Steel Arena in Kosice | imago images / GEPA pictures

Handball-EM Unter dem Damokles-Schwert Corona

Stand: 12.01.2022 16:17 Uhr

In Ungarn und in der Slowakei beginnt morgen die Handball-EM. Organisatoren und Fans hatten sich einen neuen Auftrieb gewünscht. Doch nun diktiert die Pandemie die meisten Bedingungen.

Von Peter Lange, ARD-Studio Prag

Barbora Leskova ist Lehrerin an einer Grundschule in Bratislava. Die 25-Jährige ist Handball-Fan und hat früher selbst gespielt. Die EM im eigenen Land sieht sie mit gemischten Gefühlen: "Einerseits ist es gut, dass die Regierung sie genehmigt hat. Andererseits ist es aber traurig, dass sie unter diesen Bedingungen stattfindet."

Peter Lange ARD-Studio Prag

Nur 25 Prozent Auslastung der Halle

Bedingungen, die von der Corona-Pandemie diktiert werden. Gerade noch rechtzeitig hat die slowakische Regierung entschieden, wie man es mit dem Publikum halten will. Die beiden Hallen in Bratislava und Kosice dürfen nur zu 25 Prozent ausgelastet werden. Die Fans müssen vollständig geimpft oder genesen sein. Und sie müssen die ganze Zeit eine FFP2-Maske tragen.

Das hatte sich Handball-Präsident Jaroslav Holesa ganz anders vorgestellt, als sein Verband 2018 zusammen mit dem ungarischen Verband den Zuschlag bekam: "Wir hatten uns auch deshalb um das Championat bemüht, um mit dem Interesse der Medien und der Zuschauer diesen Sport neu starten zu können, um wieder mehr Kinder, Jugendliche und Fans zu gewinnen."

1967 war das Team sogar Weltmeister

Denn der Handball in der Slowakei hat schon bessere Zeiten gesehen - damals in der Tschechoslowakei. Bei den Weltmeisterschaften zwischen 1954 und 1967 war das Team der CSSR nie schlechter als Platz drei, 1967 sogar Weltmeister. Aber spätestens nach der Samtenen Revolution und besonders nach der Trennung von Tschechen und Slowaken ging es mit dem Handball bergab.

"Der wirtschaftliche Aspekt war für uns bei der Bewerbung auch ausschlaggebend", meint Holesa. "Wir könnten weiter Finanzquellen für Entwickungsprojekte erschließen. Das war der Plan von 2018, der uns 2020 wegen Covid zusammengebrochen ist."

Was, wenn das Virus im Team auftaucht? 

Und die Pandemie bleibt das ständige Damokles-Schwert über dem Turnier. Holsea sagt: "Dass das Virus in einigen Teams auftauchen könnte, das ist etwas, was uns nicht aus dem Kopf geht. Dass etwas Ähnliches geschehen könnte wie kürzlich bei der U20-Eishockey-WM, die schließlich abgebrochen wurde."

Ticketverkauf schon eingebrochen 

Mit 200.000 Zuschauern hatten die Organisatoren in der Slowakei kalkuliert. Jetzt dürfen nur 40.000 zu den 34 Spielen in die beiden Hallen. Der Ticketverkauf ist wegen Corona ohnehin eingebrochen.

Leskova fürchtet trotzdem, dass viele Fans draußen bleiben müssen. Was die Aussichten der slowakischen Mannschaft angeht, ist sie allerdings Realistin: "Wenn sie die Vorrunde in Kosice übersteht würde, wäre das super. Und wenn sie dann in der Hauptrunde hier in Bratislava spielen würde, wäre das eine Sensation."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Januar 2022 um 16:00 Uhr.