Johnny Clegg | Bildquelle: AFP

Anti-Apartheid-Sänger Musiker Johnny Clegg ist tot

Stand: 17.07.2019 13:10 Uhr

Mit seiner Musik überwand Johnny Clegg nicht nur Genre-Grenzen, sondern auch gesellschaftliche Schranken in der Apartheid-Ära. Nun ist der südafrikanische Musiker im Alter von 66 Jahren an Krebs gestorben.

Der südafrikanische Musiker Johnny Clegg ist tot. Er starb im Alter von 66 Jahren. Seine letzten Momente habe er im Kreise seiner Familie in seinem Haus in Johannesburg erlebt, sagte sein Manager Roddy Quin. Clegg starb an den Folgen von Bauchspeicheldrüsenkrebs. "Er kämpfte bis zur letzten Sekunde dagegen an", ergänzte sein Manager im Gespräch mit der südafrikanischen Rundfunkanstalt SABC. Clegg trat noch bis Ende 2017 auf Bühnen auf.

Clegg machte sich weit über die Landesgrenzen einen Namen, indem er in der Apartheid-Ära der weißen Minderheitenherrschaft auch mit schwarzen Musikern auftrat. Überhaupt waren vieler seiner Hits von der Sprache und Kultur der Volksgruppe der Zulu sowie Melodien der Townships inspiriert.

Der Musiker Johnny Clegg auf einem seiner letzten Konzerte im November 2017 in Johannesburg. | Bildquelle: AP
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Johnny Clegg auf einem seiner letzten Konzerte im November 2017 in Johannesburg.

Plötzlich stand Mandela auf der Bühne

Zu Cleggs bekanntesten Liedern gehört "Scatterlings of Africa", das zum Soundtrack des Films "Rain Man" gehört. Zu den weiteren bekannten Liedern zählt "Asimbonanga", was übersetzt "Wir haben ihn nie gesehen" bedeutet. Der Song handelt vom Leben der Südafrikaner in der Apartheid-Ära, als Bilder vom damals inhaftierten Nelson Mandela verboten waren. Dieser kam im Jahr 1990 nach 27 Jahren im Gefängnis frei, vier Jahre später wurde er nach für alle Bürger zugänglichen Wahlen Südafrikas erster schwarzer Präsident.

In einem Interview erinnerte sich Clegg 2017 an eine Tournee in Deutschland Ende der 1990er-Jahre, wo bei einer Darbietung von "Asimbonanga" plötzlich ein freudestrahlender und tanzender Mandela hinter ihm auf der Bühne aufgetaucht sei. Die Erfahrung habe ihm einen "riesigen Schock" eingejagt, erzählte Clegg.

Mandela 1994
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Nelson Mandela: Das südafrikanische Freiheitsidol tanzte gerne und oft. Und er war ein Fan von Johnny Clegg.

"Ein Gipfelmoment für mich"

Mandela blieb cool: Musik und Tanzen ließen ihn Frieden mit der Welt und sich selbst verspüren, sagte die Freiheitsikone damals dem Publikum. Er bat Clegg, das Konzert fortzusetzen. Das Publikum forderte er zudem auf, aufzustehen und zu tanzen. Am Ende des Songs hielten sich Mandela und Clegg an den Händen und gingen von der Bühne. "Das war ein Gipfelmoment für mich", schilderte Clegg. "Es war einfach nur ein absolutes und tolles Geschenk des Universums."

In Musik und Tanzformen der Zulu ließ sich Clegg einst vom Putzmann und Straßenmusiker Charlie Mzila einweisen, mit dem er als Teenager viel Zeit verbrachte. Später verwob er die Einflüsse mit Folk und anderen Stilen und überwand im Zusammenspiel mit den multiethnisch besetzten Bands Juluka und Savuka auch gesellschaftliche Grenzen.

Krebsdiagnose vor vier Jahren

Clegg habe Songs aufgenommen, für die er verhaftet worden sei, sagte Manager Quin. Dem Druck der Apartheid-Regeln habe er sich nie gebeugt. "Er spielte in Südafrika eine große Rolle, Leute dazu zu bringen, von den Kulturen anderer Menschen zu lernen und Leute zusammenzubringen", sagte Quin.

Die südafrikanische Regierung würdigte Cleggs "Musik und Fähigkeit, Menschen über Ethnien hinweg zu vereinen". Der berühmte Soweto Gospel Choir nannte ihn eine "Musikikone und einen echten Südafrikaner".

Der weiße Zulu - Nachruf Johnny Clegg
Jana Genth, ARD Johannesburg
16.07.2019 20:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. Juli 2019 um 08:03 Uhr.

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