Rettungskräfte retten Anwohner in einem Boot aus einer überschwemmten Gegend. | dpa

Südwesten Japans Tote nach heftigen Unwettern

Stand: 05.07.2020 15:11 Uhr

Mindestens 18 Menschen sind laut Behörden gestorben, mit weiteren Opfern wird gerechnet: In Japan hat Starkregen zu Überschwemmungen und Erdrutschen geführt. Tausende Soldaten sind im Einsatz - und es soll weiter regnen.

Bei den schweren Unwettern auf Japans südwestlicher Hauptinsel Kyushu sind laut Behördenangaben mindestens 18 Menschen gestorben. Die Regionalregierung der stark betroffenen Provinz Kumamoto befürchtet, dass mindestens 17 weitere Opfer die schweren Überflutungen und Erdrutsche nicht überlebt haben. Mindestens 14 Menschen galten zudem noch als vermisst. Medien berichteten von bis zu 35 Todesopfer. Viele der Opfer waren Bewohner eines Altenpflegeheims in dem von den Überflutungen stark betroffenen Dorf Kuma.

Starkregen, Überschwemmungen, Erdrutsche

Schwerer Regen hatte seit gestern in weiten Gebieten der Provinzen Kumamoto sowie Kagoshima für katastrophale Zustände gesorgt, die die Rettungs- und Bergungsarbeiten erschwerten. Überschwemmungen und Erdrutsche rissen Bäume, Häuser und ganze Straßenzüge mit sich.

Trotz der Unterstützung durch Tausende von der Regierung entsandte Soldaten hatten die Einsatzkräfte Schwierigkeiten, einige der besonders schwer betroffenen Gebiete entlang des Kuma-Flusses in Kumamoto zu erreichen. Dessen Ufer waren an mehreren Stellen gebrochen.

Viele Menschen von der Außenwelt abgeschnitten

Einige Bewohner der Provinz Kumamoto, darunter auch in den Städten Yatsushiro und Hitoyoshi, waren von der Außenwelt abgeschnitten, nachdem die schlammigen Fluten Straßen unzugänglich gemacht hatten. Tausende Haushalte waren heute zunächst noch ohne Strom.

Luftaufnahmen im japanischen Staatsfernsehen zeigten Wohngebiete, die metertief in Schlamm und Wasser versunken waren. In oberen Stockwerken machten Bewohner Rettungshubschrauber auf sich aufmerksam, indem sie mit weißen Tüchern winkten. Einige waren auf Dächer geklettert und mussten an Seilen in die Helikopter gelangen. Auch Schlauchboote waren in den überfluteten Straßen im Einsatz. Augenzeugen berichteten, die Luft rieche nach Gas, das aus zerstörten Leitungen austrat, und nach Abwasser.

 Hitoyoshi, Japan: Ein Gebäude ist durch die durch Überschwemmungen weggespült worden. | AFP

Bilder der Zerstörung aus der Stadt Hitoyoshi Bild: AFP

Keine Entwarnung

Dort, wo das Wasser schon zurückging, wird das Ausmaß der Schäden sichtbar: verwüstete Häuser, in denen der Schlamm meterhoch steht, weggeschwemmte und zerstörte Autos und Bäume. Doch Experten geben noch keine Entwarnung: Nach Angaben der Meteorologischen Behörde Japans drohen weitere heftige Regenfälle, auch in Teilen des Westens. Es gilt die höchste Warnstufe. Trotzdem beginnen die ersten bereits mit den Aufräumarbeiten.

Vor den Unwettern hatten die örtlichen Behörden mehr als 200.000 Menschen dazu aufgefordert, ihre Häuser und Wohnungen zu verlassen und sich in Schutzräumen in Sicherheit zu bringen. Die Evakuierung war allerdings nicht verpflichtend, weswegen viele Anwohner sich dagegen entschieden, sich in die Notunterkünfte zu begeben - häufig aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Die Behörden versicherten allerdings, es seien Sicherheitsvorkehrungen gegen eine Ausbreitung des Virus getroffen worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Juli 2020 um 14:00 Uhr.