Menschen in Calgary warten an einem Rettungswagen  | dpa

Hohe Temperaturen im Nordwesten Hunderte Hitzetote in Kanada

Stand: 01.07.2021 15:22 Uhr

Kanadas Nordwesten leidet unter der Rekordhitze. Hunderte Menschen sind im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen gestorben. Hinzu kommen Brände, die sich angesichts der Dürre schnell ausbreiten - auch in den USA.

Lebensfeindliche Temperaturen von nahezu 50 Grad Celsius in einer Region, die dafür kaum gerüstet ist: Im Westen Kanadas und in Teilen der USA leiden die Menschen seit Tagen unter einer enormen Hitzewelle. Allein in der Provinz British Columbia starben seit Freitag vergangener Woche 486 Menschen eines "plötzlichen Todes", wahrscheinlich im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen, wie die kanadischen Behörden mitteilten. Normalerweise werden in solchen Zeiträumen 165 Tote registriert. Weitere Todesopfer werden befürchtet.

Lytton evakuiert

Besonders hart hat es den kanadischen Ort Lytton östlich von Vancouver getroffen. Dort zeigten die Thermometer 49,5 Grad Celsius - laut Wetterbehörde ein "Allzeit-Temperaturrekord". Schulen und Corona-Impfzentren mussten schließen, die Behörden richteten Abkühl-Zentren ein. Nur wenige Menschen haben eine Klimaanlage, Ventilatoren sind längst ausverkauft, die Holzhäuser heizen sich auf. Selbst nachts sinken die Temperaturen kaum unter 30 Grad.

Und mit der Hitze kamen die Brände, die sich angesichts der Dürre schnell ausbreiten: Bürgermeister Jan Polderman ordnete aufgrund des Feuers die Evakuierung Lyttons an. "Es ist schrecklich. Die ganze Stadt steht in Flammen", sagte er dem Sender CBC.

Viele Landwirte sorgen sich zudem um ihre Ernte. Auf Vancouver Island klagte ein Obstbauer, die Brombeeren an den Sträuchern würden regelrecht "verbrennen". Zudem seien 80 Prozent seiner Himbeerernte vernichtet. 

Hitzetote auch im Nordwesten der USA

Die Hitzewelle hat auch die US-Staaten Washington und Oregon fest im Griff. In Portland kletterte das Thermometer auf 47 Grad. Allein im Bezirk Multnomah County, der mit Portland die größte Stadt Oregons einschließt, seien seit Beginn der großen Hitze am Freitag 45 Menschen im Zusammenhang mit der exzessiven Hitze gestorben, teilte die Behörde für Gerichtsmedizin am Mittwoch mit. In Oregons nördlichem Nachbarstaat Washington wurden 16 Tote im Zusammenhang mit der Hitzewelle gezählt. Bei zwei von ihnen sei eine Hyperthermie, also eine Überhitzung, nachgewiesen worden, teilten die örtlichen Gesundheitsbehörden mit. 

Und auch in den USA wächst die Sorge vor weiteren Waldbränden. In Kalifornien stehen bereits aufgrund der Dürre und der hohen Temperaturen 70 Quadratkilometer in Flammen. Dieses Jahr könne "schwieriger" werden als das vergangene Jahr, als Waldbrände in den USA mehr als vier Millionen Hektar zerstörten, warnte US-Präsident Joe Biden.

Experten warnen vor häufiger auftretenden Hitzewellen durch den Klimawandel. Auch Kanadas Premierminister Justin Trudeau sagte: "Wir haben in den vergangenen Jahren immer mehr extreme Wetterphänomene dieses Typs erlebt. Realistischerweise wissen wir also, dass diese Hitzewelle nicht die letzte sein wird."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Juli 2021 um 14:00 Uhr.