Schriftzug der Washington Post | Bildquelle: picture alliance / AP Photo

"Washington Post" unter Jeff Bezos Alte Zeitung, neu erfunden

Stand: 16.09.2018 02:39 Uhr

Vor fünf Jahren kaufte Amazon Gründer Jeff Bezos die renommierte "Washington Post". Der Aufschrei war groß, doch Bezos sorgte für neuen Erfolg - mit einem komplett neuen Geschäftsmodell.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Es war im Herbst 2013, als Jeff Bezos kam und die "Washington Post" übernahm. Don Graham, Kopf der Verlegerfamilie, hatte sie dem Amazon-Gründer für 250 Millionen Dollar verkauft. Ohne Verhandlung, wie Bezos fünf Jahre später noch einmal betont, einzig auf der Basis von Vertrauen.

Seine Motivation sei erst einmal nicht finanziell gewesen, sagt Bezos: "Dies ist eine wichtige Institution. Es ist die Zeitung in der Hauptstadt des wichtigsten Landes der Welt." Die "Washington Post" habe eine enorm wichtige Rolle für die Demokratie zu spielen.

Sie brauchten jemanden, der das Internet versteht

Aber zunächst wollte Bezos nicht. Der "Post" ging es schlecht, der Zeitungsmarkt brach überall zusammen und er selbst verstand nichts vom Metier. Graham aber überzeugte ihn. Er wusste, warum er Bezos wollte. Zwar habe es innerhalb der "Washington Post" viel Wissen über Zeitungen gegeben. "Aber was sie brauchten war jemanden, der das Internet versteht."

Amazon-Gründer und "Washington Post"-Besitzer Jeff Bezos | Bildquelle: REUTERS
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Amazon-Gründer und "Washington Post"-Besitzer Jeff Bezos

Der eigentliche Strategiewechsel war der Schritt auf Bezos zu. Mit seiner feinen Kenntnis des Internets und seiner Gesetze, wechselte Bezos als neuer Besitzer sofort das Business -Modell und baute eines für die Zukunft in einer digitalen Welt. "Wir mussten den Wechsel von dem Business-Modell machen, bei dem man relativ viel Geld pro Leser bei wenigen Lesern verdient, hin zu  einem mit sehr wenig Geld pro Leser, aber ganz vielen Lesern", sagt Bezos.

Ganz entscheidend für die Strategie war die totale Konzentration auf die Leser und deren Bedürfnisse. "Sie sind für uns die einzigen Kunden. Nicht die Inserenten, nicht die Zulieferer, nicht die Politik. Nur die Leser", so Bezos. Er investierte in zusätzliche Journalisten und Recherche einerseits und digitale Distribution andererseits. Weg von Druckereien und Papier mit hohen Kosten.

"Das Geschenk der kostenlosen Distribution"  

"Heute mit dem Internet bekommt man das Geschenk der kostenlosen Distribution. Das mussten wir ausnutzen. Und das war die Grundstrategie." Das alte Redaktionsgebäude ist längst abgerissen, aus kleinen Einzelzimmern für Autoren wurde ein moderner Newsroom mit dem digitalen Chic der Hightech-Industrie des Silicon Valley. 

Zahlen gibt es keine, aber die "Washington Post" soll wieder Gewinn machen und den Wendepunkt geschafft haben. "Wenn ich 90 Jahre alt bin, möchte ich zurückblicken und darauf stolz sein, die 'Washington Post' übernommen und durch eine schwierige Transformation geholfen zu haben", sagt der 54-Jährige.

Aber auch mit hartem finanziellen Korsett. Erst im Juni haben die Mitarbeiter der "Washington Post" Bezos in einem offenen Brief miserable Bezahlung vorgeworfen und Nachbesserung verlangt.

5 Jahre Besitzer der Washington Post - Jeff Bezos zieht Bilanz
Arthur Landwehr, ARD Washington
15.09.2018 18:46 Uhr

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