Gelbwesten in Tränengaswolken am Arc de Triomphe | Bildquelle: REUTERS

Frankreich Gewaltsamer Protest der "Gelbwesten"

Stand: 01.12.2018 11:07 Uhr

Am dritten Wochenende in Folge stehen in Frankreich landesweite Proteste der "Gelbwesten" an. In Paris kam es bereits zu Ausschreitungen auf den Champs-Élysées. Die Polizei setzte Tränengas ein und nahm zwei Menschen fest.

In Frankreich haben erneute Proteste der "Gelbwesten"-Bewegung begonnen, die seit knapp zwei Wochen gegen die Politik von Präsident Emmanuel Macron demonstriert. Die Polizei in Paris setzte Tränengas gegen Aktivisten ein, die eine Sperre an den zentralen Champs-Élysées durchbrechen wollten. Zwei Menschen seien wegen Besitzes von verbotenen Waffen festgenommen worden.

Die Champs-Élysées sind aus Sicherheitsgründen für den Autoverkehr gesperrt. Fußgängern ist der Zugang zum zwei Kilometer langen Prachtboulevard möglich, aber es sind Identitäts- und Sicherheitskontrollen eingerichtet. So soll verhindert werden, dass es auf dem Boulevard erneut zu heftigen Ausschreitungen kommt, wie am vergangenen Wochenende.

Gelbwesten in Tränengaswolken | Bildquelle: AP
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Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein.

Drittes Wochenende in Folge

Die Aktivisten haben für heute über die sozialen Netzwerke zu landesweiten Protestaktionen und zu Straßenblockaden in der Hauptstadt Paris aufgerufen. Die Regierung fürchtet Ausschreitungen und hat rund 5000 Polizisten mobilisiert. Es ist das dritte Wochenende in Folge, an dem die Protestgruppe mit Großaktionen landesweit demonstriert. In Paris hat die Gewerkschaft CGT zu einer zentralen Kundgebung am Platz der Republik aufgerufen.

40 Forderungen

Frankreich befindet sich seit nunmehr zwei Wochen im Aufruhr. Überall im ganzen Land errichten Männer und Frauen in den gelben Warnwesten, die jeder Autofahrer bei sich führen muss, Straßensperren oder sie blockieren Mautstationen. Entzündet hat sich der Protest an der geplanten Erhöhung der Steuern auf Diesel und Benzin. Aber schnell ging es um viel mehr: um die Angst vor sozialem Abstieg und um die Wut auf die Regierung, insbesondere auf den als abgehoben empfundenen Präsidenten Emmanuel Macron und seine wirtschaftsfreundlichen Reformen.

Gelbwesten treffen auf Polizei und ein Demonstrant wirft eine Flasche mit gelber Farbe | Bildquelle: AFP
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Demonstranten bewarfen Polizisten mit gelber Farbe.

Die Bewegung hat eine Liste mit 40 Forderungen veröffentlicht: Erhöhung des Mindestlohn, die Erhöhung der Renten, die Rücknahme der Abschaffung der Vermögenssteuer. Drei Viertel der Franzosen sympathisieren Umfragen zufolge mit den "Gelbwesten".

Kaum Dialog

Macron hat in dieser Woche zwar erstmals Verständnis für die Anliegen der "Gelbwesten" geäußert. Aber - abgesehen von einer Anpassung der umstrittenen Ökosteuer an die Benzinpreise - will er an seinem Wirtschaftskurs festhalten. Parallel versucht die Regierung aber auch, einen Dialog mit der Bewegung zu beginnen. Am Freitag hatte Premierminister Édouard Philippe den achtköpfigen Sprecherrat eingeladen: gekommen sind aber nur zwei und einer ging sofort wieder, weil Philippe einer Liveübertragung des Gesprächs im Fernsehen nicht zustimmen wollte.

Mit Informationen von Martin Bohne, ARD-Studio Paris

Neue Demonstration der "Gelbwesten" angekündigt
Martin Bohne, ARD Brüssel
01.12.2018 10:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Dezember 2018 um 11:00 Uhr.

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