Der Direktor der Uffizien in Florenz, Eike Schmidt. | Bildquelle: dpa

Corona-Pandemie in Italien Die Kunst kehrt zurück

Stand: 17.05.2020 03:45 Uhr

Ab morgen können in Italien die Museen wieder öffnen, allerdings unter Auflagen. Auch die Uffizien in Florenz stellen sich auf einen etwas anderen Besuch der Gäste ein, der vielleicht neue Chancen aufzeigen kann.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Es geht wieder los. In den Uffizien in Florenz arbeitet eifrig eine kleine Gruppe Tischler. Thermoscanner werden am Eingang installiert, in den Gängen des Museums neue Sitzbänke aufgebaut.

Letztere stehen für die Idee des Uffizien-Direktors Eike Schmidt, mit der Wiederöffnung auch neue Art des Museumsbesuches einzuüben: "Jetzt ist die Möglichkeit, ein ganz anderes Museumserlebnis zu erproben. Aus dem Grund haben wir hier mehrere hundert Bänke aufgestellt, sodass man sich auch vor den Kunstwerken hinsetzen und sie wirklich in aller Ruhe ansehen kann."

Beschränkungen bieten auch Chance

Den Massentourismus bändigen und Kunst erfahrbar machen für Menschen aus unterschiedlichen Schichten und Ländern - das war eine Mission, an der der deutsche Uffizien-Chef schon vor der Corona-Krise gearbeitet hat. Jetzt sieht Schmidt in den Beschränkungen für die Wiedereröffnung auch eine Chance. In den Uffizien sind vorerst nur halb so viele Besucher zugelassen wie vor der Corona-Krise.

"Der riesige Vorteil ist, man wird die Uffizien mit so wenigen anderen Besuchern zu sehen bekommen, wie es seit den frühen 1960er-Jahren nicht mehr möglich war", so Schmidt. Die Atmosphäre werde eine andere sein als zuvor. Eine Atmosphäre, die mehr Möglichkeiten gebe, Werke zu entdecken, sich in sie zu vertiefen.

Kunst wird digital

Mehr Sitzbänke, um Bilder in Ruhe zu betrachten, sind ein Teil der Strategie des Direktors. Der andere ist Zugang zu zusätzlichen Informationen, die auch Nicht-Spezialisten neue Einblicke in Kunstwerke ermöglichen. In diesem Sinne haben die Uffizien die Corona-Pause genutzt, um mit Hochdruck das digitale Angebot auszubauen. Jeden Tag stellte Italiens bekanntestes Museum ein Video auf Facebook, in denen Mitarbeiter ein neues Werk vorstellten und erklärten. Auch auf Instagram und der bei Jugendlichen beliebten TikTok-Plattform haben die Uffizien im Corona-Lockdown virtuell Kunst ausgespielt.

Ein riesiger Erfolg, sagt Schmidt: "Wir haben gesehen, dass die Leute das nutzen. Wir haben einen Zuwachs von 3500 Prozent für diese virtuellen Ausstellungen. Mehr als 3,8 Millionen Besucher haben sich die angeschaut."

Diese Videos bleiben verfügbar, sollen laufend ergänzt werden - und ebenfalls zu einer neuen Art von Museumsbesuch beitragen, bei dem der Besucher nicht nur Meisterwerke abhakt, sondern Lust hat, sich intensiver mit einzelnen Werken zu beschäftigen.

Millionen-Einbußen durch Schließung

Rund zehn Millionen Euro an Einnahmen sind den Uffizien in den Wochen des Lockdowns entgangen, etwa eine Million Besucher ausgeblieben. Schmidt hat in dieser Zeit in den Uffizien unter anderem die Statue des Pothos neu für sich entdeckt. Eine Statue des Liebesverlangens, die im Museum so platziert ist, dass sie über den Fluss Arno und die ganze Stadt schaut: "Es wird dadurch unweigerlich zu einer Allegorie des Verlangens nach einer Heilung, nach einer neuen Normalität."

Mit der Normalität, das ist Schmidt klar, wird auch der Massentourismus in die Museen zurückkehren. Die Zeit bis dahin wollen die Uffizien nutzen, um eine andere Art des Museumsbesuchs attraktiv zu machen. Ungewohntes Beiwerk: Wie vorgeschrieben müssen auch in den Uffizien alle Mundschutz tragen, die Besucher müssen ein Mindestabstand von 1,80 Metern einhalten. Auch das ist ein Uffzienbesuch nach dem Ende des Lockdowns

Uffizien öffnen wieder - Schmidt will neue Art Museumsbesuch proben
Jörg Seisselberg, ARD Rom
17.05.2020 00:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Mai 2020 um 03:45 Uhr.

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