Der entlassene Premierminister des Jemen, Ahmed bin Dagher | Bildquelle: AFP

Schwere Wirtschaftskrise Jemens Präsident entlässt Regierungschef

Stand: 16.10.2018 02:12 Uhr

Der jemenitische Staatschef Hadi hat seinen Ministerpräsidenten Dagher entlassen. Er wirft ihm vor, im Kampf gegen die Wirtschaftskrise im Land versagt zu haben. Laut UN sind Millionen Jemeniten vom Hunger bedroht.

Jemens Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi hat Regierungschef Ahmed bin Dagher entlassen. Dagher müsse seinen Posten räumen, weil seine Regierung im Kampf gegen die Wirtschaftskrise und das Leiden der Bevölkerung versagt habe, erklärte der Staatschef laut der Nachrichtenagentur Saba.

Jemens Präsident Hadi spricht vor der UN-Vollversammlung | Bildquelle: dpa
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Wegen des Kriegs im Jemen regiert Präsident Hadi von Saudi-Arabien aus.

Dagher habe es nicht geschafft, den wirtschaftlichen Abschwung und insbesondere den Verfall der Landeswährung Rial zu stoppen. Hadi ordnete an, Ermittlungen gegen Dagher einzuleiten. Zum neuen Regierungschef ernannte der Präsident den bisherigen Infrastrukturminister Moeen Abulmalik Saeed, der nach Angaben von politischen Beobachtern "ausgezeichnete" Verbindungen zu Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterhält.

Seit 2014 herrscht Krieg

Im Jemen kämpfen die vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen seit 2014 gegen die Truppen von Präsident Hadi. Eine vom sunnitischen Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition unterstützt seit März 2015 Hadis Einheiten. Seitdem wurden in dem Konflikt fast 10.000 Menschen getötet. Zuletzt waren im September Friedensgespräche zwischen den Parteien gescheitert.

Die Führung um Hadi agiert von Saudi-Arabien aus, da die jemenitische Hauptstadt Sanaa weiter in der Hand der Aufständischen ist.

Jemenitische Kinder sitzen vor der Hütte ihrer Familie | Bildquelle: dpa
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Nach Angaben des UNHCR sind drei Viertel der Bevölkerung auf humanitäre Hilfe angewiesen, fast die Hälfte ist von Hunger bedroht.

UN warnen vor Verschärfung der Hungersnot

Der Krieg hat laut den Vereinten Nationen zur größten humanitären Krise der Welt geführt. Im ärmsten Land auf der arabischen Halbinsel sind nach UN-Angaben mehr als acht Millionen Menschen vom Hunger bedroht. Außerdem herrscht in dem Land eine Cholera-Epidemie. 

Das UN-Welternährungsprogramm warnte bereits vor einer Verschärfung der Hungersnot. Sollte sich die Lage dort nicht ändern, könne die Zahl der vom Hunger bedrohten Menschen auf zwölf Millionen anwachsen, sagte der Sprecher der Organisation, Herve Verhoosel. Im Jemen leben rund 30 Millionen Menschen, das Land importiert traditionell 90 Prozent seiner Lebensmittel.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Oktober 2018 um 06:00 Uhr.

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