Eine Frau zeigt in Ghaziabad in Nord-Indien ihren mit Tinte verfärbten Zeigefinger, nachdem sie ihre Stimme an einem Wahllokal abgegeben hat. | Bildquelle: dpa

Indien Parlamentswahl der Superlative

Stand: 11.04.2019 12:29 Uhr

900 Millionen Menschen können ab heute in Indien ein neues Parlament wählen. Eine logistische Leistung in der größten Demokratie der Welt - und die Vorbereitungen trieben manch skurrile Blüte.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Eine Gruppe von Menschen wartet in Ghaziabad in Indien darauf, ihre Stimme für die Parlamentswahl in einem Wahllokal abzugeben. | Bildquelle: dpa
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Lange Schlangen vor dem Wahllokal: In Indien wählen 900 Millionen Menschen ein neues Parlament.

Seit heute sind die Wahllokale für 900 Millionen Menschen in Indien geöffnet. Die größte Wahl der Welt erstreckt sich über mehrere Wochen. Gewählt wird in sieben Phasen in jeweils unterschiedlichen Bundesstaaten bis zum 19. Mai.

Für die Parteien und ihre Kandidaten ist es keine leichte Aufgabe, sich bei dem Volk mit ihren Themen durchzusetzen.

Hubschrauber und Elefanten transportieren Wahlmaschinen

Von der Wüste im Westen geht es fast 3000 Kilometer hinein in die Regenwälder des Ostens. Tausende Meter hohe Berge liegen im Norden von Indien, 3200 Kilometer erstreckt sich das Land bis in den Süden, zu Traumstränden und Inseln. Die elektronischen Wahlmaschinen gelangten auf Hubschraubern, mit Booten oder auf dem Rücken von Elefanten und Kamelen zu den indischen Wählern.

Elf Millionen Freiwillige machen die Wahlen möglich. Und manchmal müssen sie skurrile Jobs dabei erledigen: zum Beispiel die Wähler vor Tigern schützen oder vor wilden Honigbienen.

Schwierige Organisation

Seit Wochen ist das Land im Wahlfieber, die Organisation der Abstimmungen ist eine Mammut-Aufgabe. Viele der Kandidaten standen bis kurz vor der Wahl noch nicht einmal fest, sie können noch in allerletzter Sekunde aufgestellt werden. Bei den vergangenen Wahlen standen mehr als 8000 Menschen auf den Wählerlisten.

Rund 1700 Parteien sind bei dieser Wahl in den 29 Bundesstaaten vertreten, aber zwei große Parteien stehen national im Vordergrund: Die hindu-nationalistische Partei BJP, die gerade an der Macht ist und die sozialdemokratische Partei Congress, die jahrzehntelang das Land regiert hat und wieder an die Macht kommen will. Die Kandidaten müssen laut trommeln, um 900 Millionen Inder zu überzeugen.

Wahlhelfer in Indien überprüfen einen Wahlcomputer, bevor er in einem Wahllokal eingesetzt wird. | Bildquelle: dpa
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Wahlhelfer in Indien überprüfen einen Wahlcomputer, bevor er in einem Wahllokal eingesetzt wird.

Versprechen vor dem Urnengang

Rahul Gandhi, der Chef der Congress-Partei, versucht vor allem die arme Bevölkerung auf seine Seite zu bringen: „Bekommen Sie jetzt bitte keinen Schock, bei dem, was Sie jetzt hören“, sagt er auf einer seiner Wahlveranstaltungen, "20 Prozent der ärmsten Familien im Land werden von unserer Partei umgerechnet rund 900 Euro im Jahr bekommen, direkt auf ihre Bankkonten." Eine Art bedingungsloses Grundeinkommen für rund 250 Millionen Menschen im Land verspricht seine Partei.

Die größten demokratischen Wahlen der Welt: Indien wählt sein neues Parlament
tagesschau 12:00 Uhr , 11.04.2019, Peter Gerhardt, ARD Neu-Delhi

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Parlamentswahl in Indien

Die Wahl zum indischen Parlament hat heute begonnen und dauert voraussichtlich bis zum 19. Mai. Rund 900 Millionen Wahlberechtigte sind aufgerufen, in etwa einer Million Wahllokale ihre Stimmen für ein neues Parlament abzugeben. Damit es überall auch genug Sicherheitskräfte und Wahlhelfer gibt, wird in sieben Phasen gewählt. Ausgezählt werden sollen die Stimmen am 23. Mai.

Auch der amtierende Premierminister Narendra Modi, der wiedergewählt werden will, hat den vielen armen Bauern im Land Subventionen versprochen. Aber er versucht mit einem anderen Thema zu punkten: "Alle Inder sollen den zukünftigen Herausforderungen mit Selbstbewusstsein gegenübertreten und sich sicher fühlen können, das ist unser Ziel. Ich hatte den Mut, zu Land, in der Luft und im Weltall militärisch zuzuschlagen. Ich werde über euch wachen."

Wachmann gegen Wohltäter

Der Wachmann gegen den Wohltäter, so lässt sich der Wahlkampf bis zum Wahltag hin wohl zuspitzen. Damit die Aussage auch bei jedem Einzelnen ankam, nutzten die Parteien jede Menge Tricks: Die Wahlkommission hat mitgeteilt, dass sie allein innerhalb von zwei Wochen Wahlgeschenke im Wert von fast 70 Millionen Euro sicher gestellt hätten. Darunter Bargeld, Gold, Fernsehgeräte, Laptops, Alkohol und sogar auch Drogen. In der vermeintlich größten Demokratie der Welt scheinen viele Mittel recht, um die Inder an die Wahlurnen zu bringen.

Die größten Wahlen der Welt stehen in Indien an
Silke Diettrisch, ARD Neu-Delhi
11.04.2019 08:23 Uhr

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