Indonesische Rettungskräfte stehen vor einem zerstörten Haus. | Bildquelle: dpa

Indonesien "Ich habe Angst vor einem neuen Tsunami"

Stand: 27.12.2018 17:05 Uhr

Indonesien rechnet damit, dass der Vulkan Anak Krakatau erneut ausbricht. Ob es dann erneut zu einem Tsunami kommt, weiß keiner. Das Land trifft Vorkehrungen.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Sintflutartiger Regen prasselt auf die Trümmer der zerstörten Häuser und Strandbuden. Umgestürzte Palmen, Treibholz, bunte Plastikstühle, Fischerboote und Autos stecken in Mauern - ein bizarres Stilleben. Am Samstag feierten sie hier noch ausgelassen ins lange Wochenende. Nun blicken die Helfer am Strand von Westjava sorgenvoll auf das bewegte Meer.

Keine 50 Kilometer vor der Küste liegt der Anak Krakatau. Der Vulkan selbst ist nicht zu sehen - wohl aber die gigantische weiße Aschewolke, die er in den Himmel spuckt. Glut und Lava regnen ins Meer. In einem fünf Kilometer weiten Radius um den Vulkan dürfen keine Flugzeuge mehr fliegen, die zweithöchste Alarmstufe wurde ausgerufen, Küstenregionen gesperrt.

Professorin Dwikorita Karnavati vom indonesischen meteorologischen Dienst bemüht sich trotzdem um Gelassenheit. Sie habe mehrfach darauf hingewiesen, die Strände in einem Radius von bis zu einem Kilometer zum Meer zu meiden. "Aber bitte", sagt sie. "Bloß keine Panik, das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme."

Sorge vor weiterem Vulkanausbruch: Indonesien ruft zweithöchste Alarmstufe aus
tagesschau 17:00 Uhr, 27.12.2018, Michael Storfner, ARD Peking

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Angst vor erneutem Ausbruch

Bricht der Vulkan demnächst wieder aus? Oder grummelt er noch Monate vor sich hin, ohne dass etwas passiert? Niemand weiß es. Die Eruption selbst ist auch nicht das Problem, sondern die Instabilität des Kraters. Nicht der Vulkanausbruch selbst hat den Tsunami ausgelöst - der geschah bereits vergangenen Freitag - sondern das Abrutschen Tausender Tonnen Stein und Geröll ins Meer am folgenden Tag.

Anak Krakatau ("Kind des Krakatau") ist der letzte Vulkan einer ganzen Bergkette, die einst die Meerenge von Sunda beherrschte. Bis die Insel Krakatau 1883 bei einem Ausbruch explodierte und im Ozean versank. Ähnliches, so fürchten Vulkanologen, könne auch dem Anak Krakatau widerfahren.

Anak Krakatau | Bildquelle: AFP
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Anak Krakatau ist der letzte Vulkan einer ganzen Bergkette.

22.000 Obdachlose

22.000 Menschen leben derzeit in Notunterkünften, Turnhallen zumeist. Sie sind obdachlos geworden, weil die Flutwelle ihre Häuser zerstört hat. Aber viele Menschen wurden auch aus den Küstenregionen in höher gelegene Gebiete in Sicherheit gebracht.

"Ich habe wirklich Angst vor einem neuen Tsunami", sagt eine Frau. "Deshalb habe ich Zuflucht in einem höher gelegenen Gebiet gesucht. Ich habe jedesmal Angst, wenn es stark regnet und das Wasser steigt. Aus dem Grund bin ich mit meinen Nachbarn hier in die Notunterkunft gegangen."

Leben auf dem Feuerring

Weil die existierenden Tsunami-Warnbojen nur Seebeben registrieren, aber keine Vulkanausbrüche, kündigte Indonesiens Regierung schon für das kommende Jahr den Bau eines neuen Frühwarnsystems an. Es geschieht sehr selten, das Tsunamis  durch Vulkanausbrüche ausgelöst werden, aber in einem Land mit 127 aktiven Vulkanen muss man letztlich mit allem rechnen.

Auf dem südpazifischen Feuerrring, wo die indische sich unter die eurasische Erdplatte schiebt, kommt es immer wieder zu gigantischen Spannungen. Allein in diesem Jahr starben in dem Staat mit seinen 18.000 Inseln Tausende Menschen bei Naturkatastrophen - bei den Erdbeben auf Lombok, dem Tsunami in Sulawesi.

Wie nützlich ist das Frühwarnsystem?

Könnte ein Frühwarnsystem da wirklich Abhilfe schaffen? Der Ozeanologe Simon Boxall ist skeptisch. "Sie würden Tausende Messbojen brauchen, die schwer zu warten und teuer sind", erklärt er. "Und es ist nicht nur eine Frage der Kosten, sondern auch des Netzwerks. Aber selbst, wenn sie jeden Tsunami zuverlässig voraussagen könnten, bleibt meistens zu wenig Zeit. Wenn es ein Erdbeben gibt, dann können sie sagen: Das führt vermutlich zu einem Tsunami. Aber da war kein Erdbeben diesmal. Die Welle kam rasend schnell im flachen Wasser, da konnte niemand etwas tun."

Auf Java und Sumatra werden noch immer werden mehr als 100 Menschen vermisst, allerdings besteht kaum noch Hoffnung, fünf Tage nach dem Tsunami Überlebende in den Trümmern zu finden. Die Zahl der Todesopfer könnte am Ende auf über 600 steigen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Dezember 2018 um 12:00 Uhr.

Korrespondent

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Holger Senzel, NDR

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