Menschen protestieren gegen Gewalt gegen Frauen in Indien.  | Bildquelle: AFP

Nach brutaler Vergewaltigung in Indien "Die haben ihr das Rückgrat gebrochen"

Stand: 01.10.2020 08:38 Uhr

Die brutale Vergewaltigung einer jungen Frau aus der untersten Kaste versetzt Indien in Aufruhr. Die 19-Jährige starb an ihren Verletzungen. Jetzt versucht die Polizei, die Proteste auf den Straßen zu unterbinden.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Selbst aus dem Polizeibus schreien die Demonstrantinnen noch ihre Wut heraus: "Wir sollten kämpfen für die Frauen in unserem Land und wir werden gewinnen" steht auf ihren Plakaten. Die indischen Nachrichtensender zeigen Proteste aus sämtlichen Regionen von Indien.

"Im gesamten Land gibt es eine Welle der Empörung", sagt Chandrasekat Azad. "Die Familie des Opfers ist nicht allein, wir sind alle mit ihr zusammen." Azad ist der Chef einer Organisation, die die Rechte der untersten Kaste in Indien vertritt. Der sogenannten Dalits, die früher die "Unberührbaren" genannt wurden, weil sie die Drecksarbeit erledigen, wie Latrinen säubern oder Müll sammeln.

Protestierende halten ein Schild mit der Aufschrift "Dalit Lives Matter" - "Dalit-Leben zählen". | Bildquelle: REUTERS
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Protestierende halten ein Schild mit der Aufschrift "Dalit-Leben zählen".

Diskriminierung der untersten Kasten

Das Vergewaltigungsopfer ist eine Dalit. Die 19-Jährige stammt aus einem Dorf aus dem Bundesstaat Uttar Pradesh. Bis heute werden Menschen aus den unteren Kasten dort brutal behandelt. Sie dürfen die Häuser der Menschen aus den oberen Kasten nicht betreten oder nicht die gleichen Brunnen benutzen. Einige Angehörige der höheren Kasten nehmen sich heraus, die vermeintlich "Unberührbaren" zu verprügeln oder zu vergewaltigen.

Der Bruder des Opfers erzählt im indischen Fernsehen, dass mehrere Männer aus einer höheren Kaste seiner Schwester aufgelauert hätten. Er sei zur Polizei gerannt, die habe nichts unternommen. Später habe seine Mutter seine Schwester gefunden - röchelnd in einer Blutlache:

"Sie konnte kaum atmen, der Nacken war verdreht, sie konnte weder ihre Hände noch ihre Beine bewegen. Ihre Zunge war zerschnitten, sie konnte kaum reden. Die haben ihr das Rückgrat gebrochen."

Zwei Wochen kämpfte die junge Frau noch um ihr Leben, nun ist sie gestorben.

Vorwürfe gegen die Polizei

Die Polizei hat ihren Leichnam gleich darauf verbrannt, die Aufnahmen davon liefen den ganzen Tag in den indischen Nachrichtensendern. Userinnen und User in den sozialen Netzwerken werfen der Polizei vor, das Opfer zu früh bestattet zu haben.

Die Familie habe nicht dabei sein dürfen, sagt der Bruder des Opfers: "Sie haben sie ohne uns bestattet. Wir haben Angst vor der Polizei. Mitten in der Nacht haben sie sie verbrannt. Wir wollten sie doch am Morgen würdig mit unseren Familienangehörigen verabschieden."

Die Polizei weist die Vorwürfe von sich. Aber wackelige Handyvideos machen in den indischen Medien die Runde, auf denen die Polizisten mitten in der Nacht um den Scheiterhaufen stehen.

"Die Realität in Indien übertrifft die dunkelsten Szenarien eines Horrorfilms", schreibt ein User auf Twitter. Allein laut offiziellen Zahlen der Regierung wird in Indien alle 15 Minuten eine Frau vergewaltigt.

"Indiens Schande" - Proteste in Indien nach brutaler Vergewaltigung
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
01.10.2020 08:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete mdr aktuell am 01. Oktober 2020 um 11:25 Uhr.

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