Blick auf das Stadion in Katar | Bildquelle: dpa

Leichtathletik-WM in Doha Katar - klein, eigen, reich an Flüssiggas

Stand: 27.09.2019 14:17 Uhr

Der Sender Al Dschasira, große Flüssiggasvorkommen, eigenwillige Emire - Katar ist vielseitig und selbstbewusst. Scheich Tamim will sein Land modernisieren und als Austragungsort von Weltmeisterschaften etablieren.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Keine dröge Hofberichterstattung mehr, sondern freche Fragen: Als der Nachrichtensender Al Dschasira 1996 in Katar auf Sendung ging, revolutionierte er die arabische Medienlandschaft. Mit dem Sender lehrte der damalige Emir, Scheich Hamad bin Khalifa al Thani, die verkalkten Potentaten der Region das Fürchten.

Die palästinensische Journalistin Rawan Damen sagt: "Bei Al Dschasira zu arbeiten, ist ideal. Du hast viel Geld zur Verfügung und ein großes Maß an Freiheit. Für einen Journalisten ist das perfekt. Du darfst sagen, was du willst. Und die Einmischung in deine Arbeit ist gering."

Wie wohl keine andere Entscheidung des damaligen Emirs veränderte die Gründung von Al Dschasira die Rolle Katars in der Region und verschob das Machtgefüge. Seitdem schaute jeder in der Welt auf der Karte nach, wo eigentlich dieses Katar liegt. Ein Land, das gerade mal halb so groß wie Hessen ist und nur zweieinhalb Millionen Einwohner hat, stieg diplomatisch zu einer regionalen Großmacht auf.

Weltgrößter Exporteur von Flüssiggas

Zu verdanken war das auch Scheich Hamads eklektischer Außenpolitik. So erlaubte der Emir, dass die USA von einem Stützpunkt in Katars Wüste aus 2003 ihren Feldzug gegen Saddam Hussein dirigierten. Jahrelang gab es ein israelisches Handelsbüro in Doha. Gleichzeitig hat das Land gute Beziehungen zum Iran.

Keine Frage: Wer der weltgrößte Exporteur von Flüssiggas ist, kann sich ein hohes Maß an Unabhängigkeit leisten - auch wenn sich Katars Diplomaten manchmal verhaken und ihre Vermittlungsversuche erfolglos bleiben. "Die Ministerien und Behörden haben nicht das an hoch qualifiziertem Personal, das es braucht, um bestimmte politische Entscheidungen durchzuziehen", sagt der Katar-Experte Michael Stephens und fügt hinzu: "Oder um alle Konsequenzen dieser Entscheidungen zu bedenken."

Scheich Tamim will Land modernisieren

Als Scheich Hamad vor sechs Jahren zu Gunsten seines Sohnes Tamim abdankte, wurde es ruhiger um Katar. Scheich Tamim, heute 39 Jahre alt, konzentriert sich auf die Innenpolitik. Die Ausrichtung der Fußball-WM 2022 sieht er als Anlass, das gesamte Land zu modernisieren. Dieser Tage gleicht Katar deshalb einer einzigen Baustelle.

Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, Emir von Katar | Bildquelle: AFP
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Scheich Tamim bin Hamad al-Thani - hier bei seiner Rede vor den Vereinten Nationen

Wie der alte Emir ist aber auch der neue eigenwillig. Tamim hatte das bereits bei Amtsantritt angekündigt:

"Wir sind eine Nation, die zu ihren Prinzipien und Werten steht und nicht am Rande der Welt existiert. Wir irren nicht ziellos herum und folgen keinen Anweisungen anderer. Dieses unabhängige Verhalten ist nun eine Selbstverständlichkeit geworden."

Trotz Blockade - Al Dschasira sendet weiter

Seit nunmehr zwei Jahren trotzt Katar einer Blockade, mit Erfolg, verhängt von Nachbarn mit dem Vorwurf, das Land unterstütze Terrorismus.

Die Blockadestaaten verlangen von Katar unter anderem, dass Al Dschasira geschlossen wird. Doch der Sender macht weiter - zwar mittlerweile auf Regierungslinie, aber ab und an noch immer unbequem.

Länderportrait Katar
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
27.09.2019 12:05 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 27. September 2019 NDR Info um 06:50 Uhr, Deutschlandfunk um 08:50 Uhr und Inforadio um 21:47 Uhr.

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