Menschen retten sich im indischen Bundesstaat Kerala aus dem Wasser | Bildquelle: REUTERS

Überschwemmungen in Indien Wasser treibt Hunderttausende in die Flucht

Stand: 19.08.2018 14:57 Uhr

Nach den schweren Überschwemmungen in Südindien sind fast eine Million Menschen auf der Flucht. Andere harren auf ihren Dächern aus, viele sind ganz von der Außenwelt abgeschnitten. 350 Menschen starben.

Schwere Überflutungen durch den Monsun haben im indischen Bundesstaat Kerala mittlerweile mindestens 800.000 Menschen in die Flucht getrieben. Das Hochwasser sei das schlimmste seit einem Jahrhundert, teilten die Behörden mit. Rund 100.000 Menschen sind durch die Wassermassen von der Außenwelt abgeschnitten. Helfer versuchen, ihnen auf dem Luftweg Trinkwasser, Essen und Medikamente zu bringen.

Insgesamt sind in diesem Jahr laut offiziellen Angaben 350 Menschen in dem Bundesstaat durch Überschwemmungen ums Leben gekommen. Die meisten ertranken oder starben bei Erdrutschen.

In den am schlimmsten betroffenen Gebieten fehlt es vor allem an Trinkwasser. Züge mit rund 1,5 Millionen Litern Wasser seien unterwegs ins Katastrophengebiet, teilte die Eisenbahn via Twitter mit. Tausende Retter versuchen laut Katastrophenschutz mit Hunderten Booten und knapp zwei Dutzend Hubschraubern, durch das Wasser abgeschnittene Personen zu erreichen. Zwar hat sich das Wetter gebessert. Meteorologen sagten für Montagmorgen allerdings neuen Regen voraus.

Zwei Menschen werden von Einsatzkräften gerettet | Bildquelle: REUTERS
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Per Helikopter retten Einsatzkräfte Menschen aus den überfluteten Gebieten.

Häuser und Brücken eingestürzt

Die Herausforderung für die Helfer ist gewaltig: Zwischen 800.000 und einer Million Menschen seien in Notunterkünften untergebracht, sagte der Landwirtschaftsminister von Kerala, Sunil Kumar. Viele warteten noch auf Dächern auf Hilfe. Kinder, kranke und ältere Menschen würden per Flugzeug in Sicherheit gebracht.

Bereits seit dem 8. August kämpfen die Menschen in Kerala gegen die Wassermassen. In der auch bei Touristen beliebten Region sind mehr als 40 Flüsse über die Ufer getreten und 80 Dämme gebrochen. Die Regenfälle haben nicht nur weite Landstriche überflutet, sondern auch Erdrutsche ausgelöst, die Häuser und Brücken zum Einsturz brachten. Vielerorts gibt es keine Telefonverbindungen und keinen Strom mehr, es besteht Seuchengefahr. Es sei schwierig, Kontakt in abgelegene Gebiete zu bekommen, berichtete der Krisenstab.

Regenfälle in diesem Jahr ungewöhnlich stark

Papst Franziskus betete am Sonntag auf dem Petersplatz für die Opfer: "Möge es diesen Brüdern nicht an unserer Solidarität und an konkreter Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft fehlen. Lasst uns gemeinsam für diejenigen beten, die ihr Leben verloren haben und für all die Menschen, die von diesem großen Unglück betroffen sind."

Indiens Regierungschef Narendra Modi versprach, Nothilfe zu schicken. In vielen Städten und Dörfern stieg das Wasser so hoch, dass zweigeschossige Gebäude überflutet wurden.

Die Monsun-Saison dauert in Indien von Juni bis September. Heftige Regenfälle sind zwar normal für diese Zeit, doch in diesem Jahr fallen sie außergewöhnlich stark aus.

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