Darfur-Demonstranten vor der amerikanischen Botschaft in Tel Aviv, Israel.

Krisenregion Darfur Zehntausende fliehen vor Kämpfen

Stand: 08.02.2016 15:24 Uhr

In der westsudanesischen Krisenregion Darfur sind seit Mitte Januar mindestens 38.000 Menschen auf der Flucht. UN-Angaben zufolge ist die Lage in dem Gebiet dramatisch. Die Organisation schlägt Alarm, da sie noch Tausende weitere Flüchtlinge befürchtet.

Die UN schlagen wegen der verzweifelten Lage Zehntausender Flüchtlinge in der westsudanesischen Krisenregion Darfur Alarm. Aus dem Gebiet seien seit Mitte Januar mindestens 38.000 Menschen vor heftigen Kämpfen geflohen, was die höchste Zahl Binnenflüchtlinge infolge neuer Kampfhandlungen seit einem Jahrzehnt ist, sagte Samantha Newport, Sprecherin der Vereinten Nationen in der sudanesischen Hauptstadt Khartum.

Die humanitäre Situation in dem Land sei "schrecklich", sagte die UN-Koordinatorin für humanitäre Angelegenheiten, Marta Ruedas. Den Menschen fehle es "praktisch an allem". Die meisten von ihnen hätten nahe des UN-Militärstützpunktes bei Sortony im Norden Darfurs Zuflucht gesucht. Die UN befürchten, dass südlich der abgeschiedenen Bergregion Jebel Marra bis zu 50.000 weitere Menschen auf der Flucht sind.

Die UN-Koordinatorin für humanitäre Angelegenheiten, Marta Ruedas.

Die UN-Koordinatorin für humanitäre Angelegenheiten im Sudan, Marta Ruedas

Regierung setzt Luftwaffe gegen Rebellen ein

Mitte Januar waren in Jebel Marra nach UN-Angaben heftige Kämpfe zwischen Regierungstruppen von Präsident Omar al-Baschir und Rebellen einer Untergruppe der Sudanesischen Befreiungsarmee (SLA) ausgebrochen. Dabei setzt die Armee auch die Luftwaffe und die Artillerie ein.

In Darfur kämpfen seit 2003 Rebellengruppen gegen die sudanesische Armee und regierungstreue arabische Reitermilizen. In dem Konflikt wurden nach Schätzungen der Vereinten Nationen seitdem mindestens 300.000 Menschen getötet. Wegen dem Konflikt in Darfur hat der internationale Strafgerichtshof in Den Haag bereits einen Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten al-Baschir erlassen. Ihm werden Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vorgeworfen.

Stichwort

Der Sudan wurde jahrzehntelang vom Bürgerkrieg zwischen dem Norden und Süden des Landes geprägt, dem schätzungsweise zwei Millionen Menschen zum Opfer fielen. Der Süden wird überwiegend von Christen und Anhängern von Naturreligionen bewohnt, während der bislang die Zentralgewalt ausübende Norden muslimisch geprägt ist.

2005 schlossen beide Parteien einen Friedensvertrag, in dem ein Referendum über die Loslösung des Südsudans vom Norden vereinbart wurde. Im Januar 2011 stimmten schließlich fast 99 Prozent der Bevölkerung im Südsudan für die Unabhängigkeit. Die offizielle Unabhängigkeitserklärung soll am 9. Juli erfolgen, während Deutschland den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat innehat.

Dennoch gibt es weiter Konflikte, etwa um die Zugehörigkeit der ölreichen und fruchtbaren Grenzregion Abyei. Auch in den Nuba-Bergen wird weiter gekämpft. Zwar gehört die Region geografisch zum Nordsudan, die Bevölkerung fühlt sich aber eher dem Süden zugehörig.

Neben dem Konflikt zwischen dem Norden und dem Süden dauern die Kämpfe in der Krisenregion Darfur weiter an. Seit 2003 liefern sich dort schwarzafrikanische Rebellen einen blutigen Bürgerkrieg mit arabischen Reitermilizen ("Dschandschawid"), die von der Regierung in Khartum unterstützt werden. Hunderttausende Menschen wurden getötet, Millionen sind auf der Flucht.

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KOMMENTARE

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Aloisius 08.02.2016 • 21:06 Uhr

Darfur

Hier geht es in erster Linie um ein ethnisch-religiöses Problem: der arabische Teil des Sudan ist streng muslimisch (Sunna), hier herrscht zu 100 % die Sharia. Das hat man ja gesehen, als die schwangere christliche Ärztin zu Tode verurteilt wurde (die Gott sei Dank doch noch das Land verlassen konnte). Schwarze Stämme aus Dafur oder den Nuba-Bergen gelten dan arabischen Muslimen von jeher als minderwertig; man hat sie schon immer, seitdem der Islam dort vorherrschend ist, gejagt und versklavt. Heute ist auch noch der Gedenktag der heiligen Bakhita aus Darfur, die ebenfalls versklavt worden ist Anfang des 20. Jhd.`s und über eine Diplomatenfamilie nach Italien kam. Soviel wieder mal zum Thema "friedlicher Islam"!