Mann gurgelt | Bildquelle: imago images/Panthermedia

Corona-Studie in Österreich "Gurgelmethode" statt Rachenabstrich

Stand: 17.08.2020 16:35 Uhr

Eine Minute lang Gurgeln - deutlich angenehmer als ein Abstrich tief in der Nase. Forscher der Universität Wien haben die "Gurgelmethode" entwickelt - und sehen sie als gute Ergänzung zu bisherigen Corona-Testverfahren.

Mithilfe einer Studie wollen Forscher der Universität Wien ab Herbst einen Überblick über die Corona-Infektionslage an österreichischen Schulen liefern. Neu ist die Methode: Gurgelwasser ersetzt dabei den Rachenabstrich als Corona-Testmethode.

Dafür soll eine repräsentative Gruppe von 15.000 Schülerinnen und Schülern und 1200 Lehrkräften an 250 Schulen alle drei Wochen getestet werden, um auch symptomfreie Fälle zu erfassen, wie der österreichische Bildungsminister Heinz Faßmann ankündigte. Dabei wird für die Tests statt des bislang üblichen Rachenabstrichs ein Gurgelverfahren benutzt, das von Forschern in Wien entwickelt und im Frühsommer getestet wurde.

Eine Minute Gurgeln statt Rachenabstrich

Dabei muss eine Minute lang mit einer speziellen Salzlösung gegurgelt werden, an der Partikel aus dem Rachen hängen bleiben - wie bei einem Abstrich. Die Probe wird anschließend in einem Labor auf Virenerbgut analysiert. Nach Angaben der Forscher können zehn Proben auf einmal getestet werden. Fällt der Befund positiv aus, werden die Proben nochmal einzeln analysiert.

In einer Pilotstudie im Frühjahr, bei der 5100 Schüler und Lehrer in Wien getestet wurden, habe das Gurgeln vergleichbare Ergebnisse wie der Rachenabstrich geliefert, sagte der Mikrobiologe und Studienleiter Michael Wagner von der Universität Wien. Das Gurgeln sei deutlich angenehmer und für Kinder beherrschbar: Selbst unter den Erstklässlern lieferten 80 Prozent demnach perfekte Proben. "Jeder, der gurgeln kann, kann diese Beprobung machen", betont Wagner.

Künftig ein einfacher Test für zuhause?

Daher eröffne die "Gurgelmethode" auch neue Möglichkeiten zur Probenentnahme, so Wagner. Der Test könne künftig zuhause selbst durchgeführt werden. Vorstellbar sei, ein Päckchen mit allen für das Gurgeln notwendigen Dingen zu erhalten - die Probe könne dann verpackt, an einer Sammelstelle eingeworfen und einem Labor zur Untersuchung weitergeleitet werden.

"Wir sehen uns aber nicht als Konkurrenz für kommerzielle Anbieter", sagte Wagner. Die Infrastruktur sei eher für Testungen unter Risikogruppen, im Bildungssystem oder bei Forschungsprojekten gedacht. Das hob auch Bildungsminister Faßmann hervor: Das Monitoringprogramm in Österreich sei als Ergänzung der klassischen Tests durch die Gesundheitsbehörden angedacht.

In Deutschland prüft derzeit auch die Stadt Köln ein Testverfahren mit Gurgellösung. Falls sich das Verfahren als so zuverlässig wie der Abstrich erweise, solle das Gurgeln in Köln weitgehend den unangenehmeren Nasen-Rachenabstrich ersetzen, kündigte das dortige Gesundheitsamt an. Das Robert Koch-Institut (RKI) äußerte sich bezüglich der Methode zunächst zurückhaltend. "Die Sensitivität wird in der Regel als geringer eingeschätzt als bei einem guten Abstrich", sagte eine RKI-Sprecherin dem "Tagesspiegel".

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