Ein junger Mann erfrischt sich an einem Brunnen in Rom | dpa

Rom leidet unter der Hitze Wenn selbst der Pizzaofen kühler wirkt

Stand: 12.08.2021 18:47 Uhr

Italien stöhnt unter den Temperaturen. Ein Pizzabäcker in Rom hält seinen Ofen fast für kühler als das Wetter draußen. Und in den kommenden Tagen könnte es noch heißer werden.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Am Morgen ist es noch kühl in Rom - was man eben "kühl" nennt in diesen Tagen, in denen in der italienischen Hauptstadt die höchste Hitzewarnstufe gilt. Kurz nach 9 Uhr ist die Temperatur bereits auf über 30 Grad geklettert.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Alina Glaser aus dem schleswig-holsteinischen Kayhude steht mit ihrem Ehemann und kleinem Sohn im Schatten vor der Spanischen Treppe und wischt sich den Schweiß von der Stirn. "Es macht einem zu schaffen", sagt sie. "Man muss immer trinken, wir haben immer was dabei. Für den Kleinen haben wir einen nassen Lappen, damit er sich nicht überhitzt." Es sei schon anders als in Deutschland.

Alina Glaser steht mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn vor der Spanischen Treppe in Rom.

"Immer trinken": Alina Glaser mit Ehemann und Sohn vor der Spanischen Treppe in Rom.

In Sizilien wurden wiederholt deutlich über 40 Grad gemessen. In Rom blieben die Temperaturen zuletzt nur knapp darunter.

Tim Nacken aus der Nähe von Würzburg ist für eine kurze Besichtigungstour in der heißen Stadt, übernachtet aber vor den Toren Roms. "Wir waren gestern auf dem Campingplatz, da war es ordentlich warm. Wir sind alle zehn Minuten in den Pool, weil es anders nicht ging."

"Ich überlege schon, Regentänze zu machen"

Auch die hitzeerprobten Römer stöhnen unter der Wärme. Straßenbauarbeiter und Dachdecker haben hitzefrei.

Der 57 Jahre alte Paolo hat seine "Pizza Ricca" in der Nähe des Zentrums geöffnet. Manchmal frage er sich, sagt er mit Blick auf seinen Pizzaofen, wo der kühlere Platz sei. "Das Problem ist, dass es draußen zusätzlich hohe Luftfeuchtigkeit gibt. Daher fühlt es sich an meinem Pizzaofen fast weniger warm an. Ich überlege schon, Regentänze zu machen, in der Hoffnung, dass das die Temperaturen senkt."

Pizzabäcker Paolo steht in seinem Restaurant in Rom

Bauarbeiter und Dachdecker haben frei, Paolos Pizzeria hat geöffnet.

Hitzewelle soll sich weiter ausbreiten

Die Meteorologen machen wenig Hoffnung. Bis zum Wochenende soll sich die Hitzewelle auf ganz Italien ausbreiten. Auch für Städte im Norden gilt dann die höchste Hitzewarnstufe, selbst für das am Fuß der Dolomiten gelegene Bozen. Angesichts dieser extremen Wetterverhältnisse appelliert das Gesundheitsministerium besonders an ältere Menschen, in den heißesten Stunden des Tages nicht nach draußen zu gehen.

Die Füße in Eiswasser

Die 79-jährige Adelaide Passavanti in Rom lässt in ihrer Wohnung die Rolläden den ganzen Tag unten, damit es kühl bleibt. Raus geht es nur, wenn die Hitze nicht gesundheitsgefährdend ist. "Ich gehe um 8.30 Uhr zum Einkaufen, später ist es zu warm. Oder ich rufe meine Verkäufer auf dem Markt an, die bringen mir die Sachen vorbei." Adelaide schwört auf stilles Wasser mit Zitrone und darauf, ein paar Mal am Tag die Füße in Eiswasser zu stellen.

Adelaide Passavanti sitzt in ihrer Wohnung in Rom und lächelt in die Kamera.

Wasser mit Zitrone trinken und die Füße in Eiswasser stellen: So trotzt Adelaide Passavanti der italienischen Hitze.

Hitzerekord oder nicht?

Umstritten ist, ob in Italien ein Allzeitrekord gebrochen wurde. Ein regionaler Wetterdienst aus Sizilien meldete aus der Gegend von Syrakus 48,8 Grad Celsius. Das wäre die höchste jemals in Europa gemessene Temperatur. Die Weltwetterorganisation WMO verweist aber darauf, dass der offizielle italienische Wetterdienst - der zum Militär gehört - diese Höchstmarke nicht bestätigt. Die Prüfung des möglichen Rekords könne Monate dauern.

Wetter erschwert Kampf gegen Waldbrände

Auch in den kommenden Tagen könnte Italien in die Nähe von Höchstwerten kommen. Die Wetterlage erschwert auch die Bekämpfung von Feuern. Auf Sizilien sind zwar die Waldbrände um Palermo weitgehend unter Kontrolle. Sorgen bereitet aber die Situation in Kalabrien. Zwei Menschen starben dort, darunter ein Landwirt, der seine Tiere retten wollte.