Eine Heuschrecke sitzt auf einem Ast in Äthiopien | REUTERS

Heuschrecken in Kenia Die Plage ist zurück

Stand: 10.12.2020 14:01 Uhr

Ostafrika hat ein Jahr hinter sich, in dem Heuschrecken viele Ernten vernichtet haben. Mit großzügigem Einsatz von Pestiziden hatte Kenia die Plage unter Kontrolle gebracht. Doch nun rollt eine zweite Welle an.

Von Antje Diekhans, ARD-Studio Nairobi

Farmer in Kenias Küstenregion gehen gemeinsam ihre Felder ab und machen eine Schadensaufnahme. Heuschrecken haben hier in den vergangenen Tagen alles kahl gefressen. "Wir sind geschockt von dieser Invasion", sagt einer von ihnen. "Die Heuschrecken kommen von überall her und fallen über unsere Farmen her. Es werden immer mehr. Sie fressen den Mais und zerstören die Ananas- und Mangobäume."

Antje Diekhans ARD-Studio Nairobi

Die Plage ist zurück. Landwirtschaftsminister Peter Munya spricht im kenianischen Fernsehen von einer zweiten Welle und ist sehr besorgt. "Die Heuschrecken haben sich stark vermehrt. Und jetzt sind die Pflanzen besonders gefährdet, denn die sie sind noch zart. Die Regenzeit hat gerade begonnen."

Gekommen mit dem Wind

Der Wind treibt außerdem Schwärme aus Somalia und Äthiopien nach Kenia. Auch von der arabischen Halbinsel, aus dem Jemen, kommen Heuschrecken herüber. Anders als in Kenia sind die Insekten hier kaum bekämpft worden. Der zuständige Einsatzleiter an der Küste setzt auch jetzt wieder darauf, die Heuschrecken zu besprühen. "Der einzige Weg mit ihnen fertig zu werden, ist Flugzeuge einzusetzen. Wir nutzen Chemikalien und Bio-Pestizide." Zu Beginn des Jahres, als riesige Schwärme in Kenia unterwegs waren, wurden zudem Freiwillige ausgebildet, die am Boden Pestizide verteilten.

Die Mittel töten auch andere Insekten. Teils klagten Dorfbewohner nach den Einsätzen über Kopfschmerzen. Doch Stanley Kipkoech, Spezialist für Schädlingsbekämpfung im kenianischen Landwirtschaftsministerium, meint, dass Schaden und Nutzen abgewogen werden müssten: Die Schädlinge seien äußerst zerstörerisch. Eine Heuschrecke fresse am Tag eine Menge, die ihrem Körpergewicht entspricht, also etwa 20 Gramm. Jeder Schwarm bestehe aus 30 bis 40 Millionen Insekten. "Die Rechnung ist einfach: Da werden Tonnen an Lebensmitteln vernichtet, die eigentlich für Vieh und Menschen gedacht sind."

Aus Erfahrungen gelernt?

Das Klima in Ostafrika war in diesem Jahr ideal für Heuschrecken. Weil der Indische Ozean vor dem Kontinent ungewöhnlich warm war, gab es starke Regenfälle. Der feuchte Boden, in den Heuschrecken ihre Eier legen, ist ein perfekter Brutkasten.

Die Zweite Welle soll trotzdem nicht so schlimm werden wie die erste, sagt der Landwirtschaftsminister. Kenia habe aus den Erfahrungen zu Beginn des Jahres gelernt: "Darum sind unsere Maßnahmen sehr gezielt und sehr schnell. So können wir den Schaden begrenzen." Die Farmer hoffen darauf. Noch eine Ernte in diesem Jahr zu verlieren, wäre für viele eine Katastrophe.

Über dieses Thema berichtete mdr aktuell am 10. Dezember 2020 um 15:24 Uhr.