Die Wassermassen haben Jakartas Straßen verwüstet. Die Bewohner kehren wieder in ihre Häuser zurück. | Bildquelle: dpa

Fluten in Jakarta Aufräumen vor dem nächsten großen Regen

Stand: 03.01.2020 08:07 Uhr

Das Hochwasser zieht sich langsam aus Jakartas Straßen zurück. 120.000 Rettungskräfte sind im Einsatz. Doch Grund zur Entspannung gibt es nicht: In den den nächsten Tagen drohen weitere Regenfälle.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Während in den überfluteten Stadtteilen von Jakarta der Wasserpegel langsam sinkt, kehren die Bewohner in ihre Häuser zurück. Zehntausende waren evakuiert worden, als die indonesische Hauptstadt und die umliegenden Satellitenstädte rund um den Jahreswechsel von einem der schwersten Hochwasser seit sieben Jahren getroffen wurden.

Straßen sind mit Trümmern und Schlamm bedeckt, Autos wurden von den Wassermassen weggespült und stapeln sich in den engen Straßen der Wohngebiete, wie auf Videomaterial der Nachrichtenagentur AP zu sehen war. An manchen Stellen stand das Wasser zweieinhalb Meter hoch.

Flucht in die obersten Stockwerke

Sheila Febrani und ihr Mann Brian Ega versuchen Ordnung zu schaffen in ihrem Haus, das sie verlassen hatten, als das Hochwasser immer weiter anstieg.

"Zuerst sind wir in das oberste Stockwerk geflüchtet und dachten, soweit wird das Wasser schon nicht kommen. Aber als es dann doch bis ins zweite Stockwerk kam, riefen wir um Hilfe, um evakuiert zu werden", sagt Febrani.

In der Regenzeit habe es schon immer Hochwasser gegeben, erzählt Ega. Das kennen sie schon. "Etwa alle fünf Jahre werden wir überflutet. Aber normalerweise ist es nicht so hoch." Die Stadtverwaltung sollte einfach die Abwasserkanäle verbreitern und reinigen, damit das Wasser besser ablaufen kann.

Abwasserkanäle sind veraltet und verstopft

Rund um Jakarta wurden fast 200 Siedlungen überflutet, mindestens 43 Menschen sind ums Leben gekommen. Der Inlandsflughafen musste vorübergehend geschlossen werden.

In der Metropolregion Jakarta leben rund 30 Millionen Menschen. Abwasserkanäle sind veraltet und durch Abfälle verstopft. Durch unkontrollierte Grundwasserentnahme sinkt der Boden langsam ab. Auch dies trägt zu den immer häufigeren und schlimmeren Überflutungen bei.

Jetzt gehe es um die Rettung von Menschenleben, nicht um die Ursachenforschung, sagte der Gouverneur von Jakarta, Anies Baswedan. Etwa 120.000 Rettungskräfte seien im Einsatz, um bei den Aufräumarbeiten zu helfen. Die medizinische Versorgung der betroffenen Menschen gehe weiter.

"Wir sind sehr froh darüber, dass sich die Lage langsam verbessert und dass das Wasser zurückgeht. Im Moment sind 478 Pumpen im Einsatz. Obwohl wir diese Gegend hier schon saniert haben, kommt es immer wieder zu Überflutungen", sagt Baswedan. Langfristig müssten weiter oben an den Flussläufen Dämme und Reservoirs gebaut werden. Aber das sei Sache der Zentralregierung.

Verlegung der Hauptstadt

Im August vergangenen Jahres hatte Indonesiens Präsident Joko Widodo die Verlegung der Hauptstadt in ein dünn besiedeltes Gebiet in der Provinz Ost-Kalimantan angekündigt.

Die Gefahr für Jakarta ist noch nicht vorüber. Für die nächsten Tage wird mehr Regen erwartet. Die indonesischen Behörden warnten vor möglichen weiteren Überschwemmungen bis April, denn erst dann endet die Regenzeit.

Indonesien: 30 Tote bei Hochwasser in Jakarta
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
03.01.2020 07:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. Januar 2020 um 05:47 Uhr.

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