Eine schwarze Mutter hält die Hände ihres Sohne anlässlich des Juneteenth-Gedächtnismarsches.  | Bildquelle: REUTERS

Juneteenth Gedenktag mit besonderer Symbolik

Stand: 19.06.2020 02:49 Uhr

Juneteenth, der Gedenktag zum Ende der Sklaverei in den USA, hat in diesem Jahr eine besondere Symbolkraft. Das Erinnern an die Befreiung fällt in eine neue Zeit des Erwachens.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

In Texas wird der 19. Juni schon lange groß gefeiert: "Juneteenth bedeutet für mich Fortschritt, Übergang, Veränderung. An diesem Tag kommen Menschen zusammen - und nicht nur Afroamerikaner. Es ist eine Gelegenheit um herauszufinden , was man gemeinsam machen kann. Denn zusammen sind wir besser."

In Texas ist Juneteenth - eine Wort-Kombination aus June und 19th - seit 1980 gesetzlicher Feiertag. Anderswo haben viele - vor allem weiße - US-Amerikaner noch nie davon gehört. Dabei ist der 19. Juni der älteste Gedenktag zur Erinnerung an die Sklavenbefreiung in den Vereinigten Staaten, sagt Greg Carr von der Howard University in Washington.

"Am 19. Juni 1865 landete General Gorden Granger von der Unionsarmee mit 2000 Soldaten in Galverston, Texas an. Und dort verlas er die Proklamation, dass ab sofort alle versklavten Afrikaner frei sind."

Tag der Befreiung

So steht es in der Emanzipationsproklamation Abraham Lincolns, die zwar schon zweieinhalb Jahre zuvor verabschiedet, aber erst nach dem Ende des Bürgerkriegs auch im Herzen von Texas in Kraft treten konnte. Viele Sklavenhalter versuchten die Nachricht noch bis zum Ende der Erntezeit geheim zu halten. Trotzdem wird der 19. Juni seitdem als Tag der Befreiung gefeiert:

"Millionen Menschen sind von Afrika in die USA gebracht und gezwungen worden, hier die  Wirtschaft aufzubauen. Das kann man nicht wiedergutmachen. Aber man kann es anerkennen und für die Nachfahren dieser Menschen eine bessere Gesellschaft schaffen."

Und das das gilt mehr denn je in diesem Jahr. Nach dem Tod des Schwarzen George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis ist das Thema Rassismus im ganzen Land in den Fokus gerückt. So erklärten in dieser Woche noch schnell zwei US-Bundesstaaten den 19. Juni zum Feiertag: New York und Virginia, wo der Sänger Pharrell Williams bei der Unterzeichnung des Dekrets mit dabei war:

"Hier in Virginia sind die Schiffe mit entführten und versklavten Afrikaner angekommen vor 400 Jahren. Gar nicht weit von hier sind auch meine Vorfahren angekommen. Alle waren sie Sklaven. Sie haben sich ihr ganzes Leben aufgeopfert, damit ich hier stehen und meine Stimme erheben kann."

Trump bekommt neue Symbolkraft zu spüren

Welche neue Symbolkraft der Juneteenth-Day plötzlich hat, musste auch US-Präsident Trump erfahren. Ausgerechnet am 19. Juni wollte er nach drei Monaten Pause seinen Wahlkampf mit einer Großveranstaltung in Tulsa in Oklahoma wieder aufnehmen.

"Man kann das doch positiv sehen. Ein Wahlkampfauftritt ist ja auch eine Feier an einem interessanten Tag. Wir haben das nicht absichtlich auf diesen Tag gelegt. Aber es ist eine Feier an einem interessanten Tag."

So verteidigte Trump zunächst noch seinen Plan, um dann später doch noch einzuknicken und die Veranstaltung um einen Tag zu verschieben. Aber der Ort bleibt umstritten. Denn ausgerechnet Tulsa war im Juni 1921 Schauplatz eines Massakers an der schwarzen Bevölkerung durch einen weißen Mob. Hunderte Menschen wurden getötet, Kirchen, Schulen, Läden, ein Krankenhaus und zahlreiche Wohnhäuser abgebrannt. Der schlimmste Zusammenstoß zwischen Weißen und Schwarzen in den USA nach dem Ende des Bürgerkriegs:

"Damals wurde eine der wichtigsten schwarzen Gemeinschaften zerstört, obwohl sie sich an die Ideale des Landes gehalten hat", sagt Lonnie Bunch von der staatlichen Forschungs- und Bildungseinrichtung Smithsonian Institution. Doch auch er hofft, dass der Juneteenth Day in diesem Jahr einen Wendepunkt in der US-Geschichte markieren könnte:

"Das ist die große Frage: Es gab im 20. Jahrhundert immer wieder diese Momente der Veränderung. Und vielleicht ist das ja einer davon."

Juneteenth - Gedenktag zum Ende der Sklaverei in den USA mit Symbolkraft
Peter Mücke, ARD New York
19.06.2020 06:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Juni 2020 um 05:22 Uhr.

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