Queen-Fans haben in London Plakate und einen Aufsteller platziert, um das Thronjubiläum von Königin Elisabeth II. zu feiern | AP

Thronjubiläum der Queen Wie sattelfest ist die Monarchie?

Stand: 01.06.2022 17:00 Uhr

Großbritannien ist in Partylaune: Vier Tage lang wird das 70. Thronjubiläum der Queen gefeiert. Doch immer mehr Kritiker halten die Monarchie für überflüssig - Elizabeth II. müsse die letzte Königin sein, fordern sie.

Von Christoph Prössl, ARD-Studio London

Die Punk-Rocker von der Band Sex Pistols feiern mit beim Thronjubiläum. Auf ihre Art. Die Single "God Save The Queen" wird neu aufgelegt - auch als Vinyl-Sonderedition.

Christoph Prössl ARD-Studio London

Der Song mit wenig schmeichelhaften Versen über die Queen wurde unter diesem Titel 1977 zum silbernen Jubiläum von Queen Elizabeth II. herausgebracht. Die BBC weigerte sich damals, den Song im Radio zu spielen - trotzdem landete die Single auf Platz zwei der Charts.

In diesen Tagen ist "God Save The Queen" längst kein großer Aufreger mehr und besteht unaufgeregt neben dem großen Trubel um das Thronjubiläum, Fähnchen in den Innenstädten, Nachbarschaftsfesten und allerhand Queen-Devotionalien, die es im Handel gibt.

"Es gibt nichts Gutes über die Monarchie zu sagen"

Graham Smith trägt seine Kritik deutlich sachlicher vor. Der Vorsitzende der Organisation "Republic" setzt sich für die Abschaffung der Monarchie ein.

Wenn Sie eine Institution suchen, die transparent ist, die sich an Gesetze und Werte gebunden fühlt und die nicht korrupt ist, dann ist die Monarchie nicht die richtige Institution für Sie. Wenn Sie eine Institution suchen, die demokratisch ist und Gewaltenteilung kennt, dann ist die Monarchie nichts für Sie. Es gibt nichts Gutes über die Monarchie zu sagen.

Gerade erst hat die Organisation Plakate aufhängen lassen, auf denen zu lesen ist: "Make Elizabeth the last" - "Sorgt dafür, dass sie die letzte Königin ist".

Kritik an hohen Kosten

In einer Umfrage von YouGov gaben Ende April 60 Prozent der Befragten an, sie wollten an der Monarchie festhalten. 27 Prozent sagten, sie seien dafür, das Königshaus abzuschaffen. 13 Prozent sind unentschieden. Umfragen machen aber auch deutlich, dass die Zustimmung vor allem für Queen Elizabeth II. so groß ist und für Prinz Charles und Prinz William deutlich geringer ausfällt. Für die nächste Generation auf dem Thron könnte sich die Frage nach dem Nutzen des Königshauses neu stellen. Vor allem, weil die Skandale beispielsweise um Prinz Andrew dem Ansehen der Monarchie geschadet haben.

Graham Smith kritisiert die hohen Kosten: "Alles eingerechnet, auch die Sicherheit, kostet die Monarchie den britischen Steuerzahler 420 Millionen Euro pro Jahr, eine Menge Geld. Und wofür?" Es sei unklar, wofür die Queen stehe und was sie erreicht habe. Smith fehlen die großen Reden, Impulse, wie sie von Staatsoberhäuptern in anderen Ländern ausgehen.

Spaltung durch Brexit und Unabhängigskeitsbestrebungen

Und was ist mit dem Argument, dass die Queen eine identitätsstiftende Persönlichkeit für das Vereinigte Königreich ist? Vielleicht sogar die einzige Institution, unter der sich die Menschen noch versammeln? "Großbritannien ist heute weniger vereint als vor 40 oder 50 Jahren", sagt Smith. "Wenn das also die Aufgabe der Queen gewesen wäre, ist sie gescheitert."

In Schottland gibt es Unabhängigkeitsbestrebungen. Und gerade die Schotten, aber auch viele Nordiren, werfen den Engländern vor, mit dem Brexit genau diese Spaltung forciert zu haben. Vor allem die Engländer haben dafür gestimmt, aus der EU auszutreten, die Nordiren und Schotten waren mehrheitlich dagegen. Und von der Queen? Kein Wort dazu - wie immer.

Denn das Amt definiert sich deutlich stärker als beispielsweise das des deutschen Bundespräsidenten als übergeordnete Institution. Kein Wort zu den extrem hohen Lebenshaltungskosten, umstrittener Flüchtlingspolitik. Immer verbunden mit der Gefahr, dass das Amt als überflüssig wahrgenommen werden könnte. Die Zahl derer, die die Monarchie abschaffen wollen, nimmt seit Jahren leicht, aber stetig zu - vielleicht auch deshalb.

 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Juni 2022 um 17:00 Uhr.