Tausende Israelis demonstrieren gegen die Diskriminierung Homosexueller.  | Bildquelle: dpa

Homosexuellenrechte in Israel Zehntausende gegen Diskriminierung

Stand: 23.07.2018 09:45 Uhr

Zwar gilt Israel bei Homosexuellenrechten als Vorreiter, doch eine Gesetzesänderung brachte nun Zigtausende Israelis auf die Straße. Sie fordern eine weitergehende Änderung des Leihmutterschaftsgesetzes.

Zehntausende Israelis haben in Tel Aviv gegen die Diskriminierung Homosexueller demonstriert. Auslöser der Proteste war eine Änderung des israelischen Leihmutterschaftsgesetzes. Sie ermöglicht es künftig nicht nur heterosexuellen Paaren, sondern auch ledigen Frauen, mit Hilfe einer Leihmutter Kinder zu bekommen. Die Gesetzesänderung schließt dagegen ledige Männer aus.

Nach Angaben der Nachrichtenseite ynet versammelten sich etwa 80.000 Menschen auf dem zentralen Rabin-Platz. Die LGBT-Gemeinde sprach vom größten Protest in der Geschichte der Bewegung in Israel. LGBT steht für Lesben, Schwule, Bi- und Transsexuelle.

Viele Arbeitgeber unterstützen die Proteste

Hunderte Teilnehmer der Kundgebung schwenkten Flaggen in den Regenbogenfarben und hielten Schilder in die Höhe. "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!", stand darauf unter anderem. Viele riefen "Schande".

Tausende Israelis protestieren in Tel Aviv auf dem zentralen Rabin-Platz. | Bildquelle: AFP
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Auf dem zentralen Rabin-Platz in Tel Aviv versammelten sich die meisten Demonstranten.

In mehreren Städten, darunter Jerusalem, Haifa und Beerscheva, waren zuvor Menschen mit Protestschildern auf den Straßen marschiert. In Tel Aviv blockierten Demonstranten vorübergehend eine zentrale Schnellstraße. Tausende Mitglieder der LGBT-Gemeinde streikten außerdem am Sonntag, dem ersten Tag der israelischen Arbeitswoche. Viele Arbeitgeber unterstützten die Protestmaßnahme.

Schwule Männer wollen Väter werden

Das israelische Parlament hatte am vergangenen Mittwoch das umstrittene Gesetz verabschiedet. Es verwehrt gleichgeschlechtlichen Paaren und alleinstehenden Männern Leihmutterschaften. Zuvor waren diese in Israel nur heterosexuellen, verheirateten Paaren gestattet. Schwule Männer sehen sich dadurch des Rechtes beraubt, in ihrem eigenen Land Väter zu werden.

Viele homosexuelle Paare in Israel reisen ins Ausland, um dort unter hohem Kostenaufwand mithilfe einer Leihmutter ein Baby zu bekommen. Israel gilt bei Homosexuellenrechten als Vorreiter. Religiösen Konservativen, die an der rechtsgerichteten Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu beteiligt sind, gelten gleichgeschlechtliche Partnerschaften aber nach wie vor als Tabu.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Juli 2018 um 6:00 Uhr.

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