Silhouette der "Statue der Einheit" | Bildquelle: AP

Patel-Monument in Indien 182 Meter hoch und sehr umstritten

Stand: 31.10.2018 13:21 Uhr

Doppelt so hoch wie die Freiheitsstatue: In Indien ist die höchste Statue der Welt eingeweiht worden, die an den Politiker Sardar Patel erinnert. Vor allem Hindu-Nationalisten jubeln darüber.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

182 Meter hoch ist die Statue der Einheit - damit ist das neue Monument im indischen Bundesstaat Gujarat die höchste Statue der Welt. Noch vor dem Spring Temple Buddha in China und doppelt so hoch wie die Freiheitsstatue in New York.

Die Statue ist Sardar Vallabhbahai Patel gewidmet, der in Indien als Nationalheld verehrt wird, wie kaum ein anderer - möglicherweise noch wie Mahatma Gandhi und die frühere Premierministerin Indira Gandhi.

Der "Iron Man of India", wie Patel wegen seiner knallharten Verhandlungsqualitäten bis heute genannt wird, war während der Unabhängigkeitsverhandlungen vor mehr als 70 Jahren Mitglied der indischen Interimsregierung. Als Stellvertreter Nerus und enger Vertrauter Mahatma Gandhis verhandelte er mit den verschiedenen indischen Königreichen, um den Zerfall des jungen, unabhängigen Indien zu verhindern.

Einweihung der "Statue der Einheit" | Bildquelle: REUTERS
galerie

Die 182 Meter hohe Figur ist fast doppelt so groß wie die Freiheitsstatue.

"Kein geeintes Indien ohne Patel"

Premierminister Narendra Modi von der national-hinduistischen Partei BJP sagte im Fernsehen: "Gandhi hatte Patel damit beauftragt, die Probleme mit den Königreichen zu lösen, denn nur er sei dazu imstande gewesen. Patel erfüllte diese 'Mission impossible' und fand eine Lösung für jedes Problem. Er hat die Königreiche Indiens vereinigt. Ohne ihn hätten wir heute kein geeintes Indien."

Die indischen Nationalisten haben Patel zu ihrer Ikone gemacht. Seine Bedeutung für Indien ist ihrer Ansicht nach bislang nie ausreichend gewürdigt worden. Im langsam beginnenden Vorlauf für die Parlamentswahl im kommenden Jahr, soll die Statue der nationalistischen Hindu-Partei von Modi weiteren Aufwind geben und den Nationalstolz der Inder stärken.

"Ich bin zuversichtlich, dass die Inder auf dieses Monument stolz sein werden. Keine Frage, dass aus allen Ecken des Landes die Leute kommen werden, um die Statue der Einheit zu sehen. Das wird eines der beliebtesten Reiseziele für Touristen werden", zeigte sich der Premierminister überzeugt.

Indiens Premierminister Modi mit der "Statue der Einheit" im Hintergrund | Bildquelle: AFP
galerie

Premierminister Modi ist ein erklärter Anhänger Patels.

Große Statue, großes Budget

Doch längst nicht alle Inder sind so glücklich über das gigantische Projekt, das umgerechnet mehr als 430 Millionen US-Dollar gekostet hat. Mehr als die Hälfte davon habe der Bundesstaat Gujarat selbst getragen, heißt es. Dieses Geld hätte nach Ansicht vieler Kritiker besser genutzt werden können - etwa für finanzielle Hilfen für Bauern.

Bis zuletzt war an der Statue gearbeitet worden, damit sie pünktlich zum Geburtstag Patels fertig wird. Er wäre am 31. Oktober 143 Jahre alt geworden. P. C. Vyas, einer der Chefingenieure des Projekts, an dem mehr als fünf Jahre gebaut wurde: "Wir haben rekordverdächtige 140.000 Kubikmeter Beton in dieser Statue verbaut. Die größte Herausforderung war die Höhe, denn normalerweise bauen die Ingenieure Straßen, Brücken und Staudämme. Aber das war eine ganz neue Erfahrung."

Die Hindu-Nationalisten jubeln

Im Bundesstaat Gujarat hatte Modis Regierungspartei BJP bei den Regionalwahlen im vergangenen Jahr zwar ihre Mehrheit verteidigt, aber deutlich Stimmen verloren. Der Regierungschef von Gujarat, Vijay Rupani, versucht aus dem Medienhype um die weltgrößte Statue auch politisches Kapital zu schlagen.

Im indischen Fernsehen sagte er: "Diese Statue ist nicht nur die größte der Welt. Alles was hier gebaut wurde, ist Weltklasse. Es gibt ein Museum im Untergeschoss, in dem Patels Leben dargestellt wird. Und es wird einen anschaulichen Überblick über den Bau der Statue geben, vom ersten Spatenstich bis zur Fertigstellung." Die Menschen würden sich noch Jahrhunderte von der Patel-Statue inspirieren lassen, ist er überzeugt.

Zweifel an der Faktentreue

Ob sich die BJP bei der Verehrung Patels immer an die historischen Fakten hält, wird mitunter bezweifelt. Mit Patel an der Spitze Indiens - anstelle Nerus - wäre Kaschmir heute ein unanfechtbarer Teil des Staates, behauptete Modi immer wieder.

Historiker vermuten, dass die Statue für Patel, den von Modi und den Hindu-Nationalisten verachteten Neru in den Hintergrund drängen soll, weil dessen Vision eines säkularen Indiens, den heute wieder erstarkten Vorstellungen eines Hindu-Nationalstaates entgegensteht.

Doppelt so hoch wie die Freiheitsstatue: Höchste Statue der Welt in Indien eingeweiht
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
31.10.2018 12:21 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Oktober 2018 um 12:00 Uhr.

Darstellung: