Menschen bestaunen ein Feuerwerk am Himmel über Jerusalem | Bildquelle: AFP

70 Jahre Israel Existenzkampf seit der Gründung

Stand: 18.04.2018 22:19 Uhr

Am 14. Mai 1948 rief David Ben Gurion den Staat Israel aus. Nach dem hebräischen Kalender feiert das Land schon jetzt sein 70. Jubiläum. Tim Aßmann blickt auf die schwierige Staatsgründung zurück.

Von Tim Aßmann, ARD-Studio Tel Aviv

Es ist der 14. Mai 1948. Stunden, bevor um Mitternacht das britische Mandat für Palästina ausläuft, verkündet David Ben Gurion die Gründung eines jüdischen Staates. Ben Gurion spricht vom natürlichen und historischen Recht seines Volkes und beruft sich auf den Teilungsbeschluss der Vereinten Nationen. Israel ist gegründet.

"Das war ein Zeichen für Selbstbestimmung, nationale Selbstbestimmung von Juden. Die gab es und die führte zur Gründung des Staates", sagt der israelische Historiker Moshe Zimmermann. Ein "Akt der Befreiung" sei es 1948 gewesen, "ein Akt der Reaktion auf die Schoah und auf das, was man als Geschichte der Verfolgung immer darstellt".

Ben Gurion proklamiert die Unabhängigkeit Israels | Bildquelle: picture alliance / akg-images
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Am 14. Mai 1948 proklamierte Ministerpräsident David Ben-Gurion die Unabhängigkeit seines Landes.

Arabische Staaten gegen "Bruch der Einheit"

Als Ben Gurion die Unabhängigkeit ausruft, weiß er, was folgen wird. Die arabischen Nachbarstaaten hatten deutlich gemacht, wie sie reagieren würden. Nur Tage vorher hatte der spätere irakische Premierminister Mohammed Jamali vor den Vereinten Nationen erklärt, die arabischen Staaten könnten "diesen Bruch in ihrer Einheit und diese Bedrohung ihrer politischen und wirtschaftlichen Eigenständigkeit nicht dulden". Sie hätten ein entscheidendes Mitspracherecht in allen Angelegenheiten, die ihre regionalen Interessen berühren. "Deswegen widersetzen sie sich der Schaffung eines jüdischen Staates in Palästina, heute oder zu jedem anderen Zeitpunkt in der Zukunft."

Am 15. Mai kurz nach Mitternacht griffen Truppen einer arabischen Allianz bestehend aus Ägypten, Syrien, Jordanien, dem Libanon und dem Irak das junge Israel an. Zu diesem Zeitpunkt wurde aber schon um die israelische Unabhängigkeit gekämpft. Seit der Verabschiedung des UN-Teilungsplans am 30. November 1947 bekämpften sich arabische Milizen und bewaffnete jüdische Verbände. Nachdem die arabischen Armeen dann im Mai 1948 einmarschiert waren, gelang es den Angreifern, den jüdischen Westteil Jerusalems vom Nachschub abzuschneiden.

Zimmermann war damals vier Jahre alt. Die Familie lebte in Jerusalem. "Erinnern kann ich mich an die Belagerung von Jerusalem", sagt er. "Dass wir nur einmal am Tag oder in zwei Tagen einen Kanister mit Wasser holen konnten, weil es kein Wasser gab. Dass wir unter Beschuss kamen. Und ich kann mich auch erinnern, dass zwei Mörsergranaten auf dem Dach bei uns landeten."

Israels Premierminister Netanyahu bei den Feierlichkeiten zum 70-jährigen Gründungsjubiläum. | Bildquelle: ABIR SULTAN/EPA-EFE/REX/Shutters
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Israels Premierminister Netanyahu spricht bei der zentralen Zeremonie zum 70-jährigen Gründungsjubiläum auf dem Herzl-Berg in Jerusalem.

Israelische Soldaten treten während der Jubiläumsfeier zur Staatsgründung Israels auf. | Bildquelle: ABIR SULTAN/EPA-EFE/REX/Shutters
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Die Feiern dauern 70 Stunden bis Samstagabend. Es gibt unter anderem Partys am Strand, Straßenfeste wie in Tel Aviv und Jerusalem sowie Feuerwerke.

Waffenruhe von Juli bis Oktober

Die Kämpfe dauerten zunächst bis zum 11. Juni. Dann griff ein Waffenstillstand, der aber nur wenige Wochen hielt, bevor die Gefechte wieder aufflammten. Von Mitte Juli bis Mitte Oktober schwiegen die Waffen dann erneut. Israel gelang es während der Waffenruhe seine Armee mit frischen Truppen und zusätzlicher Ausrüstung zu verstärken. Die arabischen Einheiten litten überwiegend unter Nachschubmangel.

Nachdem die Kämpfe im Oktober 1948 wieder ausbrachen, konnten sich die israelischen Einheiten durchsetzen. Der junge Staat ging eindeutig als Sieger aus dem Krieg hervor. Mit den arabischen Nachbarländern wurden Waffenstillstandsverträge abgeschlossen. Im Vergleich zum UN-Teilungsplan gelang es Israel, sein Staatsgebiet um rund ein Drittel zu vergrößern. Rund 700.000 Palästinenser flohen vor den Kämpfen oder wurden vertrieben. Der jüdische Staat hatte den ersten Krieg um seine Existenz gewonnen. Weitere sollten folgen. 

70 Jahre Israel - Ein Staat für das jüdische Volk
Tim Aßmann, ARD Tel Aviv
18.04.2018 20:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. April 2018 um 23:00 Uhr.

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