprach, Missstände auszuräumen, hat Reformen auf den Weg gebracht. Arbeiter müssten ihre Pässe nicht mehr abgeben, könnten leichter den Arbeitgeber wechseln, heißt es. Essen und medizinische Versorgung seien kostenlos.

Menschenrechtler kritisieren Vorgehen

In den Containerstädten am Stadion sind vier Betten pro Zimmer: Recht beengt geht es zu, aber alles wirkt sauber. Doch Fragen bleiben. Journalisten können sie handverlesenen Arbeitern stellen. Die Antworten sind einsilbig, Kritik üben sie nicht. Mohammed Jhangir aus Bangladesch sagt, dass er umgerechnet 340 Euro pro Monat verdient. Auf die Frage, ob das bei der Schwerstarbeit ein faires Gehalt sei, antwortet der 24-Jährige: "Ja." Sardar Ran aus Indien erzählt, dass er zehn Stunden pro Tag arbeite. Mit einer Stunde Mittagspause.

Unterkunft für Arbeiter auf der Stadion-Baustelle in Katar | Bildquelle: Daniel Hechler
galerie

Unterkunft für Arbeiter auf der Stadion-Baustelle in Katar.

Menschenrechtsorganisationen halten die Reformen für zögerlich und lückenhaft. Hiba Zayadin von Human Rights Watch etwa kritisiert, dass viele Reformen nur angekündigt, aber nicht umgesetzt würden: "Noch immer leiden ausländische Arbeiter unter Ausbeutung", sagt sie. "Arbeiter können ihre Rechtre nur schwer einklagen und sich nicht zusammenschließen." Katar will die Missstände abstellen. Bis zur WM 2022 allerding bleibt nicht mehr allzu viel Zeit.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Mai 2019 um 12:00 Uhr.

Darstellung: