Hozan Cane  | Bildquelle: dpa

Nach mehr als zwei Jahren Kölner Sängerin aus türkischer Haft entlassen

Stand: 01.10.2020 07:17 Uhr

Im August war ihre Freilassung noch abgelehnt worden - nun kommt die Kölner Sängerin Hozan Cane überraschend frei. Zwei Jahre saß sie wegen Terrorvorwürfen in einem türkischen Gefängnis. Sie war kurz vor den Wahlen festgenommen worden.

Nach mehr als zwei Jahren Haft in der Türkei ist die Kölner Sängerin mit dem Künstlernamen Hozan Cane nach Angaben ihrer Anwältin freigelassen worden. Ihre Mandantin habe das Gefängnis im Istanbuler Stadtteil Bakirköy in der Nacht verlassen, sagte Newroz Akalan der Nachrichtenagentur dpa. Ein Gericht habe zuvor dem Einspruch der Verteidigung, dass die lange Haftzeit unverhältnismäßig sei, stattgegeben und die Freilassung Canes angeordnet. Es sei allerdings eine Ausreisesperre verhängt worden, sagte Akalan.

Festnahme kurz vor den Wahlen

Die Sängerin war kurz vor den Präsidenten- und Parlamentswahlen im Juni 2018 in Edirne festgenommen worden. Im November desselben Jahres wurde sie zu sechs Jahren und drei Monaten Haft wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation verurteilt. Im August wurde das Verfahren neu aufgerollt, nachdem das höchste Berufungsgericht das Urteil nicht bestätigt hatte. Es gebe keine klaren Beweise für die unterstellte Mitgliedschaft in der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, hieß es zur Begründung.

Anklage stützte sich auf Facebookposts

Die Anklage hatte sich unter anderem auf Inhalte von Facebook- und Twitter-Profilen gestützt. In der Anklageschriftwurde ihr etwa vorgeworfen, Fotos geteilt zu haben, auf denen der inhaftierte PKK-Chef Abdullah Öcalan zu sehen ist. Auf weiteren Fotos sei auch eine Veranstaltung in Köln zu sehen, auf der PKK-Fahnen und Öcalan-Poster geschwenkt würden. Ähnliche Aufnahmen stammten von den Konzerten der Sängerin, so der Vorwurf. Cane gab beim Verhör jedoch an, dass die zwei in der Anklageschrift angeführten Facebook-Profile nicht ihre seien.

Der Fall hatte die deutsch-türkischen Beziehungen belastet. Der menschenrechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Frank Schwabe, der das Verfahren gegen Cane beobachtet, sagte der dpa: "Hozan Cane war zu Unrecht im Gefängnis. Sie ist eine Sängerin, die sich mit ihrer Kunst politisch engagiert hat. Das ist aber kein Verbrechen."

Freilassung zunächst abgelehnt

Im August hatte das Gericht im westtürkischen Edirne die Freilassung der Sängerin noch abgelehnt, unter anderem mit der Begründung, dass Fluchtgefahr bestehe und es noch eine medizinische Untersuchung zum Gesundheitszustand Canes abwarten wolle. Die Sängerin hatte angegeben, dass sie unter schwerem Asthma und Bluthochdruck leide und sich ihr gesundheitlicher Zustand in der Haft verschlechtert habe.

Auch Canes Tochter angeklagt

Cane hat kurdische Wurzeln und besitzt ausschließlich die deutsche Staatsbürgerschaft. Ihr Prozess wird am 20. Oktober fortgesetzt. Der Prozess gegen Canes Tochter Gönül Örs, die in der Türkei wegen Terrorpropaganda für die PKK angeklagt ist, geht heute in Istanbul weiter. Hintergrund der Anklage gegen Örs war eine Protestaktion im Jahr 2012 auf einem Schiff in Köln.

In Deutschland wurde nach Angaben ihrer Anwältin eine Ermittlung gegen Örs in diesem Fall eingestellt. Im Juni war ein Hausarrest gegen Örs aufgehoben worden, sie darf das Land jedoch nicht verlassen. SPD-Politiker Schwabe sagte weiter, er erwarte nun, dass die Ausreisesperre gegen Örs aufgehoben werde und auch Cane nach der Fortsetzung ihres Prozesses in wenigen Wochen das Land verlassen könne.

Kölnerin Hozan Cane überraschend aus türkischem Gefängnis freigekommen
Christian Buttkereit, ARD Istanbul
01.10.2020 08:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Oktober 2020 um 09:00 Uhr.

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