Ein Kämpfer der Separatisten neben einer Flagge des früheren Südjemen im jemenitischen Aden | Bildquelle: REUTERS

Kämpfe im Jemen Jetzt bekriegen sich auch einstige Verbündete

Stand: 28.01.2018 17:06 Uhr

Im Südjemen liefern sich Separatisten und Regierungstruppen heftige Gefechte. Dabei waren sie bis vor Kurzem noch Verbündete im Kampf gegen die Huthi-Rebellen. Wie kam es zum Bruch?

Von Björn Blaschke, ARD-Studio Kairo

Die Anhänger des international anerkannten Präsidenten des Jemen und die Separatisten des Südens - bis vor Kurzem waren sie noch Waffenbrüder. Jetzt bekämpfen sie einander im südjemenitischen Aden.

Alles begann 2014: Damals starteten die Huthi-Rebellen einen Eroberungszug gegen Präsident Abd Rabbo Mansour Hadi und dessen Verbündete. Seither beherrschen die Huthis weite Teile des Nord-Jemen und zeitweise sah es so aus, als würden sie auch den Süden des Landes einnehmen. Doch sie wurden zurückgeschlagen: von verschiedenen jemenitischen Kräften um Präsident Hadi - dazu zählen auch die Separatisten - sowie von einer Militärallianz, die Saudi-Arabien mit verschiedenen arabischen Staaten bildete und deren Kampfjets die Huthis vor allem aus der Luft ins Visier nehmen.

Die Folge der anhaltenden Auseinandersetzungen waren Tausende Tote und ungleich mehr Vertriebene, Millionen Menschen am Rande von Hungerskatastrophen und Epidemie. Obendrein beklagte in der vergangenen Woche der für den Jemen zuständige UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jamie McGoldrick, dass die Kriegsparteien im Jemen auch wiederholt Menschenrechte verletzten.

Karte: Jemen mit Sanaa und Aden
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Die jemenitische Regierung verlegte ihren Sitz 2014 von Sanaa nach Aden, nachdem die Huthi-Rebellen Sanaa eingenommen hatten.

Gemeinsamer Feind - die Huthis

Am Boden kämpften auf Seiten der Hadi-Leute lange auch die Separatisten. Die Huthis brachten die beiden Gruppen zusammen, wenngleich ihre grundsätzlichen Ziele unterschiedlicher kaum sein können: Präsident Hadi steht für einen geeinten Jemen. Die Separatisten wollen seine Spaltung und damit zwei unabhängige Staaten.

Jahrzehnte lang war das Land geteilt gewesen, erst 1990 kam es zur Wiedervereinigung, die die Separatisten rückgängig machen wollen. Dafür gründete ein Gouverneur, den Präsident Hadi im Mai feuerte, einen sogenannten Übergangsrat der Separatisten. Dem Gremium, das von der Hadi-Regierung nicht anerkannt wird, gehören fünf Provinzgouverneure und zwei Ex-Minister an. Sie wollen eine Selbstverwaltung der südlichen Provinzen organisieren.

Eskalation und Kämpfe

Vergangene Woche forderten die Separatisten Präsident Hadi dann dazu auf, den Ministerpräsidenten und einige Minister wegen Korruption zu entlassen. Eine Frist, die sie gesetzt hatten, lief nun am Wochenende aus. Eine Demonstration gegen Hadi eskalierte und die Kämpfe mit Hadis Leute begannen.

Anhänger der Separatisten bei einer Demonstration im südjemenitischen Aden | Bildquelle: REUTERS
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Anhänger der Separatisten bei einer Demonstration in Aden.

Schulen und Geschäfte sind mittlerweile geschlossen, die Separatisten sollen den Sitz von Präsident Hadi eingenommen haben. Der Ministerpräsident, dessen Entlassung die Separatisten forderten, spricht von einem Putsch-Versuch. Mittlerweile rief er aber auch zu Waffenstillstand und Dialog auf, wie der Nachrichtensender al-Arabiya berichtete.

Fraglich ist, wie die Militärallianz reagieren wird, die Saudi-Arabien vor drei Jahren aus verschiedenen arabischen Staaten schmiedete, wenn die Auseinandersetzungen weitergehen. Das Bündnis steht formal geschlossen auf der Seite von Präsident Hadi. Offenbar gibt es aber Brüche innerhalb des Bündnisses: Die Separatisten, die jetzt gegen Hadi und seine Leute kämpfen, sollen von Soldaten der Vereinigten Arabischen Emirate ausgebildet worden sein. Gleichzeitig sind die Emirate aber auch Teil der von Saudi-Arabien gebildeten Militärallianz.

Kämpfe zwischen Separatisten und Kräften der jemenitischen Regierung in Aden
Björn Blaschke, ARD Kairo
28.01.2018 16:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Januar 2018 um 16:00 Uhr.

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