Demonstration für die Polizei in Hongkong | Bildquelle: JEROME FAVRE/EPA-EFE/REX

Jahrestag in Hongkong Demos für und gegen den Einfluss Chinas

Stand: 30.06.2019 18:50 Uhr

Am Montag jährt sich die Übergabe Hongkongs an China zum 22. Mal. Dann werden wieder große Proteste gegen die Regierung und den Einfluss Pekings erwartet. Am Vortag gab es hingegen eine Peking-freundliche Demo.

Von Markus Pfalzgraf, ARD-Studio Shanghai, zurzeit in Hongkong

Viele in Hongkong hat das überrascht: Am Wochenende gab es die größte Demonstration für die Polizei in der jüngeren Geschichte. Die Organisatoren sprachen von mehr als 100.000 Teilnehmern, die Polizei selbst schätzte die Zahl auf rund 50.000. Viele hatten chinesische Fähnchen dabei und Schilder, mit denen sie ihre Unterstützung für die Polizeikräfte ausdrückten. Sie demonstrierten im Regierungsviertel für Stabilität, Sicherheit und Ordnung.

Einzelne rissen allerdings Plakate und Schilder einer Mahnwache ab. Dort gedachten Hunderte vor allem junge Leute einer 21-jährigen Studentin. Sie kam am Wochenende ums Leben, als sie von einem Wohnhochhaus stürzte, wo sie Botschaften gegen die Regierungspolitik in Hongkong hinterlassen hatte. Bis zum Abend gab es stille Trauer, aber auch Handgemenge mit Störern, die dem Peking-freundlichen Lager zugerechnet werden.

Viele sehen Sonderrechte in Gefahr

Am Montag wird es wohl wieder große Massenproteste gegen die Regierung, die Polizei und den Einfluss Pekings in Hongkong geben. Am 1. Juli 1997 hatte die frühere Kolonialmacht Großbritannien die Stadt an China übergeben.

Seitdem ist Hongkong eine Sonderverwaltungszone mit Freiheitsrechten, die nirgends sonst in China gelten. Genau diese Rechte sehen viele Oppositionelle in Gefahr.

Blumen zum Gedenken an die verunglückte Studentin | Bildquelle: RITCHIE B TONGO/EPA-EFE/REX
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Zum Gedenken an die verunglückte Studentin legten viele Menschen Blumen nieder.

Umstrittenes Gesetz ausgesetzt, aber nicht zurückgenommen

Offizielle Veranstaltungen - wie eine Flaggen-Zeremonie - gibt es sowieso. Und auch ein Marsch für die Demokratie ist am 1. Juli Tradition in Hongkong. Doch diesmal dürften am Montag wieder Hunderttausende auf die Straße gehen - gegen die stark kritisierte Regierungschefin, gegen das Auftreten der Polizei, und gegen das Auslieferungsgesetz, das die Regierung zwar ausgesetzt, aber immer noch nicht ganz zurückgenommen hat.

Viele Menschen in Hongkong befürchten, dass mit dem Gesetz auch politisch Verfolgte an Behörden in Festland-China überstellt werden könnten. Darin sehen sie die Gefahr, die Zentralregierung in Peking könnte auch insgesamt in der Sonderverwaltungszone härter durchgreifen.

Erste Proteste in Hongkong beim Jahrestag der Übergabe Hongkongs an China
Markus Pfalzgraf, ARD Shanghai
30.06.2019 17:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Juni 2019 um 18:33 Uhr.

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