Die vom Büro des obersten iranischen Führers veröffentlichte Aufnahme zeigt den obersten Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei. | Bildquelle: dpa

Mord an Atomwissenschaftler Iran droht mit Vergeltung

Stand: 28.11.2020 15:43 Uhr

Nach dem Attentat auf einen hochrangigen Atomwissenschaftler hat Irans Oberster Führer, Chamenei, mit Rache gedroht. Er und Präsident Rouhani machen die USA und Israel für den Anschlag verantwortlich.

Nach dem Attentat auf einen hochrangigen iranischen Atomwissenschaftler hat die Führung in Teheran Vergeltung geschworen. Der Oberste Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei, forderte eine "entschlossene Bestrafung" der Täter und ihrer Hintermänner.

Am Morgen meldete sich auch Präsident Hassan Rouhani bei einer Kabinettssitzung zu Wort. Die "globale Arroganz" sei - mit Israel "als Söldner" - für den Tod des Kernphysikers Mohsen Fachrisadeh verantwortlich. Mit globaler Arroganz sind die USA gemeint.

Das Attentat zeige die Verzweiflung der Feinde des Iran und die Tiefe ihres Hasses. "Erneut sorgten der Imperialismus und sein zionistischer Söldner für ein Blutvergießen und den Tod eines iranischen Wissenschaftlers", sagte Rouhani im Staatsfernsehen. Dieser "Terroranschlag" beweise lediglich die Angst der Feinde Teherans vor dem technologischen Fortschritt der Islamischen Republik. Der Mord werde das Land jedoch nicht davon abhalten, den Weg Fachrisadehs noch konsequenter fortzusetzen, sagte der Präsident. "Sein Martyrium wird unsere Erfolge nicht verlangsamen."

Atomprogramm soll fortgesetzt werden

Auch nach Worten des iranischen Atomchefs wird das Attentat den Fortschritt des Atomprogramms im Land weder aufhalten noch beeinträchtigen. "Der Weg Fachrisadehs wird jetzt erst recht noch intensiver fortgesetzt", sagte Ali-Akbar Salehi. Ähnlich äußerte sich auch Kommunikationsminister Mohamed Dschawad Asari Dschahromi. "Für die eine herausgerissene Blume werden Tausende nachwachsen", twitterte der Minister.

Sorge vor Eskalation nach Anschlag auf iranischen Atomphysiker
tagesschau 20:00 Uhr, 28.11.2020, Katharina Willinger, ARD Istanbul

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Im Auto angeschossen, im Krankenhaus gestorben

Der Atomwissenschaftler Fachrisadeh war staatlichen iranischen Medien zufolge am Freitag nach einem Attentat nahe der Hauptstadt Teheran seinen Verletzungen erlegen. Laut Verteidigungsminister Amir Hatami war Fachrisadeh mit seinen Bodyguards auf dem Weg von der Kleinstadt Absard nach Teheran. "Zuerst wurde auf sein Auto geschossen, und nach etwa 10 bis 15 Sekunden ist ein Nissan mit Sprengstoff etwa 15 bis 20 Meter von seinem Auto entfernt explodiert", so Hatami über den Tathergang. Fernsehsender zeigten Bilder einer dunklen Limousine mit zerschossener Windschutzscheibe, Trümmerteile und Blut auf der Straße.

Fachrisadeh gilt als Vater des iranischen Atomprogramms, das offiziell Anfang der 2000er-Jahre eingestellt wurde. Die USA und Israel gehen aber davon aus, dass der Iran das Programm fortzusetzen versucht. Zuletzt leitete Fachrisadeh die Abteilung für Forschung und technologische Erneuerung im Verteidigungsministerium. Chamenei bezeichnet ihn in einem Tweet als einen der bedeutendsten Wissenschaftler des Landes im Nuklear- und Verteidigungssektor.

Verdacht gegen Israel

Bekannt hat sich zu dem Angriff auf den Wissenschaftler bisher niemand. Der iranische Geheimdienst und die Revolutionsgarden (IRGC) nahmen die Ermittlungen auf.

Der iranische Verdacht gegen Israel wird geschürt durch eine Aussage des israelischen Präsidenten Benjamin Netanyahu. 2018 hatte er sich im Fernsehen ausführlich über die Rolle Fachrisadeh ausgelassen und gemahnt: "Merken Sie sich den Namen Mohsen Fachrisadeh."

Laut einem Bericht der "New York Times" haben offenbar ein US-Beamter und zwei weitere Geheimdienstmitarbeiter bestätigt, dass Israel hinter dem Angriff stehe. Sie nannten demnach keine weiteren Details.

Attentat könnte Gespräche über Atomprogramm gefährden

Der Tod des Wissenschaftlers könnte in den letzten Wochen der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump den Konflikt zwischen dem Iran und seinen Gegnern verschärfen. Zugleich dürfte der Vorfall Trumps designiertem Nachfolger Joe Biden die Bemühungen erschweren, die Entspannungspolitik aus der Zeit von US-Präsident Barack Obama wiederzubeleben.

Alireza Yavari von der Universität Teheran sagte im Sender Al Jazeera: "Einige Länder in der Region könnten den Iran zu einer militärischen Konfrontation drängen. Das könnte die Spannungen weiter verschärfen, so dass der Iran und die USA keine gemeinsame Basis finden. Die Antwort des Iran hängt davon ab, wer hinter dem Mord steckt. Wenn sich herausstellt, dass es ein ausländischer Geheimdienst war, dann verkompliziert das die Lage. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass es dann eine adäquate militärische Antwort geben wird."

Aufruf des deutschen Außenministers

UN-Generalsekretär António Guterres mahnte im Zusammenhang mit dem Attentat Zurückhaltung an. Man habe Berichte über den Vorfall zur Kenntnis genommen, teilte ein UN-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa mit. "Wir fordern Zurückhaltung und sehen es als notwendig an, dass Maßnahmen vermieden werden, die zu einer Eskalation der Spannungen in der Region führen könnten."

Deutschlands Außenminister Heiko Maas rief in den Zeitungen der Funke Mediengruppe alle Beteiligten auf, Ruhe zu bewahren. Zwar habe die Bundesrepublik noch keine eigenen Erkenntnisse zu dem Vorfall, klar sei aber, "dass die Tötung von Mohsen Fachrisadeh die Lage in der Region erneut zuspitzt - in einer Zeit, in der wir gerade eine solche Eskalation überhaupt nicht gebrauchen können".

Mit Informationen von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. November 2020 um 09:00 Uhr.

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