Füße einer Turnerin laufen einem Schwebebalken | Bildquelle: picture alliance / dpa

Foto ohne Kopftuch Bestraft der Iran zehnjährige Turnerin?

Stand: 26.12.2017 11:16 Uhr

Eine zehnjährige Turnerin muss in Iran mit Sanktionen ihres Verbandes rechnen. Der Grund: Im Internet war ein Foto von ihr aufgetaucht, auf dem sie kein Kopftuch trägt. Die Familie sieht das als Privatsache, der Verband nicht.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Der Iran will möglicherweise gegen ein zehnjähriges Mädchen vorgehen. Die junge Turnerin hatte im Ausland kein Kopftuch getragen.

Im Internet war ein Foto des Mädchens aufgetaucht, das sie beim Turnen ohne Kopftuch zeigt. Zuerst hieß es, das Bild sei von einem Wettkampf in Kuala Lumpur. Der Vater der Zehnjährigen erklärte dagegen, er habe das Foto selbst gemacht, und zwar bei einem privaten Trainingscamp in Armenien.

Der iranischen Nachrichtenagentur ISNA sagte der Vater: "Was meine Familie und ich privat machen, geht den Verband doch nichts an."  Der Turnerverband sieht das allerdings anders. Er will ein Disziplinarverfahren gegen das Mädchen einleiten. Sie könnte dann von Wettkämpfen ausgeschlossen werden.

Iran schreibt Kopftuch ab neun Jahren vor

Mädchen im Iran müssen ab einem Alter von neun Jahren ein Kopftuch tragen. Für Iranerinnen im Ausland gilt die Vorschrift nicht, wenn sie privat unterwegs sind. Allerdings müssen beispielweise Schauspielerinnen oder auch Sportlerinnen mit Sanktionen rechnen, wenn Bilder von ihnen ohne Kopftuch an die Öffentlichkeit gelangen.

Beim Sport gibt es eine islamische Kleiderordnung, die der jeweilige nationale Sportverband vorgibt. Die internationalen Verbände müssen die Uniform dann genehmigen. Im Turnen hat der Iran deshalb schon seit vielen Jahren keine Frauenmannschaft mehr, die an internationalen Wettkämpfen teilnimmt.

Debatte in sozialen Netzwerken

Der Fall der jungen Turnerin wird im Iran in den sozialen Netzwerken diskutiert. Dabei wird vor allem kritisiert, dass man schon gegen eine Zehnjährige wegen der Kopftuch-Vorschrift vorgehen will.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Dezember 2017 um 13:28 Uhr.

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