Wohnhäuser unter der zum Teil eingestürzte Brücke in Genua | Bildquelle: LUCA ZENNARO/EPA-EFE/REX/Shutter

Brückeneinsturz in Genua Die Schuldzuweisungen beginnen

Stand: 15.08.2018 18:00 Uhr

Der Grund für den Brückeneinsturz in Genua ist noch unklar, doch die Regierung hat die Schuldigen bereits ausgemacht: den Autobahnbetreiber - und die EU. In Genua gilt nun für ein Jahr der Ausnahmezustand.

Von Lisa Weiß, ARD-Studio Rom

War es Materialermüdung, war es das Unwetter? War es menschliches Versagen oder höhere Gewalt? Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft nach dem teilweisen Einsturz der Autobahnbrücke in Genua sind noch lange nicht abgeschlossen. Man ermittele in alle Richtungen, sagt Staatsanwalt Francesco Cozzi: "Aber von höherer Gewalt zu sprechen bei einem von Menschenhand geschaffenen Bauwerk, bei dem offenbar Instandhaltungsarbeiten im Gange waren und andere schon abgeschlossen waren - das scheint mir nicht angemessen."

Italienische Regierung erhebt schwere Vorwürfe gegen Autobahnbetreiber
tagesthemen 22:15 Uhr, 15.08.2018, Ellen Trapp, ARD Rom

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Vorwürfe an Autobahnbetreiber

Die Schuldzuweisungen haben längst begonnen. Verkehrsminister Danilo Toninelli ist überzeugt davon, dass der private Autobahnbetreiber Autostrade per l‘Italia, der sich um diesen Fahrbahnabschnitt kümmern soll, verantwortlich für das Unglück mit 39 Toten ist. Die Betreibergesellschaft habe gegen ihren Vertrag verstoßen, sagt Toninelli. Sie hätte sich um die Instandhaltung kümmern müssen. Wenn eine Brücke wie die in Genua zusammenbreche, könne das nicht geschehen sein.

Stefano Marigliani von Autostrade per l’Italia verteidigt sich: "Diese Brücke ist ständig kontrolliert und überwacht worden. Nicht nur nach den gesetzlichen Vorschriften, sondern auch mit weitergehenden speziellen Untersuchungen. Gesellschaften, die die Infrastruktur überwachen und die uns unterstützt haben, haben bestätigt, dass unsere Methoden korrekt sind. Es ist klar, dass irgendetwas nicht funktioniert hat."

Salvini macht EU verantwortlich

Toninelli ist nicht der einzige Minister, der den Rücktritt der Führungsebene der Betreibergesellschaft fordert, der Gesellschaft die Lizenz entziehen und sie mit einer hohen Strafe belegen will. Auch Vize-Ministerpräsident Luigi di Maio hält die Gesellschaft für den Schuldigen: "Wenn Autostrade sagt, es sei alles in Ordnung, dann ist das deren Problem."

Und Innenminister Matteo Salvini hat noch einen weiteren Schuldigen im Visier: die EU. "Worüber ich als Minister und italienischer Bürger nachdenke, ist, warum viele Schulen, Krankenhäuser und Autobahnen instandgesetzt werden müssen. Aber oft heißt es, wir können dieses Geld nicht ausgeben, weil es europäische Hindernisse gibt, etwa das Defizit, das Bruttoinlandsprodukt oder den Spread. Das nächste Wirtschaftsmanöver muss die Sicherheit der Italiener in den Vordergrund stellen und alle Hindernisse kommen danach."

Ausnahmezustand in Genua

Regierungschef Giuseppe Conte rief in der Stadt den Notstand aus. Der Ausnahmezustand solle für zwölf Monate gelten, sagte er nach einem außerordentlichen Treffen des Ministerrats. Zudem stellte die Regierung fünf Millionen Euro Nothilfe zur Verfügung. Conte versprach, einen Kommissar für den Wiederaufbau Genuas einzusetzen.

Helge Roefer, ARD Rom, zzt. Genua, zur Suche nach Überlebenden
tagesthemen 22:15 Uhr, 15.08.2018

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alt Die eingestürzte Autobahnbrücke in Genua | Bildquelle: AP

Der grün-blaue Lastwagen von Genua

Ein grün-blauer Lastwagen ist zum Symbol des verheerenden Einsturzes der Morandi-Brücke in Genua geworden. Um wenige Meter hatte der Fahrer die Katastrophe am Dienstag überlebt. "Ich konnte mich retten, weil ein Auto mich überholte und ich verlangsamte", erzählte der 27-Jährige der Zeitung "La Repubblica". Er habe das Auto mit den anderen abstürzen sehen, schlagartig gebremst und den Rückwärtsgang eingelegt. "Dann habe ich die Tür geöffnet und bin geflüchtet."
Auf Fotos ist zu sehen, wie nahe der Lastwagen vor dem Abgrund steht. Mit laufendem Motor soll der Fahrer den Wagen zurückgelassen haben. Der Genuese war für die lokale Supermarktkette Basko unterwegs.
Der Lastwagen sei nicht das einzige Fahrzeug, das die Menschen bei der Flucht von der Brücke dort stehen gelassen hätten, sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Die Staatsanwaltschaft habe aus Ermittlungsgründen noch nicht angeordnet, sie abzuschleppen. Früher oder später werde das aber passieren.

Langfristiges Verkehrschaos droht

Die Menschen in Genua dürfte erst einmal gar nicht so sehr interessieren, wer die Schuld an dem verheerenden Unglück trägt. Für sie ist viel wichtiger, zu wissen, wie es weitergeht. Noch steht Genua unter Schock, noch ist Urlaubszeit. Doch schon nächste Woche könnte ein Verkehrschaos drohen - denn die Brücke war eine wichtige Verkehrsader.

Besonders ungewiss ist die Lage für die Menschen, die in den Häusern wohnen, die unter dem Brückenrest stehen. Noch ist nicht ganz klar, wie einsturzgefährdet die Brückenteile sind, aber Genuas Bürgermeister Marco Bucci  macht ihnen wenig Hoffnungen, dass sie wieder in ihre Häuser zurückkehren dürfen: "Es dürfte sich schwierig gestalten, Häuser unter einer Brücke zu erhalten, die möglicherweise zusammenbrechen könnte. Wenn man die Brücke abbrechen muss, kann man in den Häusern darunter nicht bleiben."

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Nach Brückeneinsturz in Genua: Die Suche nach Überlebenden geht weiter

Blick auf die Trümmer einer eingestürzten Brücke in Genua

Nach dem Brückeneinsturz in Genua suchen die Rettungskräfte weiter nach Überlebenden. | Bildquelle: LUCA ZENNARO/EPA-EFE/REX/Shutter

  

Schuldzuweisungen nach Brückeneinsturz in Genua
Lisa Weiß, ARD Rom
15.08.2018 17:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau24 am 15. August 2018 um 19:00 Uhr.

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