Zivilisten suchen im Vorort Bat Yam Schutz vor den Raketen der Hamas | AFP

Konflikt im Nahen Osten Massiver Beschuss auf beiden Seiten

Stand: 13.05.2021 18:21 Uhr

Der wieder aufgeflammte Nahost-Konflikt schaukelt sich immer weiter hoch: In Tel Aviv heulten erstmals nach Raketenbeschuss tagsüber die Sirenen. Israels Angriffe wiederum sollen bis mindestens Samstag anhalten.

Von Benjamin Hammer, ARD-Studio Tel Aviv

Die Gläubigen feiern in einer Moschee in Gaza-Stadt "Eid al-Fitr" - das Fest des Fastenbrechens. Für gewöhnlich ist das eine schöne Zeit, doch diesmal wird sie von der kriegerischen Auseinandersetzung mit Israel überschattet. Auf einer Straße, die von Kratern übersät ist, verteilt ein junger Mann Schokolade.

Benjamin Hammer ARD-Studio Tel Aviv

Eigentlich wollte er sich und den Menschen eine Freude machen, sagte er der Nachrichtenagentur AP. Die Stimmung passe aber absolut nicht zum Fest. "Die Luftangriffe, die Zerstörung. Möge Gott allen helfen."

Keine Waffenruhe mit der Hamas

Israel begründet seine Angriffe mit dem heftigen Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. Die Armee töte gezielt Kommandeure der Hamas und des "Islamischen Dschihad". Opfer in der Zivilbevölkerung versuche man zu vermeiden. Bewohner würden vor einem Angriff gewarnt, teilte das Militär mit.

Nach palästinensischen Angaben gibt es dennoch auch zivile Todesopfer. "Jeder, der eine Waffe im Gazastreifen hält, ist für uns bereits ein toter Mann", sagte ein Armeesprecher im israelischen Radio. "Wir wollen weiterhin Kämpfer und hochrangige Kommandeure treffen." Der Druck würde wirken; die Miliz sei weniger erfolgreich.

Welches Ziel die Armee in Gaza hat, ist nicht bekannt. Klar scheint jedoch, dass sie nicht - wie in der Vergangenheit - der Hamas Pausen oder Waffenruhen gewähren will. Die Kampfhandlungen sollen deshalb mindestens bis Samstag fortgesetzt werden.

Geschoss erreicht Eilat

Am Nachmittag herrschte erstmals bei Tageslicht Raketenalarm im Großraum Tel Aviv. Allein in dieser Angriffswelle sollen militante Palästinenser 100 Raketen abgefeuert haben. Ein Geschoss wurde nach Angaben der Hamas sogar auf Eilat am Roten Meer abgefeuert. Die Stadt liegt 200 Kilometer entfernt von Gaza.

Möglicherweise war das die Rakete mit der größten Reichweite, die die Hamas je abgefeuert hat. Die Hamas will Israel offenbar von der Welt isolieren. Nachdem der Flughafen bei Tel Aviv wegen der Raketen zwischenzeitlich seinen Betrieb einstellen musste, will die Hamas dieses Ziel offenbar auch beim zweiten internationalen Airport bei Eilat erreichen. Dabei ist der eigentlich als Ausweichflughafen vorgesehen.

Airlines stellen Betrieb ein

"Einer der Gründe für die Errichtung des Flughafens bei Eilat waren nicht nur die Wetterbedingungen, sondern auch die Sicherheitsgründe", erklärte ein ehemaliger Flughafenmanager im israelischen Fernsehen. Das Problem sei noch aus dem Yom-Kippur-Krieg bekannt. Sobald sich die Sicherheitslage verschärft,  bleiben die ausländischen Fluggesellschaften fern. "Wir sind allein auf die israelischen Fluggesellschaften angewiesen", sagte er.

Doch sogar die israelischen Airlines, die den Ruf haben, wann immer möglich zu fliegen, stellten zwischenzeitlich den Betrieb ein. Für die Hamas ist das ein immenser Erfolg. Bei vielen Israelis löste die Lage Beklemmung aus: Sie verlassen ihr Land fast ausschließlich per Luft.

Lob an die Truppen

Das weiß auch Israels Premier Benjamin Netanyahu. Er besuchte eine Truppe des israelischen Raketenabwehrsystems. Sie ist eine Art Lebensversicherung für die Israelis. "Die Kommandeure und Soldatinnen leisten außergewöhnliche Arbeit und beschützten die Lüfte und die Bürgerinnen und Bürger Israels", lobte der Regierungschef.

Eine Abfangrate von 100 Prozent sei leider unmöglich, räumte er ein. "Aber wir kommen dem ziemlich nahe." Israel werde die Hamas weiterhin angreifen, während es seine Bürger beschütze. Dafür werde es Zeit und Entschlossenheit brauchen. "Wir werden unser Ziel erreichen, die Ruhe im Staat Israel wiederherzustellen", sagte Netanyahu.

Ruhig ist die Lage auch abseits des Konfliktes mit der Hamas nicht: Auch in dieser Nacht könnte es in israelischen Städten wieder zu Lynch-Angriffen zwischen Arabern und Juden kommen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes war von Kommandeurinnen und Kommandeuren die Rede. Diese Formulierung haben wir auf Hinweis des Korrespondenten geändert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Mai 2021 um 18:15 Uhr.

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Moderation 13.05.2021 • 20:21 Uhr

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