Bauarbeiter arbeiten am Lusail-Stadion, einem der Stadien der WM 2022 in Katar. | Bildquelle: dpa

Katar lockert Arbeitsrecht Reisen ohne Erlaubnis des Chefs

Stand: 16.01.2020 13:46 Uhr

Wegen der Arbeitsbedingungen für Migranten steht Katar international in der Kritik. Jetzt gibt es Lob von Beobachtern: Dank einer weiteren Reform dürfen die Arbeiter selbst bestimmen, wann sie ausreisen.

Zwei Jahre vor der Fußball-WM in Katar hat das reiche Emirat die Ausreisebestimmungen für Arbeitsmigranten weiter gelockert. Das Land reagierte damit auf weltweite Kritik.

Die Internationale Arbeitsorganisation der UN (ILO) nannte die Entscheidung einen wichtigen Meilenstein für die Reformbemühungen der katarischen Regierung. Jetzt sei es fast allen Arbeitsmigranten in Katar möglich, das Land ohne Erlaubnis des Arbeitgebers zu verlassen.

Auch einheimische Arbeiter profitieren

Bereits im Oktober 2018 hatte die Regierung des Emirats die Ausreisebestimmungen für ausländische Arbeiter in einigen Wirtschaftsbereichen gelockert. Von der Gesetzesänderung profitierten nun neben einheimischen Arbeitern auch Hausangestellte und Arbeiter in anderen Bereichen wie dem Öl- und Gassektor oder der Landwirtschaft, teilte das Innenministerium in Doha mit.

Allerdings könnten Unternehmen noch immer für fünf Prozent ihrer Belegschaft bestimmen, dass diese doch eine Ausreise-Erlaubnis beantragen müssen - zum Beispiel, wenn sie wichtig für den Betriebsablauf seien. Arbeiter mit katarischem Pass sollten ihre Arbeitgeber 72 Stunden vor einer Ausreise benachrichtigen.

Ausbeutung und Menschenrechtsverletzungen

Katar steht wegen der Bedingungen für viele Arbeitsmigranten international immer wieder in der Kritik. Es gab wiederholt Berichte über die Ausbeutung von ausländischen Arbeitern und andere Menschenrechtsverletzungen in dem Land.

In Katar leben laut Amnesty International rund zwei Millionen Arbeitsmigranten. Sie kommen aus armen Ländern wie Bangladesch oder Nepal.

Bauarbeiter arbeiten am Lusail-Stadion in Katar, einem der Austragungsorte der Fußball-WM 2022. | Bildquelle: dpa
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Bauarbeiter arbeiten am Lusail-Stadion in Katar, einem der Austragungsorte der Fußball-WM 2022.

Schuften bis zum Umfallen

Seit 2013 waren immer mehr Details über die menschenunwürdigen Bedingungen auf Katars WM-Baustellen ans Licht gekommen. Die Unternehmen hatten sie oft unter falschen Voraussetzungen ins WM-Gastgeberland für 2022 gelockt: Den Gastarbeitern war gute Bezahlung versprochen worden. Knebelverträge, Entrechtung und Schuften bis zum Umfallen waren dann die Realität.

Katar lockert Ausreisebestimmungen für Arbeitsmigranten
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
16.01.2020 14:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Januar 2020 um 22:50 Uhr.

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