Ein kleines Mädchen steht in einem Zeltlager zwischen vielen schlafenden Erwachsenen. | Bildquelle: Jose Mendez/EPA-EFE/REX/Shutters

Flüchtlingsmarsch in Mexiko Trump will Zentralamerika-Hilfen streichen

Stand: 22.10.2018 17:30 Uhr

US-Präsident Trump will zentralamerikanischen Ländern Finanzhilfen kürzen, aus denen sich Tausende Menschen auf der Flucht in Richtung USA befinden. Die Massenflucht nennt er einen "nationalen Notstand für die USA".

Als Reaktion auf die Flucht von Tausenden Migranten aus Zentralamerika in Richtung Vereinigte Staaten hat US-Präsident Donald Trump angekündigt, nun mit der Kürzung von Entwicklungshilfe für mehrere Länder der Region zu beginnen. Seine Regierung werde eine Streichung oder "substanzielle" Reduzierung der Hilfen für Guatemala, Honduras und El Salvador einleiten, kündigte Trump auf Twitter an. 

Trump droht, Grenze zu Mexiko zu schließen

Er warf den drei Ländern vor, sie hätten dabei versagt, Menschen am Verlassen ihrer Heimat und an der illegalen Einreise in die USA zu hindern. Trump hatte bereits vor einigen Tagen mit der Streichung von Hilfen für die drei Länder gedroht. Der US-Präsident bezeichnete nun den fortdauernden Fußmarsch von Tausenden Honduranern in Richtung Norden als "nationalen Notstand" für die USA. Er habe deswegen den Grenzschutz und das Militär alarmiert. Er hatte bereits angekündigt, die US-Grenze zu Mexiko zu schließen.

Auf Flößen über den Grenzfluss

Trump behauptete, dass sich "Kriminelle und unbekannte Menschen aus dem Nahen Osten" unter die Flüchtlinge gemischt hätten. Die mexikanischen Behörden hatten die riesige Karawane zwar an der Grenze zu Guatemala gestoppt, viele Migranten durchquerten jedoch auf notdürftigen Flößen den Grenzfluss Río Suchiate und marschierten danach stundenlang weiter gen Norden.

Mit Flößen überqueren einige Honduraner die Grenze nach Mexiko. | Bildquelle: dpa
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Mit Flößen überqueren einige Honduraner die Grenze nach Mexiko.

Laut Schätzung der mexikanischen Bundespolizei waren rund 3000 Menschen in Mexiko unterwegs. Die Zahl könnte jedoch noch weit höher liegen. Die Karawane hatte sich vor mehr als einer Woche von San Pedro Sula im Norden von Honduras in Gang gesetzt. Sie folgte einem Aufruf in Onlinenetzwerken zu einem "Migranten-Marsch". "Wir gehen nicht, weil wir wollen, sondern weil wir von Gewalt und Armut vertrieben werden", hieß es in dem Aufruf.

Sie wollen Asyl in Mexiko oder den USA

Das Rote Kreuz hatte in Erwartung der Karawane Zeltlager in Tapachula errichtet, einer unweit der Pazifikküste gelegenen mexikanischen Stadt etwa 18 Kilometer von der Grenze zu Guatemala entfernt. Die meisten Menschen mussten dennoch im Freien übernachten, weil die Plätze nicht ausreichten. Die Organisation verteilte Lebensmittel an die erschöpften Migranten. Auch Anwohner spendeten Wasser, Lebensmittel und Kleidung.

Die Organisatoren des Flüchtlingstrecks riefen die Menschen auf, sich heute auszuruhen. "Wir werden hier bleiben und uns reorganisieren", sagte Denis Omar Contreras, einer der Organisatoren. Er betonte, sie wollten sich die Angebote der mexikanischen Behörden anhören. Was 70 Prozent der Migranten wollten, sei Asyl entweder in den USA oder in Mexiko. "Wenn Mexiko uns politisches Asyl gibt, bleiben wir hier", sagt Contreras.

Migranten aus Honduras überqueren einen Grenzzaun zwischen Mexiko und Guatemala | Bildquelle: AFP
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Menschen aus Honduras überqueren einen Grenzzaun zwischen Mexiko und Guatemala.

Arbeitsvisa für Mexiko?

Bis zur US-Grenze sind es von Tapachula noch rund 3800 Kilometer. Derzeit ist noch unklar, wie Mexiko sich weiter verhalten wird. Normalerweise dauert die Bearbeitung von Asylanträgen drei Monate.

Der designierte mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador sagte den Migranten seine Unterstützung zu und bot ihnen Arbeitsvisa für Mexiko an. Er stellte klar, dass die Migranten ein Recht auf ein würdiges Leben hätten. Er will mit den USA und Kanada ein Abkommen für mehr Investitionen in Mexiko als Beitrag gegen illegale Migration ausarbeiten, wenn er ab Dezember im Amt ist.

US-Präsident Trump und die Flüchtlings-Karawane
Jan Bösche, ARD Washington
23.10.2018 06:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 22. Oktober 2018 NDR Info um 10:08 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.

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