Ein Pub in Dublin, der aufgrund des Corona-Lockdowns sechs Wochen geschlossen war. | Bildquelle: AP

Steigende Infektionszahlen Irland verhängt einmonatigen Lockdown

Stand: 30.12.2020 22:00 Uhr

Noch vor wenigen Wochen hatte Irland eine der niedrigsten Corona-Infektionsraten in Europa. Seit Weihnachten steigt die Zahl der Neuinfektionen im Land allerdings wieder rapide an, weshalb die Regierung nun die Notbremse zieht.

Angesichts stark ansteigender Infektionszahlen in Irland hat die Regierung einen einmonatigen Lockdown verhängt. Nach verhältnismäßig wenigen Neuinfektionen im Land war die Zahl nach Weihnachten explosionsartig angestiegen.

Die Situation sei sehr ernst, sagte Regierungschef Micheal Martin am Abend. "Die Zahlen werden sich in den kommenden Tagen weiter verschlechtern." Angesichts des Tempos, in dem das Coronavirus um sich greife, müsse die Bremse gezogen werden, sagte Martin.

Irlands Gesundheitsbehörden registrierten heute mit 1718 neuen Corona-Neuinfektionen den zweiten Höchstwert in Folge - bei einer Einwohnerzahl von gerade einmal 4,9 Millionen Menschen. Zu Beginn der zweiten Welle hatte Irland früh auf einen harten Lockdown gesetzt und es damit geschafft, die Zahl der Neuansteckungen deutlich zu senken. Die aktuelle Anstieg übertreffe nun aber die negativsten Vorhersagen, so Martin.

Starker Anstieg seit Weihnachten

Der beschlossene Lockdown ähnelt einer Ausgangssperre. Damit sind private Besuche ebenso verboten wie öffentliche Versammlungen - Ausnahmen gibt es nur für Hochzeiten mit bis zu sechs und Begräbnisse mit bis zu zehn Menschen. Die Menschen sollen ihre Häuser nur für Arbeit, Ausbildung und andere notwendige Zwecke verlassen. Sport im Freien ist im Umkreis von fünf Kilometern um die Wohnung erlaubt. Der Schulstart nach den Weihnachtsferien wird um drei Tage auf den 11. Januar verschoben.

Noch vor wenigen Wochen hatte Irland eine der niedrigsten Infektionsraten in Europa. Seitdem die Regierung die Beschränkungen vor Weihnachten allerdings gelockert hat, hat sich der Fünf-Tage-Durchschnitt in den vergangenen zwei Wochen mehr als verdreifacht. Martin zufolge spielt auch die neue Corona-Variante, die in Großbritannien entdeckt wurde, eine Rolle bei den rasant steigenden Infektionszahlen. Der Regierungschef sagte, er glaube, dass sich die Mutation "viel, viel schneller" ausbreite, weshalb eine Überlastung des Gesundheitssystems drohe.

"Sehr hart für alle"

Davor warnen auch die Gesundheitsbehörden, denen zufolge sich die Zahl der im Krankenhaus behandelten Corona-Patienten in der vergangenen Woche fast verdoppelt hat. Ohne zusätzliche Maßnahmen könnten sich die Fallzahlen demnach alle sieben bis zehn Tage verdoppeln.

Der kommende Monat werde "sehr hart für alle", sagte Martin. Aber dank der Impfmittel gebe es Hoffnung. "Zum ersten Mal, seit diese schreckliche Krankheit unser Land befallen hat, ist ein Ende in Sicht." Er sei zuversichtlich, dass bis Ende Januar Zehntausende Menschen in Irland geimpft sein würden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Dezember 2020 um 21:00 Uhr.

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